Fortuna Düsseldorf: Kaan Ayhan ist nun ein richtiger Düsseldorfer

Fortunas Abwehrchef : Kaan Ayhan ist jetzt richtiger Düsseldorfer

Der gebürtige Gelsenkirchener ist seit 2016 bei Fortuna und nun an den Rhein gezogen. Spiele gegen Schalke bleiben für Kaan Ayhan aber etwas Besonderes.

Am Sonntag wird Kaan Ayhan 25 Jahre alt. Ob er so richtig Lust zum Feiern hat, hängt maßgeblich vom Vortag ab: Dann tritt er mit Fortuna Düsseldorf beim FC Schalke 04 an, und ein Erfolg würde die Stimmung im Hause Ayhan beträchtlich heben. Und das, obwohl die Familie starke Bindungen an die Gelsenkirchener hat: Kaans kleiner Bruder Mertcan spielt in der Schalker U14, und auch Fortunas Abwehrchef hat seine komplette Jugendzeit bei den Königsblauen verbracht.

„Deshalb wird ein Spiel gegen den FC Schalke für mich auch nie eins wie jedes andere sein“, gibt der türkische Nationalspieler zu. Ayhan freut sich auf das Kräftemessen mit seinem Ex-Verein, in das er allerdings ohne jeden Groll geht. „Ich weiß, dass ich es auch auf Schalke hätte schaffen können“, sagt er, „aber ich hatte nicht die Reife, mit verschiedenen Situationen wie ständigen Trainerwechseln umzugehen. Ich bin jedenfalls auf niemanden bei Schalke sauer, und traurig bin ich auch nicht.“ Es habe anfangs eine Zeit gegeben, in der er sich die Frage stellte, warum es in Gelsenkirchen nicht geklappt habe. „Aber heute bin ich irgendwie dankbar, dass alles so gekommen ist.“

Inzwischen ist aus dem Auf-Kohle-Geborenen längst ein richtiger Düsseldorfer geworden. Das merkte Ayhan auch nach dem 2:0 über den 1. FC Köln am Sonntag. „Der Sieg fühlt sich jetzt schon ungewöhnlich lange richtig gut an“, berichtet er lachend. „Ein Derbysieg hält eben ein bisschen länger vor. Und von der sportlichen Bedeutung her ist Köln als direkter Konkurrent schon sehr wichtig gewesen.“

Schalke bleibt dennoch Schalke, wenn man so lange Blau-Weiß getragen hat. „Vor dem Hinspiel der Vorsaison hatte ich gesagt: Wenn wir gegen Schalke gewinnen, gehe ich grinsend bei jedem Bäcker in Gelsenkirchen vorbei“, erinnert sich der Innenverteidiger. „Aber wir haben es verloren – deshalb habe ich beschlossen, mich zurückzuhalten. Außerdem wohne ich jetzt in Düsseldorf, deshalb hole ich meine Brötchen ganz normal wie immer.“

Bei Familie und Freunden herrscht große Vorfreude auf den Samstag. „Ich denke, sie sind schon alle eher Kaan-Fans als Schalke-Fans“, sagt Ayhan. „Auch wenn Mertcan da zwischen den Stühlen sitzt.“

In der Veltins-Arena gibt es zudem ein Wiedersehen mit einem alten Kollegen, der in der Sommerpause von Fortuna zu Schalke wechselte: Benito Raman. Ayhan sieht dabei vor allem die sportliche Aufgabe: „Zu Benito habe ich eher weniger Kontakt. Im Fußball geht es leider oft sehr schnelllebig zu, wenn die Wege sich trennen. Er scheint jetzt in Fahrt gekommen zu sein, aber wir haben auch die Leute, Benito zu verteidigen.“ Den nötigen Ehrgeiz hat der 24-Jährige ohnehin, gerade gegen namhafte Kontrahenten, da er in diesen Vergleichen derzeit Defizite ausmacht: „In dieser Saison sind wir zwar gegen direkte Konkurrenten erfolgreicher, aber wir möchten auch gegen die vermeintlich Stärkeren mehr Konstanz hineinbringen.“

Noch interessanter wird ein Gespräch mit Kaan Ayhan allerdings, wenn es über die Tagesaktualität hinausgeht. So gibt er ungewöhnliche Einblicke in seine Gefühlswelt: „Um ehrlich zu sein, habe ich erst seit zwei, drei Jahren das Gefühl, wirklich Profi zu sein. In Filmen gibt es ja diese Szenen, in denen der Hauptdarsteller seine Ziele an die Wand pinnt. Ich hätte mir gewünscht, dass es so gewesen wäre, aber irgendwie ist immer eins ins andere übergegangen.“

So treffe auf ihn auch nicht das Klischee vom kleinen Jungen zu, der immer schon Profi werden wollte. „Es ist ähnlich wie in der Schule, man wächst da langsam rein. In der siebten Klasse denkt man ja auch noch nicht ans Abitur, und ich habe als Junge auch nicht groß ans Profidasein gedacht“, erzählt er. „In der U17 und U19 fängt man, ganz leise für sich selbst, an zu träumen. Mit anderen Leuten habe ich darüber aber nur ganz selten gesprochen.“

Inzwischen ist der späte Traum Realität. In Düsseldorf, wo er viele Fans mit seiner Vertragsverlängerung im Sommer überraschte. „Es gab immer Alternativen zu Fortuna, aber am Ende hatte ich immer das Bauchgefühl, das mir sagte: Hey, das fühlt sich richtig an, warum soll ich etwas ändern? Ich bin eigentlich ein extrem verkopfter Mensch, denke zehntausend Mal alle Szenarien durch – und am Ende höre ich dann doch auf meinen Bauch.“

Mehr von RP ONLINE