Fortuna Düsseldorf: Kaan Ayhan als Symbol der 1:7-Schmach

Fortunas Abwehrchef gibt sich selbstkritisch : Ayhan als Symbol der 1:7-Schmach

Kaan Ayhan bietet beim Debakel in Frankfurt eine üble Vorstellung und bezeichnet sich selbst als Totalausfall. Fortunas Abwehrchef führt die Riege der selbstkritischen Spieler an – und gelobt Besserung.

Er gilt als Führungsfigur, als Spieler, der die im Fußball so oft herbeigewünschte Konstanz verkörpert. Woche für Woche liefert Kaan Ayhan in der Bundesliga überdurchschnittliche Leistungen ab, ohne Ausreißer nach unten – bis zum vergangenen Freitag in Frankfurt. Beim 1:7 gegen die Eintracht geht Fortunas Abwehrchef nicht nur mit seiner Mannschaft unter, er ist ein Hauptgrund für die – auch in dieser Höhe – verdiente Schmach. „Mir fehlt der Superlativ für diese Leistung“, sagte der 23-Jährige kurz nach der Partie, „und mir fehlt auch eine Erklärung, wie das passieren konnte. So ein Spiel darf natürlich nicht passieren.“

Der gebürtige Gelsenkirchener steht dafür, dass sich seine Mannschaft in schwierigen Phasen eines Spiels an ihm aufrichten kann. Diese Rolle soll Ayhan ausfüllen, und sie ist auch sein eigener Anspruch als Innenverteidiger, der auch in der türkischen Nationalmannschaft eine wichtige Größe werden möchte. Immerhin: Die Größe, zu seinen Fehlern zu stehen, zeigte er bereits am Freitag. „Wir haben zu viele Fehler gemacht. Vor allem ich möchte in der Bundesliga ein anderes Bild abliefern“, betonte Ayhan. „Wir hatten ein paar Totalausfälle heute, und ich habe dazugehört. Das tut mir leid für die Mannschaft. Wenn in der Abwehr einer so einen rabenschwarzen Tag erwischt, dann kommt so ein Ergebnis zustande.“

In der Tat fehlte es bei Ayhan an allem, was er sonst zu bieten hat: Zweikampfstärke, gutes Stellungsspiel und das Gespür, im richtigen Moment mit einem Vorstoß bei Ballbesitz für Überzahl zu sorgen. Statistiken sagen sicher nicht alles aus, sie geben aber häufig ein Indiz für das Arbeitszeugnis. In Frankfurt führte Ayhan 17 Zweikämpfe, nur vier Mal ging er als Sieger hervor. Eine Zweikampfquote von 23,53 Prozent ist für einen Innenverteidiger die Höchststrafe. „Wenn ein Linksaußen, ein Rechtsaußen oder ein Stürmer mal einen schwarzen Tag hat, dann kann man das kompensieren. Heute waren es gefühlt 90 Angriffe auf unser Tor. Da muss man fast schon sagen: Zum Glück haben wir nur sieben Tore bekommen“, erklärte Ayhan in sarkastischem Unterton.

Er wollte aber zumindest auch nicht die fragwürdige Elfmeterentscheidung nach Videobeweis vor dem 1:0 als Entschuldigung gelten lassen: „Dann müssten wir uns ja nur noch die Ausreden für sechs andere Tore einfallen lassen. Wenn man sieben Tore kriegt, muss man sich selbst kritisieren. Heute gibt es keine Ausreden.“

Ayhan plädierte dafür, die Aufarbeitung dieses Spiels knapper ausfallen zu lassen. „Es bringt nichts, jeden Fehler einzeln zu analysieren. Das ist meine Meinung, wir werden sehen, wie das Trainerteam das sieht. Ich finde, man muss so ein Spiel einfach mal abhaken und dann eine Trotzreaktion zeigen“, sagte er. Sein Trainer war da aber ganz anderer Meinung: „Nein, dieses Spiel muss analysiert werden“, sagte Friedhelm Funkel. „Es gibt Spiele, da gebe ich ihm Recht. Als wir 1:6 in Hannover im Pokal 2016 gespielt haben, habe ich das geschluckt. Aber dieses Spiel hier wird gnadenlos analysiert.“

Da muss dann auch der Abwehrchef durch. Vielleicht findet Ayhan dann nach ausführlichem Videostudium auch eine Erklärung, warum er seinem eigenen Anspruch in diesem Spiel nicht gerecht werden konnte.

(erer)