Fortuna Düsseldorf - Interview mit Vorstandsboss Robert Schäfer: „Die Arena muss sich an Fortuna ausrichten“

Interview mit Vorstandsboss Schäfer : „Die Arena muss sich an Fortuna ausrichten“

Das Jahr 2018 war erfolgreich für Fortuna Düsseldorf. Fortunas Vorstandsboss spricht vor dem Jahreswechsel im Interview über Lutz Pfannenstiel, die Ziele im kommenden Jahr und Vorurteile gegenüber ihm.

Erst der Aufstieg in die Bundesliga, und nun geht es auf Platz 14 mit vier Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz in die Rückrunde. Es war ein erfolgreiches Fortuna-Jahr 2018. Vorstandsboss Robert Schäfer schaut im Interview darauf zurück und fordert für 2019 dazu auf, sich auf den Erfolgen keineswegs auszuruhen.

Herr Schäfer, wie fällt Ihre Bilanz von Fortunas Hinrunde aus?

SCHÄFER Die Überlegung für die Bundesliga war, mutig zu sein, mehr zu laufen als der Gegner und schnell zu lernen. Im Idealfall wollten wir zwischen 15 und 17 Punkten im Winter haben. Das haben wir nun sogar übertroffen. Am Anfang ist uns ein steifer Wind ins Gesicht geweht. Ich bin stolz auf jeden einzelnen Spieler, denn wir haben die Situation angenommen und sind dabei eine Mannschaft geblieben. Als Team stehen wir zusammen. Auch wenn ich sagen muss: Wir hätten noch schneller lernen können.

Inwiefern?

SCHÄFER In der Phase, als wir sechs Niederlagen in Serie hinnehmen mussten, gab es wiederkehrende Muster: Wir haben gut mitgespielt, aber die Chancen nicht genutzt. Da denke ich an die Spiele gegen Schalke, Leverkusen, Stuttgart und Mainz. Da hätten wir einen Schritt schneller lernen können. Aber es waren natürlich Highlights dabei, die wir so mit Fortuna Düsseldorf lange nicht erlebt haben: Das Spiel in München oder der Sieg gegen Dortmund, für mich war aber das Hertha-Spiel auch ganz wichtig.

Würden Sie sagen, dass diese Partie die wichtigste der Hinrunde war?

SCHÄFER Für mich ja, wobei das 2:0 gegen Freiburg auch wichtig war. Wir müssen nun in der Rückrunde noch schneller auf Situationen im Spiel und den Gegner reagieren. Wir haben Wolfsburg stärker erwartet, konnten die anfängliche Verunsicherung des Gegners dann aber nicht nutzen. Dann kam die Qualität des Gegners durch. Jetzt haben wir 18 Punkte erreicht, aber es hätten noch mehr sein können. Wir sind aber zufrieden und definitiv in der Bundesliga angekommen. Dass unsere Mannschaft Bundesligaqualität hat, weiß jetzt jeder. An welchen Stellschrauben wir im Winter drehen müssen, wissen wir auch.

An welchen denn?

SCHÄFER Im Spiel ist es die Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor. Die Laufleistung hat nicht bei allen Spielen gestimmt. Das ist aber keine konditionelle Frage, sondern liegt in den Köpfen.

So wie in Nürnberg?

SCHÄFER Das Spiel in Nürnberg war eines unserer schlechtesten. Da hat die Mannschaft gedacht – so war zumindest mein Gefühl –, dass es da für uns etwas leichter wird. Dafür wurden wir zu Recht bestraft. Die Laufleistung muss in jedem Spiel so sein wie z.B. gegen Freiburg. Wir müssen auch schauen, ob und wie wir unseren Kader verstärken. Das hat nichts damit zu tun, dass wir unseren Spielern nicht vertrauen – doch wenn es die Möglichkeit gibt, in der Spitze besser zu werden, werden wir das auch machen. Wir werden nicht sagen: ,Hauptsache wir gehen gut gepolstert in die zweite Liga.‘ Wir werden auch eine Schwarze Null oder eventuell einen leichten Verlust in Kauf nehmen, wenn es für uns Sinn macht.

Wäre Fortuna mit neun oder zehn Punkten in die Winterpause gegangen, hätte das 2018 im Gesamten etwas kaputtgemacht?

SCHÄFER Es wäre ein herber Dämpfer gewesen. Das gesamte Jahr hätte es aber sicherlich nicht kaputt gemacht, es war eines der erfolgreichsten Jahre unserer Vereinsgeschichte.

Aber das wäre dann nicht mehr so wahrgenommen worden…

SCHÄFER Es wäre diesem Jahr nicht gerecht geworden, wenn wir nur bei acht oder neun Punkten geblieben wären. Bei neun Punkten hätte man ja wahrscheinlich 28 Punkte in der Rückrunde holen müssen – das wäre schon schwer gewesen. Von daher bin ich sehr froh, dass wir nun eine realistische Chance haben, die Klasse zu halten. 2018 ist jedenfalls das mit Abstand beste Jahr der jüngeren Vergangenheit. Wir sind ja auch nicht gerade so noch in die Bundesliga reingerutscht, sondern wir sind Zweitligameister geworden.

Was war für Sie denn der schönste Moment des Jahres?

SCHÄFER Für mich war der Aufstieg in Dresden der schönste Moment. Auch das Ankommen in Düsseldorf und die Feier auf den Rathausbalkon waren wie ein Traum.

Darüber wird man noch in vielen Jahren sprechen…

SCHÄFER Genau, es ist etwas Bleibendes. Da haben wir ein bisschen Geschichte geschrieben.

Was hat 2018 noch ausgemacht?

SCHÄFER Wir waren so nah an unserer Tradition wie lange nicht. Das haben wir unter anderem mit Gerd Zewe, der die Meisterschale übergeben hat, gelebt. Wir haben auch das Brauchtum unserer Heimat im Sommer wie Winter gepflegt wie noch nie. Man hat gemerkt, dass nach dem Aufstieg ein anderes Gefühl in der Stadt herrschte – so aber auch nach dem Sieg gegen Dortmund. Das war 2018 das Bemerkenswerte – wir waren alle beieinander. Wir haben das geschafft und uns dabei nicht verkauft oder verschuldet und uns klar zum Verein ohne Investor bekannt. Es war emotional einfach ein sehr schönes Jahr.

Dann richten wir den Blick nach vorn: Was sind die Prioritäten 2019?

SCHÄFER In der Liga zu bleiben, hat absolute Priorität. Wir sind zwar so aufgestellt, dass wir – sollte es nicht klappen – eine gute Mannschaft haben und stabil sind, aber wir wollen alles unternehmen, um die Klasse zu halten. Dazu müssen wir uns entwickeln – spielerisch und auch im gesamten sportlichen Bereich. Wir müssen mehr tun – nicht, weil es aktuell zu wenig ist, aber wir müssen trotzdem einen Extra-Meter machen, und zwar alle: das Team, das Team ums Team herum und die Trainer. Es darf sich keiner zurücknehmen und in einer Art Zufriedenheit verharren. Wir haben eine Grundlage geschaffen, das reicht aber nicht. Das kann auch gefährlich sein. Sollten wir uns jetzt zurücklehnen, werden wir bitterböse bestraft. Das haben die sechs Spiele in der Hinrunde gezeigt. Das muss uns bewusst sein.

Was sind die Aufgaben in anderen Bereichen?

SCHÄFER Wir müssen im gesamten Umfeld zusammenstehen, um als Traditionsklub ohne Investor die finanzielle Lücke kleiner werden zu lassen. Wir stehen dazu auch im ständigen Austausch mit unseren Fans und Mitgliedern. Wir hatten zum Beispiel eine Einblendung unseres Weihnachtspullovers während eines Spiels auf der Videowand – das kam nicht gut an. Das haben wir aufgenommen und werden wir nicht mehr machen. Aber es auch klar, dass wir Einnahmen und neue Ideen brauchen. Da muss es weiter einen Dialog zwischen Fans und Verein geben. Das klappt derzeit gut, muss aber auch zukünftig so sein. Fortuna ist als Traditionsverein ist ein Beispiel dafür, wie man in der – zum Teil zu Recht kritisierten – kommerziellen Fußballwelt ein anderes Modell sein kann. Das heißt aber nicht, dass man jeglichen Verkauf einstellt und keine Fanartikel mehr anbietet.

Fortuna versucht also kommerziell zu handeln, ohne sich dabei zu verkaufen.

SCHÄFER Genau. Dodi Lukebakio ist nicht unser teuerster Spieler, aber vielleicht einer unserer besten. Da hat der Fußball noch unendlich viele Möglichkeiten, die aus Bequemlichkeit liegengelassen werden. Der Fußball geht in manchen Hinsichten nicht die Extrameile und das ist unsere Chance.

Auf welche Bereiche spielen Sie mit der Bequemlichkeit an?

SCHÄFER Das sind Details, die wir in Verhandlungen merken. Oftmals wird vielleicht nicht genau hingeschaut. Wenn wir fleißig sind, können wir das als Vorteil für uns nutzen. Das ist unsere Idee. Der Fußball allgemein kann wieder mehr Vorbild werden, wenn die Solidarität unter den Vereinen gelebt wird. Wir müssen zeigen, dass uns die Menschen nicht egal sind und als gutes Beispiel Verantwortung übernehmen. Wir haben zum Beispiel die Preise bei den Dauerkarten nach dem Aufstieg konstant gelassen – wie auch alle sonstigen Preise auf der Südtribüne. Die Menschen brauchen solche Zeichen, damit sie spüren, dass man sie ernst nimmt und Ihre Sorgen kennt. Wenn man das deutlich macht, kann man aus meiner Sicht die derzeitigen Konflikte heilen und der Fußball kann wieder Vorbild sein.

Ist denn die Aufteilung der Gelder in Deutschland, besonders der TV-Gelder, wirklich solidarisch?

SCHÄFER Wir müssen bei der nächsten Verteilung Bilanz ziehen und erkennen, dass das aktuelle System dazu neigt, die Starken immer stärker werden zu lassen. Das schwächt aber den Sport. Das kapitalistischste Land der Welt, die USA, hat dazu mit dem Salary Cap eine Lösung gefunden, weil es gesehen hat, dass es im Sport zu einem selbstlaufenden Prozess wird, wenn die Starken immer stärker werden. Dadurch verliert der Sport seine Spannung. Das nutzt keinem. Das sollten auch die Großen berücksichtigen und da sollten wir einen Konsens erarbeiten.

Ist dieser Konsens überhaupt möglich? Die großen Vereine scheinen immer internationaler zu denken, da wirkt es, als seien die Prioritäten klar verteilt.

SCHÄFER Das sehe ich nicht ganz so. Die großen Vereine wissen, dass die Bundesliga ihre Basis und ihr Zuhause ist. Sie machen sich auch Gedanken über das Verhältnis zwischen der ersten und zweiten Liga. Die nationalen TV-Gelder machen für die Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich im Übrigen keinen Unterschied mehr.

Was sind außerhalb des Rasens mittelfristig die wichtigsten Aufgaben für Fortuna?

SCHÄFER Mittelfristig wird wichtig sein, unseren sportlichen Bereich zu verbessern und auszubauen. Gerade bei Transfers wollen wir ein stetig laufendes Geschäft entwickeln. Der Verkauf von Bebou (2017 für fünf Millionen Euro zu Hannover gewechselt; Anm. d. Red.) soll kein Einzelfall bleiben – nicht, weil wir sonst wirtschaftliche Probleme haben, sondern, weil wir wirtschaftlich dann noch mehr gestalten können.

Der Klassiker der kleinen Klubs also: Sie wollen durch Transfers Überschüsse generieren?

SCHÄFER Genau, Überschüsse oder Perspektiven. Wir haben viele Spieler die ein großes Potential haben. Wir wollen immer mehr Rechte und Möglichkeiten im Transfergeschäft bekommen, um handeln können. Leihgeschäfte sollten am besten mit Kaufoptionen abgeschlossen werden.

Was gilt es 2019 noch zu erledigen?

SCHÄFER Es gibt noch das Thema Arena: Dass es ein berechtigtes Interesse daran gibt, dass eine Arena wirtschaftlich funktionieren soll, kann ich nachvollziehen. Es muss aber klar sein, dass Fortuna der Hauptmieter ist und dass sich gewisse Sachen daran ausrichten müssen. Diesen Geist gibt es leider immer noch nicht. Falls es ihn mal gab, ist er verlorengegangen. Ich habe den Eindruck, dass nur eine reine Optimierungspolitik die Arena vorantreibt.

Inwiefern?

SCHÄFER Die Betreiber versuchen, die Einnahmen zu unseren Lasten zu steigern – eigentlich müsste ich die Arena als Betreiber aber viel mehr auf Fortuna zuschneiden und versuchen zusammen die Einnahmen zu optimieren. Jeder, der eine Spezialimmobilie hat und nur einen Dauermieter dafür hat, sollte sie so gestalten, dass es für den Mieter am besten passt und er prosperiert.

Haben Sie das Gefühl, dass die vorherrschende Meinung ist: ‚Wo soll Fortuna denn sonst auch hin? Da können wir uns auch auf andere Sachen konzentrieren.‘

SCHÄFER Nein, ich habe das Gefühl, dass wir nur als eine weitere Veranstaltung gesehen werden. Es gibt ein paar Konzerte und auch eben auch Fortuna. Wenn ich mir ansehe, wie die anderen Events von der Arena beworben werden und das mit dem Engagement für unsere Spielen vergleiche – da herrscht ein Ungleichgewicht. Wir müssen in den Gesprächen klarmachen, dass es auch gar nicht darum geht, Fortuna irgendetwas unrechtmäßig zukommen zu lassen. Das ist nicht und war auch nie der Fall. Wie in anderen Städten auch profitiert die Stadt alleine von der nationalen ganzjährigen Aufmerksamkeit, die durch unsere Spiele entsteht – von der Wirkung für die Menschen in Düsseldorf ganz zu schweigen. Das hat der Sommer nach dem Aufstieg jedem in Düsseldorf gezeigt. Da spreche ich noch nicht von sonstigen Mehrwerten für die Stadt wie Übernachtungen oder ähnliches. Wenn man sich die Tagesschau ansieht und über Fortuna Düsseldorf berichtet wird, entsteht dadurch schließlich schon allein dadurch ein unglaublicher Mehrwert für die Sportstadt Düsseldorf, den so kein anderer leisten kann. Diesen Zusammenhang sollte die Politik und der Arenabetreiber bedenken und überlegen, wie wir zusammen sicher stellen das wir weiter Bundesligafußball in Düsseldorf erleben. Der Ansatz, die Betreibergesellschaft auf Kosten Fortunas zu sanieren, nützt keinem.

Was sind weitere Ziele im kommenden Jahr?

SCHÄFER Als Fortuna-Belegschaft müssen wir weiter zusammenwachsen. Es gab auf der Geschäftsstelle einen ziemlichen Wandel. Aber durch stetigen Wandel und neue Konzepte können wir einen Vorteil erzielen, deshalb müssen wir alle neuen Ideen offen gegenüber stehen.

Ideen und Konzepte soll auch Lutz Pfannenstiel mitbringen. Was bringt der neue Sportvorstand denn schon ein?

SCHÄFER Erst einmal muss man dem Aufsichtsrat ein großes Kompliment machen, dass so ein Mann gefunden wurde. Er ist konzeptionell am Puls der Zeit und kommt von einem Verein, bei dem es Kultur ist, sinnvolle Neuerungen auszuprobieren. Er verfügt über ein überragendes internationales Netzwerk und kennt im Fußball fast jeden. Er bringt eine unglaubliche Energie und positive Stimmung ein – er ist einfach ein sehr positiver Mensch mit einer überragenden Arbeitseinstellung. Genau das, was wir brauchen. Die gute Basis, die wir haben, wird er auf ein nächstes Level bringen. Das ist vielleicht nicht einfach für die, die da sind und einen tollen Job für die Fortuna gemacht haben. Aber mit der Zeit werden sie das annehmen, weil diese Konzeption, die Lutz Pfannenstiel reinbringt, unserem Verein gut tut. Und es geht nur um Fortuna. Daher wünsche ich mir von allen im sportlichen Bereich, dass sie das auch so verstehen, annehmen und als Chance sehen, gemeinsam den nächsten großen Schritt zu gehen.

Verstehe ich das auch als Ansage an den Trainer?

SCHÄFER Das betrifft alle, die im sportlichen Bereich für die Fortuna arbeiten, auch den Trainer und sein Team.

Friedhelm Funkel hat durchklingen lassen, dass er diese Personalie nicht als zwingend notwendig erachtet hat.