Hennings über Homosexualität im Fußball „Niemand sollte sich wegen seiner Sexualität verstecken müssen“

Exklusiv | Düsseldorf · Mehrere Hundert Fußballspielerinnen und -spieler sprechen in einer Kampagne homosexuellen Sportlern Mut zu. Der frühere Nationalspieler Philipp Lahm rät aktiven Profis dagegen vom Coming-Out in der Öffentlichkeit ab. Was Fortuna-Profi Rouwen Hennings denkt.

 Rouwen Hennings.

Rouwen Hennings.

Foto: Frederic Scheidemann

Max Kruse zeigt Flagge. Alexandra Popp auch. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke teilte die wichtige Botschaft im Namen von Borussia Dortmund. In einer Kampagne des Magazins „11Freunde“ haben Hunderte Akteure aus dem Profifußball homosexuellen Spielern ihre volle Unterstützung und Solidarität zugesichert. „Ihr könnt auf uns zählen", heißt es in der Erklärung, die die Angst vor den Folgen eines Coming-Outs nehmen soll.

Einen offen homosexuellen Spieler gibt es im deutschen Profifußball der Männer auch im Jahr 2021 nicht. Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger outete sich erst nach der aktiven Karriere. Die Angst vor Beschimpfungen und Ausgrenzungen in der Öffentlichkeit, in der Kabine und in den Fankurven ist offenbar noch immer allgegenwärtig.

Ex-Nationalmannschaftskapitän Philipp Lahm bleibt skeptisch.Von einem öffentlichen Bekenntnis zur eigenen Orientierung rät er ab. „Die Verantwortung wäre mir zu groß", schrieb der Weltmeister-Kapitän von 2014 in seinem neuen Buch „Das Spiel: Die Welt des Fußballs". Gegenwärtig seien „die Chancen gering, so einen Versuch in der Bundesliga mit Erfolg zu wagen und nur halbwegs unbeschadet davonzukommen", meinte Lahm.

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Foto: Christof Wolff

Er würde einem betroffenen Spieler nicht einmal raten, sich mit seinen Mitspielern im eigenen Klub über dieses Thema zu unterhalten. Zudem befürchtet der 37-Jährige "gebrüllte Beleidigungen, Beschimpfungen und diffamierende Äußerungen. Wer würde das aushalten? Und wenn ja, wie lange würde er es aushalten?"

Und wie sieht man das bei Fußball-Zweitligist Fortuna? „Sich zu outen ist die ganz persönliche Entscheidung jedes Einzelnen“, sagt Vorstand Klaus Allofs. „Ich kann da niemandem einen Rat geben. Sagen kann ich aber, dass ein Spieler hier bei Fortuna Düsseldorf die Unterstützung des gesamten Vereins hätte.“

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Foto: falk janning (faja)

Rouwen Hennings wird da deutlich konkreter.

Unter den Leuten in meinem Bekanntenkreis gibt es auch Homosexuelle. Für mich ist das etwas ganz Normales. Heutzutage sollte das wirklich kein Tabuthema mehr sein. Ich verstehe generell das Thema nicht, worum es ja eigentlich geht, ist Toleranz. Das sollte überall so gelebt werden. Man muss Respekt vor anderen haben und akzeptieren, dass es andere Lebensweisen und Meinungen gibt.“

Und wenn er einen Rat in der Kabine geben müsste? Hennings sagt: „Dann würde ich dem Mitspieler Mut zu sprechen, sich nicht länger zu verstecken. Ob jemand über seine Sexualität öffentlich sprechen will, ist eine ganz persönliche Sache. Aber sicher ist, niemand sollte das Gefühl haben, sich verstecken zu müssen, weil er vor den Reaktionen Angst hat. Wir sind in Deutschland weiter, davon bin ich fest überzeugt.“

(gic mit dpa/sid)