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Fortuna Düsseldorf: In den 1970ern auf Augenhöhe mit dem FC Bayern München

Fortunas legendäre Mannschaften : In den 1970ern auf Augenhöhe mit den Bayern

Fortuna hatte zu Beginn der 70er-Jahre die vermutlich stärkste Mannschaft ihrer Geschichte zusammen. Die Truppe von Trainer Heinz Lucas holte zwar keinen Titel, wurde aber zweimal Dritter in der Bundesliga. Teil zwei unserer Serie über legendäre Teams der Fortuna.

Sie gewann zwar keinen Titel, sie gilt aber bis heute als vermutlich stärkste Mannschaft, die je für Fortuna gespielt hat. Gemeint ist die Truppe von Trainer Heinz Lucas, die am 20. Juni 1971 den zweiten Aufstieg in die Bundesliga klarmachte und in Folge in fast unveränderter Besetzung das Fußball-Oberhaus aufmischte. Sie schaffte im ersten Jahr ganz sicher den Klassenerhalt und wurde im zweiten und dritten Jahr jeweils sensationell Dritter. In der Saison 72/73 waren nur der FC Bayern und der 1. FC Köln, ein Jahr später lediglich Bayern und Borussia Mönchengladbach besser.

Fortunas Erfolgsgeschichte Anfang der 70er Jahre ist ganz eng mit Heinz Lucas verbunden, sie wäre ohne den Coach nicht möglich gewesen. Der Nachfolger von Otto Knefler (der 1970 zum Bundesligisten Eintracht Braunschweig gewechselt war) führte die Flingerner gleich in seinem ersten Jahr in die erste Liga und schuf damit die Voraussetzung dafür, dass die Rot-Weißen 16 Jahre ununterbrochen dem Oberhaus angehörten.

Lucas besaß ein gutes Gespür für die Stärken seiner Schützlinge. So beorderte er beispielsweise den als Mittelstürmer gekauften Dieter Herzog vom Sturmzentrum auf die Linksaußenposition und den hoffnungsvollen Nachwuchsstürmer Reiner Geye dafür in die Angriffsmitte. Das zahlte sich aus: Geye erzielte in den 34 Ligapartien der Regionalliga West-Saison 1970/71 25 Treffer, Herzog 13. Fortuna spielte mit dem treffsicheren Duo eine bärenstarke Hinrunde und setzte sich an die Spitze. In der Rückrunde schwächelte sie zwar, verlor am drittletzten Spieltag auch die Tabellenführung, doch sie verteidigte den zweiten Platz am letzten Spieltag durch einen 3:1-Sieg beim VfR Neuss. Mit einem Zähler Vorsprung auf den Tabellendritten Wuppertaler SV schaffte es Fortuna über die Ziellinie und qualifizierte sich für die Aufstiegsrunde, die sie dann mit Bravour meisterte. 14:2 Punkte sammelte sie in den acht Partien gegen Borussia Neunkirchen, FC St. Pauli, 1 FC Nürnberg und Wacker 04 Berlin.

Lucas war fest von seiner Idee überzeugt, die Mannschaft ohne Verstärkungen in der ersten Liga etablieren zu können. Und er behielt recht. Seine Schützlinge, die halbtags arbeiteten und die gleiche Entlohnung bekamen wie ein Jahr zuvor in der Regionalliga, waren nach sechs Spieltagen Vierter mit 8:4 Punkten. Es folgten zwar auch Schwächephasen mit 2:12 Zählern in Folge, doch am Saisonende stand ein respektabler 13. Rang.

Auch in der folgenden Spielzeit 1972/73 vertraute Lucas seinem Stamm und verjüngte das Team nur ganz zaghaft. Einziger nennenswerter Zugang war der 22-jährige Gerd Zewe, der für 180.000 D-Mark aus Neunkirchen kam. Fortuna trat glanzvoll auf, hatte am 14. Spieltag die Chance, mit Tabellenführer Bayern München gleichzuziehen. Lange sah es auch danach aus, denn die Düsseldorfer führten in München schon mit 2:0, unterlagen aber noch mit 2:3. Es war die erfolgreichste Saison der Vereinsgeschichte: Die Düsseldorfer blieben zehn Spiele in Folge ungeschlagen, holten 42:26 Punkte und schossen 62:45 Tore. Reiner Geye (16) und Klaus Budde (14) waren die besten Torschützen der Rot-Weißen. 26.000 Zuschauer kamen im Schnitt ins Rheinstadion und freuten sich über den Offensivfußball ihres Tabellendritten.

Zur Saison 1973/74, der Saison vor der Weltmeisterschaft im eigenen Land, etablierten sich die Düsseldorfer erneut mit fast unveränderter Mannschaft in der Spitze. Sie hatten lediglich Wolfgang Seel vom 1. FC Kaiserslautern geholt. Es gab spektakuläre Erfolge: So einen 4:2-Erfolg gegen den FC Bayern vor 60.000 Zuschauern im Rheinstadion. Und am vorletzten Spieltag gelang den Rot-Weißen in einer dramatischen Partie ein 1:0 gegen die seit zehn Spiel ungeschlagenen Borussen aus Mönchengladbach (Tor: Reiner Geye) und zerstörten damit die Titelträume des Nachbarn. Fortuna-Keeper Wilfried Woyke hielt einen Elfmeter von Jupp Heynckes. Als Dritter sicherten sich die Düsseldorfer erneut einen Platz im UEFA-Pokal.

Auch in der Folgesaison 1974/75 hielt Lucas an seiner Mannschaft fest, obwohl genug Geld in der Kasse für Verstärkungen war. Einziger Zugang war der Verteidiger Gerd Zimmermann, der für 600.000 D-Mark von Absteiger Fortuna Köln kam. Nach den beiden dritten Plätzen träumten die Düsseldorfer vom Titel. Doch die Mannschaft hatte ihren Zenit überschritten, agierte überaus launisch und überwinterte als Tabellen-14. Lucas verließ die Fortuna im April 1975, um zu 1860 München zu wechseln. Die Mannschaft wurde nach einer insgesamt enttäuschenden Saison nur Sechster. Allerdings übertrafen die Düsseldorfer diesen sechsten Rang nur noch einmal (als Fünfter in der Saison 77/78).

Alle eingesetzten Spieler der Saison 1972/73: Abel, Baltes, Beiroth, Biesenkamp, Brei, Budde, Büns, Galakos, Geye, Helmreich, Herzog, Hesse, Köhnen, Kraus, Kriegler, Lungwitz, Schulz, Senger, Woyke, Zewe.

Hier geht es zur ersten Folge der Serie „Fortunas legendäre Mannschaften“.