Fortuna Düsseldorf holt sich in letzter Sekunde die „Meisterfelge“

Wilde Aufholjagd in Nürnberg: Fortuna holt sich in letzter Sekunde die „Meisterfelge“

Die Düsseldorfer gewinnen nach einem 0:2-Rückstand beim Mitaufsteiger 1. FC Nürnberg noch verdientermaßen 3:2. Kaan Ayhan köpft in der Nachspielzeit das Siegtor, davor treffen Takashi Usami und Niko Gießelmann für Fortuna.

„Nie mehr Zweite Liga!“ schallte es durch das Max-Morlock-Stadion – allerdings von allen Rängen. Heimblock, Gästeblock, Haupttribüne. Selten zuvor war sich eine gesamte Arena so einig in fröhlicher Partystimmung. Düsseldorfer wie Nürnberger Anhänger feierten den gemeinsamen Einzug in die erste Fußball-Bundesliga lautstark. Dass es noch um die „Felge“, die Meistertrophäe der zweiten Liga ging, rückte zumindest vor dem Anpfiff in den Hintergrund. Gewinner des vielleicht hässlichsten Pokals im deutschen Fußball wurde am Ende Fortuna, dank des Kopfballtreffers von Kaan Ayhan zum 3:2 in der Nachspielzeit. Damit holten sich die Gäste nicht nur die Felge, sondern auch die Meisterprämie von rund 1,2 Millionen Euro, die die Deutsche Fußball Liga ausgelobt hatte.

Trainer Friedhelm Funkel ging sehr maßvoll mit der Möglichkeit um, einigen Spielern Praxis zu geben, die zuletzt eher selten zum Einsatz gekommen waren. Lediglich Jean Zimmer (für Julian Schauerte) und Benito Raman (für Havard Nielsen, der beim 1:1 gegen Kiel den verletzten Florian Neuhaus vertreten hatte) rückten neu in die Startelf. Torhüter Michael Rensing, mit dessen Comeback vielfach spekuliert worden war, zog einen Einsatz im sportlich wichtigeren Spiel der Regionalliga-Zweitvertretung gegen Rot-Weiss Essen vor. Der Lohn dafür stellte sich nicht ein: Es reichte für die „Zwote“ nur zu einem 1:1. Somit muss sie darauf hoffen, dass der KFC Uerdingen in der Drittliga-Relegation gegen Mannheim den Aufstieg schafft – sonst wäre der Absturz in die fünftklassige Oberliga perfekt.

Raphael Wolf, der aufgrund der Entscheidung um Rensing seinen Stammplatz im Tor behielt, leistete sich bereits in der sechsten Minute einen seiner wenigen Patzer dieser Saison. Der gebürtige Münchner klatschte einen 30-Meter-Freistoß von Eduard Löwen vor die Füße von Georg Margreitter, und der Innenverteidiger ließ sich nicht lange bitten – 1:0 für den „Club“. Und als dann noch Tim Leibold wenig später auf 2:0 erhöhte, war die Luft im Kampf um die „Felge“ fast schon ein wenig draußen, denn schließlich hätte Fortuna gewinnen müssen, um Platz eins zurückzuerobern. Weder Adam Bodzek noch Robin Bormuth hatten entschlossen genug versucht, Mikael Ishak am Flanken zu hindern.

  • 2. Bundesliga 17/18 : Fortuna in Nürnberg: Einzelkritik

Es wäre an Rouwen Hennings gewesen, nach einer knappen halben Stunde neue Spannung in die Partie zu bringen. Nach einem Innenpfosten-Kopfball Genki Haraguchis, den FCN-Keeper Fabian Bredlow auf – oder doch kurz hinter? – der Torlinie wegfischte, schoss der Torjäger Bredlow aus kürzester Distanz an. Das hätte der Anschlusstreffer sein müssen, doch den holte Takashi Usami in der 38. Minute nach. Niko Gießelmann schlug eine Flanke von links in den Strafraum, und der Japaner vollendete mit einem sehenswerten Kopfball zu seinem achten Saisontreffer.

Nach der Pause ging es zunächst ohne Personalwechsel weiter, und auch am Geschehen änderte sich wenig. Bis zur 60. Minute – da packte Gießelmann aus 25 Metern einen herrlichen Schlenzer mit seinem starken linken Fuß in den Torwinkel aus. Dieses 2:2 tat dem Linksverteidiger doppelt gut, spielte er doch vor seinem Wechsel nach Düsseldorf für den Erzrivalen der Nürnberger, die Spielvereinigung Greuther Fürth. Und dann kam Ayhan und viel, viel Jubel.

(jol)
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