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Fortuna Düsseldorf - „Histörchen“ gegen St. Pauli – die etwas andere Gegnervorschau

„Histörchen“ – die etwas andere Gegnervorschau : Als ein Sieg gegen St. Pauli ein Meilenstein zum Aufstieg war

Fortuna gastiert im letzten Saisonspiel beim FC St. Pauli. Spiele gegen die Kiezkicker haben immer einen besonderen Charme. Vor allem, wenn sie für die Düsseldorfer einen erfolgreichen Weg ebnen. So wie im Jahr 2011. Ein Blick zurück.

Unser His-Törchen schließt die Saison mit einem Leckerbissen für alle Auswärtsfahrer unter den Anhängern der Rot-Weißen. Fortuna tritt am Sonntag um 15.30 Uhr letztmalig in der Saison 2021/22 vor das Leder.

Sah es vor Wochenfrist noch danach aus, als könnte nach der Partie am Millerntor einer Reeperbahn-Sause aller erster Kajüte gefeiert werden, so hat sich das Blatt am vergangenen Wochenende gewendet. Fortuna kam zwar ihrer „Pflicht“ nach und bereitete den Kiez-Kickern mit dem Sieg über Darmstadt 98 die Bühne für eine Aufstiegsparty, doch die coronagebeutelten Hanseaten patzten ihrerseits beim Bundesliga-Rückkehrer Schalke 04. Da gleichzeitig Werder Bremen und Stadtrivale HSV ihre Hausaufgaben erledigten, muss schon das achte Weltwunder geschehen, sollte der FC St.Pauli das letzte Abteil des Aufstiegszuges doch noch erreichen – gilt es doch drei Punkte und 18 Tore aufzuholen.

Irgendwie war das Spiel gegen den HSV am 20. Spieltag der Knackpunkt der Saison. Nach der Niederlage gegen die Rothosen war nichts mehr, wie es war. Und daran wurde in der Folge intensiv gearbeitet. 17 Punkte seit der verlorenen „Stadtmeisterschaft“ waren eines Aufstiegsaspiranten nicht würdig. Die Quittung wird eine weitere Saison in der Zweiten Liga lauten.

Das Hinspiel Sahen 15.000 Fans in der Arena – coronabedingt ausverkauft. Fortuna trat mit breiter Brust auf, schließlich hatten die Flingerer gerade erst Erfolgsluft geschnuppert. Nach dem Triumph bei den Lilien sollte auch das zweite Spitzenteam Federn lassen.

Beim Topspiel des letzten Hinrunden-Spieltages am 11. Dezember schien Fortuna zunächst äußerst inspiriert zu sein. Die Rot-Weißen verzichteten auf die obligatorische Abtastphase und Emma Iyoha hatte bereits nach drei Minuten die Chance zur Führung. Allerdings vergab der junge Stürmer eine todsichere Möglichkeit fahrlässig. Aber auch der Gast zündete schnell den Turbo und hatte seinerseits nach sieben Minuten eine Großchance, die Raphael Wolf glänzend zu Nichte machte. In der Folge neutralisierten sich beide Teams und die Partie verflachte zusehends. Der Pausenpfiff erlöste die Fans von dem Mittelfeldgeplänkel.

In der Halbzeit wurden nicht nur die Gelenke geölt, sondern auch die Akkus aufgeladen. Diesmal hatte der FC St. Pauli den besseren Start. Keine zwei Minuten nach Wiederbeginn löste Marcel Hartel das Führungsticket (47.). Die Hamburger verdienten sich in den nächsten Minuten eindeutig die Führung, doch Fortuna wehrte sich nach Kräften – und wurde belohnt.

  • Tim Oberdorf (l.) und Ao Tanaka.
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  • MSV-Kapitän Moritz Stoppelkamp.
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Nicht zum letzten Mal in der Saison zeigte Khaled Narey seine Qualitäten. Zunächst hängte er seinen Gegenspieler locker ab, um dann Rouwen Hennings mustergültig zu bedienen. Der Ex-Hamburger ließ sich diese Möglichkeit nicht entgehen - 1:1 (68.).

Die Auswärtsbilanz Ist ein zweischneidiges Messer. Schüttet man alle bisherigen 22 relevanten Ergebnisse in eine Lostrommel, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man aus Düsseldorfer Sicht eine Niete zieht. Gleich dreizehn Mal hieß es: „Leider verloren“.

In fünf gemeinsamen Jahren Bundesliga holten die Düsseldorfer lediglich einen Sieg (3:2; 1990/91) – verloren gleich viermal (5:10 Tore). In der drittklassigen Regionalliga Nord ging Fortuna zweimal an der Elbe baden und ergatterte lediglich einen Punkt (1:1; 2005/2006).

Kommen wir zu den Zweitligavergleichen einen Steinwurf von der Reeperbahn entfernt. 13 Spiele – sieben Niederlagen, zwei Unentschieden, aber auch vier Erfolge (16:27 Tore). Tolle Wurst könnte man denken, wo ist denn nun die zweite Seite der Schneide? Die liegt im Zeitpunkt der Düsseldorfer Siege versteckt. Denn nicht nur, dass Fortuna ortsunabhängig seit fünf Partien gegen die Kiez-Kicker unbesiegt ist, nein, sie gewann ihre letzten drei Auftritt am Millerntor allesamt. Den Trend zeigt also steil nach oben!

Das erste Pflichtspiel im Wilhelm-Koch-Stadion war übrigens 1971. Im Rahmen der Aufstiegsrunde zur Bundesliga nahm Fortuna damals einen Punkt mit an den Rhein und stieg zum zweiten Mal nach 1966 in die Bundesliga auf. Um der Chronistenpflicht Genüge zu tun, sollte Fortunas Freundschaftsauftritte nicht unerwähnt bleiben: 1984 gab es eine peinliche 1:5-Schlappe, jedoch 1947 (3:2) und 1968 (3:0) zwei Erfolgserlebnisse.

Das Spiel der Spiele Liegt nun auch schon wieder fast elf Jahre zurück. Es stammt aus der Zeit, als Maxi Beister wirbelte, Oliver Fink das Mittelfeld leer grätschte, Rotzlöffel Sascha Rösler nicht nur Armin Veh zur Verzweiflung brachte, Tobias Levels noch nicht an Verschwörungstheorien glaubte, sondern auch Lumpi Lambertz stolzer Träger der Kapitänsbinde und die Lunge der Fortuna war. Und damit haben wir auch schon viele der entscheidenden Protagonisten des 3:1-Auswärtserfolges am 17. Oktober 2011 genannt.

St. Pauli ging zunächst durch Max Kruse in Führung (15.), doch mit dem Halbzeitpfiff packte „Lumpi“ einen Hammer aus und nagelte das Leder aus 18 Metern in den Winkel! Nach 57 Minuten war ein Pfostentreffer für die Kiez-Kicker der Türöffner für Fortunas 30 Minuten-Gala, die noch in der gleichen Minute durch Kapitän Lambertz zur 2:1-Führung eröffnet wurde.

Nach 75. Spielminute tanzte Beister die halbe St. Pauli-Abwehr aus und vollendete zum 3:1. Weiteren Torerfolgen durch Beister und Rösler stand hingegen das Alugestänge des Tores im Wege. So blieb es am Ende des Tages beim 3:1-Sieg der Fortuna, der als einer der Meilensteine zum Aufstieg 2012 in die Geschichtsbücher einging.