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Fortuna Düsseldorf: Histörchen - die etwas andere Gegnervorschau auf den FC Ingolstadt

„Histörchen“ – die etwas andere Gegnervorschau : Warum in Ingolstadt die Uhren für Fortuna ganz anders gehen

In unserer Rubrik „Histörchen“ widmen wir uns heute Fortunas Bilanz gegen den Zweitliga-Gegner vom Samstag, den FC Ingolstadt. Dabei geht es nicht zuletzt um eine sechs Jahre zurückliegende Partie, in der die Uhr von Schiedsrichter Jochen Drees eine Hauptrolle spielte.

Zweiter Teil der „Bayerischen Wochen“ für Fortuna Düsseldorf. Und so reist die betagte Diva vom Rhein am Samstag ins Oberbayerische, um dem noch nicht einmal volljährigen FC Ingolstadt 04 die Punkte abzuluchsen. 2003 pfiff der traditionsreiche ESV Ingolstadt aus dem letzten Loch. Finanziell am Boden, wandten sich die Verantwortlichen an Unternehmer Peter Jackwerth und baten um Unterstützung. Der Multimilliönar ließ sich nicht lumpen und stieg zunächst als Sponsor, später als Vorsitzender ein.

Tolle Idee, fand der zweite heruntergewirtschaftete Traditionsklub der Stadt, der MTV. Und ehe man sich in Oberbayern versah, wurden die beiden Fußballabteilungen zusammengelegt und 2004 ein neuer Verein namens FC Ingolstadt 04 aus der Taufe gehoben.

Gründungsvater Jackwerth fand auch schnell beim ortsansässigen Automobilriesen Gehör. Ingolstadt sollte in die große, weite Fußballwelt aufsteigen. Innerhalb von vier Jahren gelang es, von der Bayernliga bis in die 2. Bundesliga zu springen. Weitere sieben Jahre vergingen, bis sogar Platz elf in der Bundesliga erklommen wurde. Der Plan schien zunächst aufzugehen. Doch noch schneller als der Aufstieg erfolgte der Sturzflug der „Schanzer“ bis in die Dritte Liga (2019).

 Face-to-Face-Vergleich Die beiden Ursprungsvereine, ESV und MTV Ingolstadt, waren für Fortuna weitestgehend unbeschriebene Blätter. Lediglich mit dem VfB Ingolstadt-Ringsee (später ESV) gab es am 18. Juni 1935 ein Freundschaftsspiel. Auf einer Süddeutschland-Tour ging Fortuna durch Paul Mehl vor 3000 Fans mit 1:0 in Führung (55.), musste sich aber letztlich gegen den bayerischen Erstligisten mit einem 1:1 (0:0) zufriedengeben.

Fortuna traf, bis auf die siegreiche DFB-Pokalbegegnung in der vergangenen Saison (1:0), nur in Pflichtspielen der 2. Bundesliga auf den FC Ingolstadt 04. Aus den fünf Meisterschaftsspielen bei den Schanzern geht Fortuna mit einer negativen Gesamtbilanz heraus. Lediglich einmal gelang es, die komplette Punkteausbeute zu sichern, einmal langte es zu einem Unentschieden, und gleich dreimal gab es lange Gesichter bei Fortuna und seinen Anhängern. 

Aber auch das Remis (1:1) am 4. Februar 2012 konnte niemanden so recht erwärmen, denn die Außentemperatur lag bei minus zehn Grad Celsius, und sogar die Gästetoiletten wurden geschlossen, da die Wasserleitungen zu platzen drohten. Ihren bisher einzigen „Dreier“ feierte Fortuna am 13. Oktober 2013. Nach einem Doppelpack von  Charlison Benschop (50. und 63.) gelang ein knapper 2:1-Sieg im Audi-Sportpark.

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 Seitenwechsler Große Emotionen verbinden die Fortuna-Fans mit den Seitenwechslern Tobias Levels und Maxi Beister. Beide Ex-Fortunen gingen als Aufstiegshelden in die rot-weißen Geschichtsbücher ein. Während der vom Hamburger SV ausgeliehene Beister in Düsseldorf nicht nur wegen seine Turboläufe absoluter Publikumsliebling war, hatte Defensivkraft und Ex-Gladbacher Levels zeitweise einen schweren Stand bei den Fans. Unvergessen bleibt  das Pfeifkonzert der Haupttribünen - Kundschaft, das Tobias Levels so tief ins Mark traf, dass dem Profi noch auf dem Platz die Tränen kamen. Feines Gespür zeigten dagegen die Südtribüne, die Levels trotz diverser Patzer mit Sprechchören den Rücken stärkte.

Erster Wechsler war allerdings Torwart Jürgen Wittmann, der 1989 vom MTV Ingolstadt an den Rhein kam. Wittmann konnte sich nicht gegen Jörg Schmadtke durchsetzen und brachte es lediglich auf zehn Bundesligaeinsätze für Fortuna. Beachtenswert, dass in Sebastian Hofmann (Sturm, VfB Stuttgart U23) und Ian Joy (Verteidiger, USA) zwei Testspieler, die bei Fortuna im Probetraining durchfielen, anschließend in Ingolstadt Verträge erhielten. Auf die weitere Seitenwechsler Harald Gärtner, Alfredo Morales und Thomas Pledl werfen wir vor dem Rückspiel ein Auge.

 Spiel der Spiele Unter den fünf bisherigen Partien in Ingolstadt sticht das Meisterschaftsspiel vom 17. April 2015 besonders heraus. Nach einer knappen halben Stunde Spielzeit wusste sich Adam Bodzek nicht mehr anders zu helfen, als per Notbremse einen Angriff der Schanzer im Strafraum zu beenden. Bodzek bekam den Roten Karton unter die Nase gehalten, durfte sich dann aber bei Michael Rensing bedanken, dass dieser den Foulelfmeter des späteren Fortunen Alfred Morales glänzend parierte. Während der FCI noch mit der vertanen Chance zur Führung haderte, schlug auf der Gegenseite Joel Pohjanpalo eiskalt zu (0:1, 33. Minute).

Der FCI glich aus, der eingewechselte Ilas Bebou stellte auf 1:2  Doch Ingolstadt wollte unbedingt zum ersten Mal in die Bundesliga aufsteigen. Die Endphase der Partie wurde dramatisch: Nach 86 Minuten fiel das 2:2, und dann ließ Schiedsrichter Jochen Drees unfassbare 96 Minuten spielen – Zeit genug für Ingolstadt, tatsächlich noch das 3:2 zu machen.

 Was Hoffnung macht Ingolstadt war mehr als vier Jahrhunderte lang bayrische Landesfestung. Daher rührt auch der Beiname „Die Schanzer“. Diesen Kosenamen erhielten die Ingolstädter, da sie sich in dieser Zeit gern hinter den Mauern ihrer Festung verschanzten.

Es ist nicht ganz auszuschließen, dass der FCI am Samstag diesem Namen alle Ehre machen wird, zumal da er bereits 18 Gegentreffer in dieser Saison kassierte. Fortuna hat indes zuletzt in Aue gezeigt, dass sie auch gegen Kellerkinder erfolgreich sein kann. Im Hinblick auf die derzeitige tabellarische Situation täte der dritte Sasonsieg auch Not, will Fortuna nicht womöglich selbst zum Kellerkind werden.

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