Fortuna Düsseldorf gewinnt gegen TSG 1899 Hoffenheim: Ein Sieg mit Moral

Analyse: Fortuna besiegt Hoffenheim: Ein Sieg mit Moral

Die Hoffenheimer hatten mehr als doppelt so viele Torschüsse auf dem Konto als die Düsseldorfer. Am Ende stand aber ein 2:1-Sieg für die Fortuna, die mit Laufbereitschaft und Einsatzwillen überzeugte.

Statistiken sagen gewiss nicht alles über den Fußball aus, aber sie geben meist zumindest ein Indiz, wie eine Partie gelaufen ist. Beim Bundesligaspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hoffenheim notierten die eifrigen Zahlensammler Michael Rensing als Düsseldorfer mit den meisten Ballkontakten (52). Da der 34-Jährige aber primär dafür bezahlt wird, das Tor mit den Händen zu verteidigen, spricht diese Zahl für einen weniger offensiven Auftritt der Hausherren. Friedhelm Funkel sprach dann auch von einem „glücklichen Sieg“.

18:8 Torschüsse standen am Ende für die Hoffenheimer auf dem Zettel, 1:2 als Ergebnis. Diese Statistik belegt dann eben auch, dass die TSG fahrlässig mit ihren Chancen umgegangen ist. Das lag einerseits am starken Rensing, andererseits am eigenen Unvermögen. Bei letzterem muss vor allem Andrej Kramaric genannt werden. Der kroatische Vizeweltmeister brachte nach einer halben Stunde Spielzeit das Kunststück fertig, den Ball aus fünf Metern neben das leere Tore zu schieben und sicherte sich so seinen Platz im Video der Bundesliga-Slapstick-Momente.

Julian Nagelsmann regte sich aber nicht über den Fauxpas an sich auf, sondern vielmehr auf die Reaktion seines Teams darauf. „Wenn wir zu diesem Zeitpunkt bereits 2:0 führen, kann sich aber keiner beschweren. Dann kommt die 1000-prozentige Chance und damit der Bruch ins Spiel. Dann verlieren wir komplett die Linie, weil wir mit dieser vergebenen Chance hadern“, sagte Hoffenheims Trainer.

Fortuna Düsseldorf gewinnt dank Willensstärke gegen Hoffenheim

Fortuna nutzte diese Pause vom zuvor exzellenten Pressing der Kraichgauer und erzielte mit dem einzigen konsequent zu Ende gespielten eigenen Angriff der ersten Halbzeit das 1:0 (45.). Alfredo Morales hatte eine mustergültige Flanke von Jean Zimmer präzise eingeköpft. Einen mindestens ebenso großen Anteil am Treffer hatte Rouwen Hennings. Der unermüdliche Arbeiter im Sturm hatte Zimmer mit einem Außenristpass à la Franz Beckenbauer in Szene gesetzt. „Ich habe großes Vertrauen in meinen linken Fuß“, sagte Hennings – das war zu sehen.

Nagelsmann sah nach der Pause „ein Emotionsspiel“ - und Funkel in seiner Mannschaft „ein Team, das sich leidenschaftlich gewehrt hat“. In der Tat spiegelte die zweite Halbzeit genau die Tugenden wieder, die Fortuna vor der Saison proklamiert hat, um in der Bundesliga zu bestehen: Einsatzwille, Laufbereitschaft, Moral – und das nötige Glück auf der eigenen Seite. „Es muss Vieles zusammenkommen, wenn wir gegen Hoffenheim ein Spiel gewinnen wollen. Das ist passiert“, sagte Funkel. Hoffenheims Angriffswellen schwappten nach und nach Richtung Fortuna-Strafraum, den Düsseldorfern gelang es nur selten für Entlastung zu sorgen.

Und dann sah es zunächst danach aus, als wäre die Pointe des Spiels, dass sich die Geschichte aus der ersten Halbzeit mit diesmal umgekehrten Vorzeichen wiederholen würde: Der eingewechselte Fortune Dodi Lukebakio traf in Kramaric-Manier aus fünf Metern nur die Latte und kurz später erzielte der ebenfalls eingewechselte Reiss Nelson den Ausgleich (86.). „Beim 1:1 habe ich gehofft, dass wir das Spiel nicht noch verlieren. Oft ist es so, dass dann die bessere Mannschaft noch den Sieg erzwingt“, sagte Funkel.

Doch sein Team zeigte die geforderte Moral. Kenan Karaman setzte zum Solo an und wurde vom plump anrauschenden Kevin Vogt im Strafraum gelegt: Elfmeter. Nagelsmann, der bei der 1:3-Auftaktniederlage in München noch mit den Schiedsrichtern gehadert hatte, sagte: „Klarer Strafstoß. Da brauchen wir nicht zu diskutieren.“ Da die etatmäßigen Schützen Hennings und Kaan Ayhan bereits ausgewechselt waren, übernahm der 20-jährige Lukebakio Verantwortung und schoss platziert und fest ein. Torhüter Oliver Baumann war in der richtigen Ecke, kam aber nicht an den Ball.

Dass der junge Belgier der gefeierte Held war, überraschte den Düsseldorfer mit den meisten Ballkontakten dann auch nicht. „Der ist eiskalt. Der ist wahnsinnig. Der macht sich um nichts einen Kopp", sagte Rensing. Und Lukebakio selbst war nach dem Jubeltaumel mit den Anhängern noch völlig aufgedreht: „Die Fans machen hier richtig Alarm. Ich wollte ihnen auf jeden Fall etwas zurückgeben.“ Das ist ihm gelungen.

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