Fortuna Düsseldorf: Gegen die Besten trifft Kaan Ayhan am liebsten

Ein Fortune bei der EM-Endrunde : Gegen die Besten trifft Kaan Ayhan am liebsten

Für die Türkei traf Abwehrspieler Kaan Ayhan zweimal gegen Weltmeister Frankreich. Am Samstag versucht er es mit Fortuna gegen Meister Bayern München.

Am Dienstag darf Kaan Ayhan noch einmal durchschnaufen. Während seine Teamkollegen von der Fortuna sich bei rheinischem Herbstwetter durch zwei Trainingseinheiten quälen, stattet der Abwehrchef dem Arena-Gelände nur einen kurzen Besuch ab. Die kleine Pause hat der 25-Jährige auch nötig, denn man merkt ihm im Gespräch doch ein wenig an, dass der Kraftakt der EM-Qualifikation mit der Türkei nicht völlig spurlos an ihm vorübergegangen ist.

„Ich bin schon ein wenig müde“, gibt Ayhan zu, „aber auch sehr glücklich. Wenn die anderen nach der Saison in Urlaub fahren, darf ich noch eine EM-Endrunde anhängen. Und das ,darf’ meine ich ganz ehrlich.“ Er hätte das gar nicht eigens anfügen müssen, denn der Stolz auf das Erreichte ist an seinen Augen abzulesen. Mit dem 0:0 gegen den direkten Konkurrenten Island machte die Türkei den letzten Schritt. Der Fortune half dabei nur in den letzten Minuten als Einwechselspieler mit – seinen Anteil an der Qualifikation kann man indes gar nicht hoch genug einschätzen. Weniger, weil er am Sonntagabend beim 2:0 in Andorra wieder 90 Minuten auf dem Platz stand: Die entscheidenden Punkte in der Gruppe H gingen zu einem großen Teil auf Ayhans Konto.

Im Juni erzielte er den Führungstreffer beim schon jetzt legendären 2:0 der Türken gegen Frankreich, im Oktober bedeutete sein Kopfball zum 1:1 im Stade de France den vierten Punkt gegen den Weltmeister – Zähler, die im Duell mit Island letztlich den Ausschlag gaben. Und so geht es für Ayhan nun im Juni 2020 auf große Europareise, da das Turnier auf dem gesamten Kontinent stattfindet. Dieses Faktum weckt im gebürtigen Gelsenkirchener freilich wenig Begeisterung: „Es ist zwar meine erste EM, und ich kenne es nicht anders. Dennoch hat da sicher kein aktiver Fußballer oder Trainer mitentschieden – die hätten gewusst, welcher Belastung man durch die zusätzlichen Reisen ausgesetzt ist. Wir finden das alle nicht gut. Aber die Vorfreude auf den Sommer ist dennoch groß, weil ich die Möglichkeit habe, mich mit den Besten zu messen.“

Das Erfolgserlebnis mit dem Nationalteam habe ihm ein gutes Gefühl verschafft, „das ich hoffentlich auch ins nächste Spiel mitnehmen kann – selbst wenn es gegen die Bayern ist“, sagt Ayhan, der für die Partie gegen den Meister am Samstag (15.30 Uhr) in der Arena bei allem Respekt vor den Qualitäten der Münchner zuversichtlich ist. „Wir wissen alle: Wenn Bayern einen guten Tag er­wischt, ist es schwierig, gegen sie etwas zu holen. Dennoch werden wir die Herausforderung annehmen, im Kampf gegen den Gegner und auch gegen uns selbst, weil man meistens hinter dem Ball herläuft. Aber letztes Jahr haben wir Dortmund geschlagen, das als Tabellenführer zu uns kam. Jeder weiß, was das für ein Gefühl ist.“

Auf jeden Fall eines, das man erneut erleben möchte. Womöglich ja sogar mit einem Treffer Ayhans, denn der fühlt sich ja – wie seine Tore gegen den Weltmeister zeigen – gegen die Besten besonders wohl. „Ein Tor gegen Manuel Neuer wäre schon schön, zumal da ich nach dem Auftakt in Bremen in der Liga keines mehr erzielt habe“, sagt er. „Vor allem aber dürfen wir ruhig öfter den Mut zeigen, den wir beim 3:3 auf Schalke hatten. Wir müssen die Gegner früh unter Druck setzen, auch die Bayern so gut es geht vor Aufgaben stellen. Denn Gegner, die sich nur hinten einigeln, kennen sie inzwischen auswendig.“