Fortuna Düsseldorf: Funkel im Interview - gibt es ein Happy End?

Heute Vertragsverhandlung bei Fortuna: „Ich bin nicht so optimistisch wie Robert“

Er war so gut wie in Rente, nun soll er bei Fortuna Düsseldorf verlängern. Heute treffen sich Trainer Friedhelm Funkel und Vorstandsboss Robert Schäfer zu Vertragsverhandlungen. Gibt es wirklich ein Happy End? Der Trainer im Interview.

Am Dienstag geht die Posse um die Vertragsverlängerung von Friedhelm Funkel in die nächste Runde. Der Fortuna-Trainer besucht am Montag die RP-Redaktion, schildert seine Sicht zur Eskalation in Marbella und erklärt, was er von dem Gespräch mit Vorstandsboss Robert Schäfer erwartet.

Herr Funkel, wie haben Sie in den vergangenen Nächten geschlafen?

Funkel Ein bisschen unruhiger. Ich habe mir viele Gedanken gemacht. Über die Mannschaft, über das Training, über den Telekom Cup und über die verletzen und angeschlagenen Spieler. Ich habe natürlich Augsburg am Samstag schon im Hinterkopf. Die Mannschaft ist immer das Wichtigste. Aber natürlich habe ich auch über die Situation nachgedacht, die uns alle beschäftigt.

Fortuna-Trainer Friedhelm Funkel im Interview

Die Posse um ihre Vertragsverlängerung…

Funkel Wir wissen alle, dass das unnötig war. Jetzt gehe ich am Dienstag in dieses Gespräch, aber wie das enden wird, kann ich nicht einschätzen. Ich bin nicht so optimistisch wie Robert (Schäfer, Vorstandsboss; Anm. d. Red.) es vielleicht ist. Das kann ich auch nicht sein. Im Laufe der Gespräche wird man sehen, wie weit wir uns annähern, damit ich für ein weiteres Jahr in der ersten Liga unterschreiben kann. Ich weiß noch nicht, ob ich wirklich weitermache.

Am Dienstag wurde bekannt, dass die Zusammenarbeit fortgesetzt wird: Hier lesen Sie mehr zur Vertragsverlängerung von Fortuna Düsseldorf mit Trainer Friedhelm Funkel.

Erklären Sie uns, warum Sie nicht ganz so optimistisch in die Gespräche gehen?

Funkel Weil ich nicht weiß, was in den Gesprächen auf den Tisch kommt. Ich weiß noch nicht, was der Verein will und mir vorschlägt. Ich habe auch meine Vorstellungen, die ich jetzt nicht sagen möchte. Ich möchte natürlich nicht, dass am Morgen in der Zeitung steht, was ich Robert und Lutz (Pfannenstiel, Sportvorstand; Anm. d. Red.) dann sagen will. Das wäre nicht seriös.

Wird es um Ihr Trainerteam und die Klausel für die erste Liga gehen?

Funkel Wir sprechen über die erste Liga. Ich möchte natürlich mit meinem Trainerteam weiterarbeiten, aber meinem Wissen nach laufen alle Verträge des Funktionsteams noch ein Jahr weiter.

Würden Sie denn mit Fortuna nochmal in die zweite Liga gehen?

Funkel Wenn die Möglichkeit besteht, würde ich das natürlich machen. Ich habe immer gesagt – und das weiß auch der Aufsichtsrat –, dass ich an meinem Funktionsteam hänge, dazu gehören auch Mannschaftsarzt Ulf Blecker und die Physios. Und mit all denen möchte ich weiterarbeiten. Ich bin davon überzeugt, dass wir die Klasse halten. Aber es gibt immer Umstände, warum das nicht klappen könnte. Und dann gibt es keine größere Wahrscheinlichkeit, als mit mir als Trainer wieder aufzusteigen. Meine Bilanz ist nicht so schlecht.

Nun ist in den vergangenen Tagen viel Vertrauen zerstört worden. Ist überhaupt noch eine vernünftige Zusammenarbeit zwischen Robert Schäfer, Aufsichtsratsboss Reinhold Ernst und Ihnen möglich?

Funkel Dass Vertrauen zerstört worden ist, wissen alle. Das Wichtigste ist aber immer der Verein Fortuna Düsseldorf und nicht die handelnden Personen. Erst kommt der Verein, dann die Mannschaft, dann das Trainerteam mit dem Funktionsteam und die Fans. Dieser Zusammenhalt zwischen Mannschaft, Trainer und Fans ist einmalig. Ich habe den Fans zu verdanken, dass der Verein jetzt wieder auf mich zukommt. Diese Fans werde ich nie in meinem Leben vergessen.

Sehen Sie auch die Gefahr, dass Sie im unglücklichsten Fall schon ab Mittwoch kein Trainer mehr von Fortuna Düsseldorf sind?

Funkel Die Gefahr sehe ich nicht. Wenn es so kommen sollte, habe ich das nicht zu verantworten. Ob wir uns einigen, lasse ich offen. Ich werde mich nicht um 180 Grad verändern und plötzlich riesige Forderungen stellen. Ich werde meine gute Verhandlungsposition sicher nicht ausnutzen. Aber ich habe schon Vorschläge im Kopf, was sich noch ändern und was klarer fixiert werden muss. Das sind aber keine Sachen, die ausreichen, um mich am Mittwoch zu beurlauben – glaube ich.

Erwarten Sie von anderen Personen, dass sie sich um 180 Grad drehen?

Funkel Ich erwarte einfach, dass wir alle versuchen, für Fortuna Düsseldorf das beste Ergebnis herauszuholen.

Wie geht es weiter, falls Sie sich einigen?

Funkel Mit dem Vorstand ist natürlich ein bisschen was kaputtgegangen. Aber falls wir uns einigen, gilt es, daran zu arbeiten, das Verhältnis wieder zu verbessern.

Was erwarten Sie denn von Robert Schäfer?

Funkel Ich habe gar keine großen Erwartungen an den Vorstand oder Robert Schäfer. Ich erwarte, dass wir vernünftige Gespräche führen, dass wir in den Gesprächen eine vernünftige Basis finden, so dass ich meinen Vertrag verlängern kann.

Wo sehen Sie denn Fehler bei sich?

Funkel Ich glaube, dass ich gar keine Fehler gemacht habe, weil für mich immer feststand, dass ich bis zum ersten Rückrundenspiel eine Entscheidung möchte. Und nur, weil wir noch in dieser Zeitspanne sind, sprechen wir jetzt wieder miteinander. So war es in den vergangenen zwölf Jahren bei mir und den Vereinen immer: Entweder wir einigen uns bis zum Rückrundenstart oder eben nicht. Ob in Köln oder Frankfurt oder zwei Mal hier.

Aber der Verein will in dieser Frage natürlich auch die Entscheidungsgewalt haben. Haben Sie kein Verständnis dafür, wenn der Klub sagt, wir verhandeln erst im März?

Funkel Nein, ich habe kein Verständnis dafür. Weil ich glaube, dass die Voraussetzungen, die wir in den knapp drei Jahren hier geschaffen haben, genügen sollten, um mir für ein weiteres Jahr das Vertrauen auszusprechen. Ich habe das als Misstrauen wahrgenommen. Und: Es gab keinen Stichtag. Es ging nicht um März, es ging darum, dass wir erst dann miteinander sprechen, wenn sich die Saison dem Ende entgegen neigt. Ich glaube, dass kein Trainer der Welt so lange warten würde. Die Tendenz ist ja erst im Mai zu erkennen. Wir werden nicht schon im März die Klasse gehalten haben.

Sie haben in der Medienrunde in Marbella Ihre Enttäuschung sehr deutlich gemacht. Wussten Sie, dass das ihre letzte Chance ist, eine Wende herbeizuführen?

Funkel Nein. Ich hätte mir dieses Theater viel lieber erspart. Ich bin nicht auf Schlagzeilen aus, sondern ich will meine Arbeit mit der Mannschaft in Ruhe machen. Wenn der Verein gesagt hätte, ,Pass auf Friedhelm, wir wollen in der nächsten Saison mit einem anderen arbeiten‘, dann hätte ich gesagt: ,Okay, ich mache das letzte halbe Jahr, werfe da alles rein und höre dann halt auf‘. Das ist aber nicht gesagt worden, sondern dass man erst im Mai mit mir verhandeln wolle. Das habe ich nicht hingenommen, weil ich kein Vertrauen mehr gespürt habe.

War Ihnen klar, dass es so emotional werden würde?

Funkel Ich bin dahin gegangen, um das zu sagen, was wir montags und mittwochs besprochen hatten. Das hatte ich im Kopf. Man weiß nie, was in einer Pressekonferenz passiert. Als dann die Frage kam, ob ich wirklich aufhören werde, habe ich realisiert, dass die schöne Zeit mit der Mannschaft, dem Funktionsteam und den Fans im Mai zu Ende geht. Das hat mich wirklich berührt. Bisher habe ich im Fußball nur Freudentränen vergossen, es war das erste Mal, dass es aus Enttäuschung war.

Sind Sie von der Welle der Sympathie nach dieser Medienrunde überrascht worden? Was macht das mit Ihnen?

Funkel Das habe ich in dieser Größenordnung wirklich nicht erwartet. Aber das zeigt mir, dass ich nicht so Vieles verkehrt gemacht habe. Das war ein außergewöhnliches Echo – auch über Düsseldorf hinaus.

Liegt das daran, dass Sie in der Meinung vieler etwas widerspiegeln, was es so im Fußball nicht mehr gibt?

Funkel Das kann sein.

Wann wird dieses Theater denn gar keinen Einfluss mehr auf die Leistung der Mannschaft haben?

Funkel Das haben wir beim Telekom Cup gesehen. Die Mannschaft hat sehr konzentriert gespielt. Das wird sie auch weiterhin machen. Sie wird gute Ergebnisse erzielen. Mein Vertrauen in die Mannschaft ist grenzenlos.

Es wurde über Spannungen zwischen Ihnen und dem neuen Sportvorstand Lutz Pfannenstiel berichtet. Wie ist Ihr Verhältnis?

Funkel Wir haben zwei, drei Mal gesprochen. Mehr Zeit war aber auch noch nicht. Wir haben mit Jaro Drobny den ersten Transfer verwirklicht. Ich habe zu Lutz gesagt: ,Wenn Jaro kommt, habe ich überhaupt kein Problem damit.‘ Es macht aber keinen Sinn, einen Spieler zu verpflichten, mit dem der Trainer nichts anfangen kann. Das habe ich auch noch nie erlebt und davon gehe ich auch jetzt nicht aus.

(erer/gic)
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