Fortuna Düsseldorf: Fünf Erkenntnisse aus dem Sieg gegen Borussia Dortmund

So kann der Klassenerhalt gelingen : Fünf Erkenntnisse aus Fortunas Sieg gegen den BVB

Fortuna hat sich beim 2:1-Sieg gegen Dortmund selbst Anschauungsunterricht erteilt. Das Spiel enthielt alle Zutaten, die es für den Klassenerhalt braucht.

1. Der Glaube an den Klassenerhalt ist da

Auch wenn alle Statistiken dagegen sprechen (und Aufsteiger mit einer vergleichbaren Bilanz wie Fortuna bislang immer abgestiegen sind), der Klassenerhalt ist für die Rot-Weißen lange noch nicht außer Reichweite und mehr als nur eine abstrakte rechnerische Möglichkeit. Die Mannschaft glaubt an den Ligaverbleib. Das machten die Spieler beim sensationellen Erfolg gegen den Tabellenführer deutlich. Erst diese Überzeugung machte den Sieg gegen Dortmund auch möglich. Mit nun 15 Punkten vor dem abschließenden Hinrundenspiel bei Hannover 96 liegt die Mannschaft von Trainer Friedhelm Funkel wieder gut im Rennen um einen Platz am rettenden Ufer. Gewinnt sie nun auch in der niedersächsischen Landeshauptstadt und sammelt damit die Punkte 16, 17 und 18, dann wäre das die halbe Miete auf dem Weg zur Qualifikation für die nächste Bundesligasaison. Denn holt sie in der Rückrunde noch einmal 18 Zähler, hat sie sehr gute Chancen auf ihr Klassenziel.

2. Wille schlägt Talent

Ist die Kunst des Siegens ein von den Göttern gegebenes Geschenk? Sind Erfolge auch ohne herausragendes Talent möglich? Die Griechen philosophierten darüber schon in der Antike. Inzwischen ist anerkannt, dass auch innere Einstellung und Fleiß wichtige Faktoren sind. Der kantige Eishockeytrainer Hans Zach brachte es mit seinem viel zitierten Satz "Wille schlägt Talent“ auf den Punkt. Und so war es auch am Dienstag in der Düsseldorfer Arena: Unbändige Leidenschaft siegte über Anlage und Gabe, die Düsseldorfer über die unbestritten viel talentierteren Dortmunder. Letztere waren mental nicht auf der Höhe und agieten viel zu zahm. Die Fortunen dagegen demonstrierten eindrucksvoll, dass innere Einstellung eine wichtige Stellschraube auf dem Weg zum Sieg ist.

3. Düsseldorf ist eine Fußballstadt

So eine großartige Stimmung hatte es in der Düsseldorfer Arena während eines Ligaspiels lange nicht gegeben. Die Zuschauer, deren Herz für die Heimmannschaft schlug, standen auf den Sitzen. So wie sich die Spieler in einen Rausch kämpften, so sangen sich die rot-weißen Fans in Extase - und zwar sogar auch jene auf den Ober- und Unterrängen der Geraden in der Arena. Sie sorgten für eine echte Gänsehautatmosphäre. Und sie zeigten, dass die Düsseldorfer ein großes Herz für ihre Mannschaft haben. Es gibt Menschen, die behaupten, die Landeshauptstadt sei keine Fußballstadt. Am Dienstag beim Spiel gegen den westfälischen Titelaspiranten konnte man sich vom Gegenteil überzeugen.

4. Die Neuen sind angekommen

Auffallend ist das hohe Leistungsniveau, auf dem sich die Zugänge bewegen. Kevin Stöger, Matthias Zimmermann und Marcin Kaminski bringen auf ihren Positionen konstant sehr gute Leistungen. Der Pole Kaminski gehörte auch gegen den BVB zu den stärksten Akteuren und war als Innenverteidiger einer der Helden des Erfolgs. Nach dem Schlusspfiff tauschte er das Trikot mit seinem Landsmann Lukasz Piszczek. Es wird ihn an eine Partie erinnern, die für ihn ganz unabhängig vom weiteren Saisonverlauf zu den Höhepunkten der Saison gehören und einen bleibenden Eindruck hinterlassen wird.

5. Rot-Weiß beendet Negativserien

In diesen Wochen ist alles anders als gewöhnlich, da pulverisiert Fortuna ihre negativen Serien: Erst erzielt die Mannschaft beim 2:0-Sieg gegen den SC Freiburg ihre ersten Treffer nach Ecken, dabei waren Standards bislang ihre Schwäche. Drei Tage später gelingt ihr im zweiten Spiel einer Englischen Woche schon der zweite Sieg. Dabei waren die Englischen Wochen in den vergangenen drei Jahren zu einem echten Schreckgespenst für die Rot-Weißen geworden. Auch bei den jüngsten drei Spielen innerhalb einer Woche war der Zweitligameister wenig erfolgreich. Die Truppe von Trainer Friedhelm Funkel holte lediglich einen Zähler und schoss dabei nur 1:5 Tore. Nach dem torlosen Remis beim VfB Stuttgart unterlag die Mannschaft mit 1:2 gegen Bayer Leverkusen und erlebte schließlich ein 0:3-Debakel bei Mitaufsteiger 1. FC Nürnberg. Am Ende der Aufstiegssaison fuhr die Truppe um Kapitän Oliver Fink auf der Zielgeraden eine Englische Woche gegen die Wand, als sie den Vorsprung an der Spitze innerhalb von sieben Tagen verspielte und den Fans einen gehörigen Schrecken einjagte. Gewinnen Fink & Co. am Samstag auch in Hannover, dann ist das (gefühlt) seit Menschengedenken die erste Englische Woche der Düsseldorfer mit neun Punkten. Aber Vorsicht: Das Spiel in Hannover ist noch lange nicht gewonnen und wird mindestens genauso schwer wie das gegen den BVB.