Fortuna Düsseldorf: Fünf Chaos-Minuten bringen 2:5 beim VfL Wolfsburg

2:5-Niederlage in Wolfsburg : Fünf chaotische Minuten machen Fortuna alles kaputt

Fortuna Düsseldorf macht eine Halbzeit lang beim VfL Wolfsburg ein gutes Spiel. Am Ende steht dennoch eine 2:5-Niederlage, weil der Bundesliga-Aufsteiger fünf Minuten nach der Pause verschläft. Ein umstrittener Videobeweis vor dem VfL-Ausgleich kommt hinzu.

„Vielfalt“ lautete das Spieltags-Motto des VfL Wolfsburg für die Bundesligapartie gegen Fortuna Düsseldorf. Gegen Fremdenhass und Ausgrenzung wollten sich die Niedersachsen positionieren – da machte Fortuna als Gast doch gern mit und erfüllte eine Bitte der Wolfsburger: Interimskapitän Adam Bodzek trug eine Regenbogen-Armbinde als Zeichen der Solidarität. Weniger gefallen dürfte Trainer Friedhelm Funkel jedoch haben, dass seine Schützlinge sich auch auf dem Feld ziemlich entgegenkommend präsentierten. Nach einer guten ersten Hälfte zeigte der Aufsteiger bedenkliche Schwächen in der Defensive und verlor folgerichtig mit 2:5.

Der eigentliche Kapitän blieb zu Hause. „Aber kein Grund zur Besorgnis“, sagte Fortuna-Sprecher Kai Niemann vor der Partie. „Finki bekommt einfach mal eine Pause.“ Und die hatte sich der 36-jährige Oliver Fink nach seinem beträchtlichen Pensum der vergangenen Wochen sicher auch verdient. Damit der Faktor Erfahrung im Düsseldorfer Team nicht zu stark abnahm, beorderte Trainer Friedhelm Funkel dafür Rückkehrer Adam Bodzek (33) in die Startelf – der zentrale Mittelfeldspieler hatte zuvor wegen eines Faserrisses in der Bauchmuskulatur einige Wochen pausieren müssen. Zudem feierten der gegen Frankfurt bereits eingewechselte Rouwen Hennings und Kevin Stöger ihre Comebacks in der Startformation.

Und es ließ sich gut an für die Gäste. Nach einer Abtastphase in der ersten Viertelstunde waren sie es, die die Initiative ergriffen und einige Patzer der Wolfsburger zu gefährlichen Attacken nutzten. Die erste richtig große Chance brachte dann nach einer halben Stunde gleich den Führungstreffer: Dodi Lukebakio, der einige Minuten zuvor seine fünfte Gelbe Karte gesehen hatte und im nächsten Heimspiel gegen Gladbach gesperrt ist, wurde kurz vor dem Strafraum gelegt. Innenverteidiger Kaan Ayhan versenkte den fälligen Freistoß über die Mauer ins Netz – der vierte Saisontreffer des türkischen Nationalspielers. Hätte Hennings nur 90 Sekunden später seine Riesenmöglichkeit zum 0:2 genutzt, wären vermutlich bereits alle Messen gelesen gewesen. Aus unerfindlichen Gründen entschied sich der Stürmer jedoch für einen Lupfer in die Arme von Torhüter Koen Casteels statt für einen Schuss in die lange Ecke.

Diese Nachlässigkeit rächte sich schon wenig später. Admir Mehmedi hob den Ball über den chancenlosen Michael Rensing zum Ausgleich ins Netz, und nach einer Videoüberprüfung blieb Schiedsrichter Bastian Dankert bei seiner Entscheidung, den Treffer zu geben – obwohl Wout Weghorst seinem Wolfsburger Teamkollegen die Kugel mit der Hand vorgelegt hatte. Da keine klare aktive Bewegung beweisbar war, war es eine Kann-, keine Muss-Entscheidung – der Haken daran ist nur, dass in der laufenden Saison alle diese Kann-Entscheidungen in Sachen Handspiel, und das waren immerhin sechs, gegen den Aufsteiger gefällt wurden. Nicht unterschlagen darf man dabei allerdings, dass Lukebakios ungenauer Rückpass den Treffer erst einleitete – ein dummer und vermeidbarer Fehler.

Zum Leidwesen der 1700 mitgereisten Anhänger unter den 25.350 Zuschauern ging es in diesem Stil weiter. Zunächst ließen Matthias Zimmermann und Ayhan den Wolfsburger Josip Brekalo ungehindert flanken, dann klatschte Rensing den Ball auch noch zu allem Überfluss Weghorst vor die Füße – 2:1. Wenig später ließ die rot-weiße Deckung nach Weghorsts Kopfball Innenverteidiger Robin Knoche völlig blank im Fünfmeterraum stehen – 3:1. Völlig von allen guten Geistern verlassen waren die Gäste dann in der 59. Minute, als sie alles nach vorn warfen, als seien sie bereits in der Nachspielzeit – Weghorst bedankte sich mit dem 4:1.

Dodi Lukebakio und Matthias Zimmermann (v. li.) gegen Wolfsburgs Jerome Roussillon. Foto: dpa/Peter Steffen

Mit fünf chaotischen Minuten machte sich Fortuna die Arbeit einer kompletten Spielvorbereitung kaputt, und fortan ging es nur noch um Schadensbegrenzung. Eine solche lieferte Benito Raman in der 65. Minute mit seinem schönen Kontertreffer zum 4:2. In der Offensive lief der Ball auch fortan recht sehenswert, doch die Abwehr leistete sich eine Fehlerquote, die an diesem Tag einfach zu hoch war, um bei einem Europapokal-Kandidaten bestehen zu können. Hier machte sich das Fehlen von Stabilisator Marcel Sobottka im defensiven Mittelfeld, der viel zu spät eingewechselt wurde, sehr negativ bemerkbar. Auch mit ihm fiel freilich noch Gegentreffer Nummer fünf – wieder durch Weghorst, wiederum gänzlich ungestört.

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