Fortuna Düsseldorf: Friedhelm Funkels Ansprache reißt die Mannschaft mit

Funkels Ansprache reißt Fortunen mit : „Wir werden dieses Stadion nicht als Verlierer verlassen“

Fortuna Düsseldorf holt mit dem 1:1 bei der TSG Hoffenheim einen wichtigen Punkt. Mitentscheidend dafür war die mitreißende Halbzeitansprache des Trainers.

Es sind gemischte Gefühle, die Fortunas Spieler in der Interviewzone der Sinsheimer Arena zeigen. Man merkt ihnen den Ärger darüber deutlich an, dass sie nach einer überlegen geführten zweiten Hälfte bei der TSG Hoffenheim nicht der Sieger dieser Bundesligapartie sind, sondern mit dem 1:1 „nur“ einen Punkt mitgenommen haben. Doch letztlich überwiegt bei den meisten doch die Genugtuung darüber, in der 88. Minute noch den Ausgleich erzielt zu haben, den „Sky“-Kommentator Jörg Dahlmann mit dem dreifachen Ausruf „hochverdient“ abfeierte.

„Es tut gut, nach diesem Spiel hier jetzt nicht als Verlierer dazustehen“, sagt Innenverteidiger Andre Hoffmann, einer der Besten an diesem Nachmittag. „Wir sind nicht so in die Partie hineingekommen, wie wir uns das vorgestellt hatten, was vor allem am frühen Rückstand lag. Aber wir haben immer an uns geglaubt, und der Trainer hat uns in seiner Halbzeitansprache sehr deutlich gemacht, dass wir hier etwas mitnehmen müssen.“ Funkel sei dabei gar nicht sehr laut geworden, erklärte Hoffmann, „aber das musste er auch nicht“.

Den richtigen Ton traf der 65-Jährige in jedem Fall. „Ich habe den Jungs gesagt: Wir werden dieses Stadion nicht als Verlierer verlassen“, berichtet Funkel. „Nach 25 Minuten hatten wir es schon besser gemacht als in der Anfangsphase, nur hatten wir noch keine Tormöglichkeiten. Ein paar Probleme der Hoffenheimer waren aber deutlich zu erkennen, und die lagen schon in der ersten Hälfte mit an uns.“ Tatsächlich führten die Kraichgauer durch Andrej Kramarics Tor in der sechsten Minute zwar 1:0, strahlten aber keinerlei Souveränität aus – und als ihr Gegner langsam begann, sich nach der grausigen Startphase zu steigern, machte Hoffenheim diesen Trend nicht mit.

„Wir haben uns zu lange von diesem Tor beeindrucken lassen“, merkt Abwehrchef Kaan Ayhan selbstkritisch an. Das lag vielleicht auch an der Entstehung, denn fehlerhafter hätte Fortuna kaum agieren können. „Ich habe mich sehr geärgert, dass zwei, drei Mann in dieser Szene auf Abseits gespielt haben“, erklärt Funkel. „Das macht man nicht, da muss man enger beim späteren Torschützen sein.“ Zu allem Überfluss machte Torhüter Zack Steffen dann auch noch alles falsch, was möglich war: falsches Herauslaufen, Aufmachen der kurzen Ecke.

Fortuna kaute lange darauf herum, zu lange. Aber sie fand den Hebel und legte ihn um, wieder einmal eindrucksvoll unterstützt von ihren 2500 Fans, die die zehnfache Überzahl der TSG-Zuschauer an die Wand sangen. Und als Rouwen Hennings kurz vor Schluss seine erste richtige Torchance nutzte, durften sie verdientermaßen auch noch feiern. „Als ich sah, dass der Ball auf Rouwens linken Fuß fällt, habe ich innerlich schon gejubelt“, erzählt Funkel. „Mit dem haut er zurzeit alles rein. Aber dafür hat er vorher einen Freistoß aus dem Stadion geschossen.“ Den gut gemeinten Spott erträgt der Dritte der Bundesliga-Torschützenliste (jetzt zehn Treffer) gelassen. „Der Ball ist Alfie Morales im Gewühl ganz gezielt ans Knie gesprungen und von da auch noch perfekt in meinen Lauf“, berichtet Hennings augenzwinkernd.

Hennings’ unglaublicher Lauf, der ihn im Moment zum zweitbesten deutschen Torschützen hinter Leipzigs Timo Werner macht, und Funkels Fähigkeit, das Team immer wieder mitzureißen und auch während einer Partie taktische Umstellungen vorzunehmen, sind aktuell die größten Trümpfe im Abstiegskampf. Der nächste Schritt wäre nun, von Beginn an und ohne das Aufrütteln des Trainers erst in der Pause alles abzurufen – denn ein paar Punkte braucht Fortuna bis zur Winterpause noch.

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