Fortuna Düsseldorf: Fortunas unterschätztes Gremium

Wahlausschuss gewählt: Fortunas unterschätztes Gremium

Der Wahlausschuss des Bundesliga-Klubs bestellt drei Mitglieder des Aufsichtsrats und entscheidet bei den fünf zur Wahl stehenden Posten über die Zulassung der Kandidaten. Eine wichtige Rolle – doch das ist längst nicht allen Vereinsmitgliedern klar.

Nur 448 Stimmberechtigte auf Fortunas Mitgliederversammlung – und das, obwohl der Bundesliga-Aufsteiger mehr als 25.000 Mitglieder hat, die nur diese eine Gelegenheit pro Jahr haben, sich vor einem größeren Forum Gleichgesinnter aktiv einzubringen. Eine schwache Zahl, allerdings eine, die vorab zu erwarten gewesen war, weil keine Wahlen auf der Tagesordnung standen.

Wirklich keine? Doch, sehr wohl. Denn zwar laufen die Mandate der fünf durch die Versammlung gewählten Aufsichtsrats-Mitglieder noch bis ins kommende Jahr, doch die Fortuna-Basis wurde dennoch an die elektronischen Abstimmungsgeräte gerufen. Zur Wahl standen nämlich die fünf Positionen im Wahlausschuss – doch diese Aussicht lockte an einem völlig verregneten Sonntagvormittag nur wenige Mitglieder vom heimischen Sofa in die Arena.

Der Haken an der Geschichte ist, dass der Wahlausschuss ein notorisch unterschätztes Gremium ist. Die fünf Mitglieder haben großes Gewicht im Verein, da über ihre Schreibtische jede Kandidatur für den Aufsichtsrat geht. Hält die Mehrheit des Wahlausschusses einen Kandidaten für ungeeignet, wie im vorigen Jahr im Falle des inzwischen ausgetretenen Wolfgang Fiegen geschehen, kann und wird er die Bewerbung ablehnen, und der oder die Betreffende erscheint gar nicht erst auf der Kandidatenliste.

Zudem bestellt der Wahlausschuss drei Aufsichtsrats-Mitglieder in das Kontrollgremium – eine vereinspolitisch ausgesprochen wichtige Aufgabe. Derzeit sind das der Gremiums-Vize Carsten Knobel, Finanzchef von Fortunas Trikotsponsor Henkel, Christian Veith, Seniorpartner und Managing Director der weltweit führenden Strategieberatung Boston Consulting Group, sowie Frauen-Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg, die neben dem gewählten Ex-Profi Dirk Böcker für die fußballerische Kompetenz im Rat steht.

Der Ausschuss steht dabei stets im Spannungsfeld zwischen den Wünschen verschiedener Seiten, bestimmte Personen im Aufsichtsrat zu platzieren, und den Bedürfnissen des Vereins. Das zeigte sich auch auf der Versammlung am Sonntag wieder, als der Ausschuss-Vorsitzende Thomas Bollien sich heftige Kritik des früheren Pressesprechers Wolfgang Stach wegen seines Umgangs mit Fiegens Kandidatur 2017 anhören musste. Und diese potentielle Spannung war auch zu spüren, als Kandidat Maurizio Dell’Abate in seiner Rede die verbale Spitze warf, Reinhold Ernst bevorzuge einen angepassten Wahlausschuss – eine Aussage, der der Aufsichtsratschef entschieden widersprach.

Wer einen Posten im Wahlausschuss bekommt, hat in jedem Fall großen Einfluss auf die Zukunft der Fortuna, doch diese Bedeutung wird noch von zu wenigen Mitgliedern gesehen. So blieb es auch am Sonntag neben den Reden des Aufsichtsratschefs Ernst und des Vorstandsvorsitzenden Robert Schäfer sowie der Aussprache zu Wortmeldungen verschiedener Fans nur eine Randnotiz, wer sich mit der weiteren Zukunft des Aufsichtsrats befassen darf. In Günter Karen-Jungen kam sogar ein ehemaliger Bürgermeister der Landeshauptstadt, der selbst früher im Aufsichtsrat Fortunas saß, hinzu. Seine Gremiumskollegen sind Bollien, seit dem Rückzug des früheren Finanzchefs Werner Sesterhenn Vorsitzender, Dell’Abate, Ralf Gröter-von Gloeden und Christian Köker. Unterschätzt dürften auch sie weiterhin werden.

(jol)
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