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Fortuna Düsseldorf Fankolumne: Was Christoph Kramer in der U17 von anderen unterschied

Fankolumne mit Sebastian Kamp : Was Weltmeister Christoph Kramer in Fortunas U17 von anderen unterschied

Wir wollen Sie 2021 (noch) mehr zu Wort kommen lassen! Was brennt Ihnen unter den Nägeln? Was wollten Sie immer schon mal ansprechen? Was nervt? Was finden Sie toll? Es folgt Sebastian Kamp in unserer Fankolumne, der von seiner Zeit als Jugendspieler der Fortuna berichtet.

Es ist ein verregneter Nachmittag im Januar 1989: Als 11-jähriger Junge betrat ich zum ersten Mal den Aschenplatz des Paul-Janes-Stadions. Ich verstand kaum ein Wort und trainierte in Turnschuhen mit, denn richtige Fußballschuhe konnte sich meine Familie so kurz nach der Flucht vom rumänischen Ceausescu-Regime nicht leisten. Es war das Probetraining bei Trainer Söntgen, das mir die Tür zu einem Verein öffnete, der für mich so viel mehr ist als nur die erste Mannschaft. Fortuna wurde mein zweites Zuhause!

Es sind die Menschen, die meinen Verein so einzigartig machen und mich auf ewig mit ihm verbinden. Menschen wie der leider viel zu früh verstorbene Helmut Pöstges, ehemaliger Leiter der Jugendabteilung und Juniorentrainer. Denn er war so viel mehr als mein Fußballtrainer. Mir und Tausenden anderen Jugendspielern vermittelte er wichtige Werte fürs Leben – wie Respekt, Empathie und Disziplin. Mit seinem großen Herzen prägte er mich und unseren Verein rund ein halbes Jahrhundert.

Wir Jugendspieler hatten fast alle ein Ziel vor Augen: Wir wollten Fußballprofi werden! Mit Abstand glaube ich, dass diejenigen es am weitesten gebracht haben, die zwar nicht das größte Talent hatten, aber den größten Ehrgeiz und Willen. Mit meinem Vater Tim Kamp, der als ehemaliger Trainer der Fortuna selbst eng verbunden mit dem Verein ist, spreche ich gerne über die guten alten Zeiten bei unserem Verein. Nicht zuletzt, weil ich selbst unter ihm bei Fortunas Amateuren spielte. Letztens fragte ich ihn, ob Christoph Kramer sein bester Spieler in der U17 war. Er antwortete: „Christoph war zwar sehr talentiert, aber es waren einige sicherlich ähnlich talentiert. Jedoch machte Christoph 20 Liegestütze, wenn ich zehn forderte. Andere wiederum machten sieben Liegestütze, wenn ich nicht zuguckte. Er war auch als Erster vor dem Training da und als Letzter weg und machte Zusatzschichten, um sich stetig zu verbessern.“ Heute ist er Weltmeister.

 Unser Gastautor Sebastian Kamp.
Unser Gastautor Sebastian Kamp. Foto: Sebastian Kamp/Wolf Busch

Doch die alten Zeiten waren nicht immer gut: In den 90er/00er- Jahren wurden viele ältere Spieler verpflichtet, die ihren Zenit überschritten hatten. Oft fehlte ihnen der letzte Einsatz, Motivation und Wille. Neben den finanziellen Schwierigkeiten war dies aus meiner Sicht einer der Hauptgründe für den damaligen Absturz meiner Fortuna.

Heute befindet sich Fortuna auf dem richtigen Weg – unabhängig von der Ligazugehörigkeit. Die Förderung von Spielern aus dem eigenen Nachwuchs ist entscheidend. Spieler wie Shinta Appelkamp, Jamil Siebert oder Emmanuel Iyoha sind talentiert und fördern die Identifikation der Fans mit dem Verein. Ein weiterer Meilenstein für Fortuna ist die Verpflichtung von Klaus Allofs. Als Fußball-Ikone bewies er bereits in anderen Vereinen, dass er mit Fußballverstand Erfolg bringen kann. Fortuna wird auch Erfolg haben – solange Kontinuität und Widerstandskraft bei einzelnen Rückschlägen bewahrt wird.

Neulich stand ich am besagten Aschenplatz, der mittlerweile einem modernen Kunstrasenplatz gewichen ist und zu Ehren „Helmut-Pöstges-Platz“ getauft wurde. Ich sagte zu mir selbst: „Früher gehörtest du zu denjenigen, die nur sieben Liegestütze gemacht haben. Heute würdest du 20 machen!“