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Fortuna Düsseldorf: „Es tut jedem Fan weh, nicht dabei zu sein“

Gastbeitrag eines Fortuna-Anhängers : „Es tut jedem Fan weh, nicht dabei zu sein“

Ein Fortuna-Spiel ohne Zuschauer gegen den SC Paderborn gab es schon – allerdings nur als Testkick. Am Freitag geht es um Punkte. Ein Gastbeitrag.

Ich mag keine Spiele ohne Zuschauer. Bei manchen Testpartien hat es sich im Profifußball seit einigen Jahren eingebürgert, dass sie aus logistischen Gründen „unter Ausschluss der Öffentlichkeit” stattfinden. Zum Leidwesen von Fans wie mir, auch wenn ich es in einigen Fällen nachvollziehen kann.

So gab es im Januar 2018 ein Geisterspiel gegen Borussia Mönchengladbach (2:0), das kurzfristig in die Arena verlegt worden war – trotz gespenstischer Atmosphäre nachvollziehbar. Immerhin ermöglichte der Verein übers Internet eine Liveübertragung per F95-TV.

Auch Partien mit Konfliktpotenzial, etwa gegen unsere niederländischen Nachbarn, ohne Fans auszutragen, macht Sinn. Vor zwei Jahren hatten die dortigen Behörden einen Testkick in Nijmegen kurzerhand verboten. Still und heimlich trafen sich beide Teams am Abend zuvor in Flingern (3:0). Ein paar Fans, die den niederländischen Mannschaftsbus zufällig auf der Rheinbrücke erblickt hatten, schafften es rechtzeitig zum Anpfiff bis zum Zaun des Paul-Janes-Stadions. Not macht erfinderisch.

Dass aber vor vier Jahren in Bad Lippspringe ein Spiel zwischen Paderborn und F95 (1:1) nur vor wenigen leicht bekleideten Balkongästen der benachbarten Saunalandschaft stattfand und im Jahr darauf beide Mannschaften sogar in der Arena ganz ohne Fans kickten, war durchaus diskussionswürdig. Eigentlich war das Paul-Janes-Stadion vorgesehen, aber der Schmuddel-Januar 2017 hatte andere Pläne mit dem Rasen. Also verlegte der Klub die Partie in das übergroße Stockumer Viereck und sparte sich Ordner, Zuschauer und laut F95 „hohen organisatorischen und finanziellen Aufwand”. Nun gut, Fortuna, seinerzeit zweitklassig, erkickte sich ein mühsames 2:2 gegen den damaligen Drittligisten. Im F95-TV-Livebild wirkte alles sehr bizarr.

So wie am morgigen Freitag. Es tut jedem Fan weh, nicht dabei zu sein – und vermutlich auch nicht bei den kommenden Saisonspielen, obwohl die Karten besorgt, Reisen und Hotels lange gebucht sind. Es kann in der aktuellen Situation keine allseits zufriedenstellende Lösung geben. Eine Lösung, die Kopf und Herz gleichermaßen begeistert. Aber klar ist doch: Jede Begegnung, bei der ich als langjähriger Fan fehle, schmerzt - was auch immer der Grund sein mag.

Gastautor Gernot Speck (50) ist langjähriger Fortuna-Fan. Sein erstes Spiel sah er am 12. Januar 1975 im Alter von fünf Jahren. Er ist Mitglied, Dauerkarteninhaber und besucht viele Auswärtsspiele.