Fortuna Düsseldorf: Dodi Lukebakio - Der Star in einem Team ohne Stars

Fortuna-Angreifer: Lukebakio ist der Star in einem Team ohne Stars

Dass Dodi Lukebakio in der Hinrunde drei Tore gegen Bayern München geschossen hat, weiß jeder Fortuna-Fan. Doch über das Privatleben des Belgiers war bisher wenig bekannt. Im Trainingslager verrät der 21-Jährige, was er erlebt hat und was ihn antreibt.

Weihnachten bei den Lukebakios war lebhaft. Das liegt neben der grundsätzlich lebensbejahenden Einstellung der belgischen Familie mit kongolesischer Abstammung vor allem an der Anzahl der Familienmitglieder. Dodi ist der zweitälteste von insgesamt acht Brüdern. Nicht zu vergessen: Die einzige Schwester. Auch an den Feiertagen gab es bei den Lukebakios vor allem ein Gesprächsthema: den Fußball. „Mein Vater war der beste Spieler in seinem Dorf im Kongo damals“, erzählt der 21-Jährige. „Aber er hatte nicht die Möglichkeit, professionell Fußball zu spielen.“

Bei Dodi sah das dann ganz anders aus. Im belgischen Asse geboren, kam er über den RSC Anderlecht, den FC Toulouse, den RSC Charleroi und den FC Watford zur Fortuna. Und in Düsseldorf ist er spätestens nach seinem Dreierpack beim 3:3 in der Bundesliga beim FC Bayern der Star im Team, das eigentlich keine Stars haben will.

Lukebakio, der Ronaldinho, Cristiano Ronaldo, Messi und Neymar als Idole bezeichnet, will allerdings selbst nicht als Star wahrgenommen werden – noch nicht zumindest. Denn er sagt auch: „Ich bin nicht arrogant, aber ich weiß, welche Qualitäten ich habe. Wenn ich hart arbeite, dann habe ich die Chance, ein großer Spieler zu werden. Das ist mein großer Traum.“

Dass er diesen Traum überhaupt mit Leben füllen kann, sieht er nicht als selbstverständlich an. Bevor er als Straßenfußballer in den Käfigen auf belgischen Spielplätzen die Liebe zum Ball entdeckte, hatte er mit dem Schicksal einer angeborenen Fehlstellung im rechten Fuß zu kämpfen. „Ich bin mehrere Jahre zum Physiotherapeuten gegangen, der das wieder gerichtet hat. Meine Eltern sagen immer: ‚Das wäre in Afrika nicht möglich gewesen.‘“ Lukebakio hat so gelernt, dass das Leben einem ab und an Steine in den Weg legt. Doch er lässt sich deshalb nicht davon abhalten, als Frohnatur aus dem Bilderbuch seinen Weg zu gehen – ohne jegliche Allüren. „Jeder hat schwierige Momente in seinem Leben, wenn man sich fragt: ,Warum passiert mir das gerade?‘ Aber ich versuche dennoch, immer glücklich zu sein, jeden Moment zu genießen und das auch auszustrahlen. Denn: Warum sollen wir traurig sein? Warum?“

Für ihn hätte es vielleicht den Grund gegeben, nach seiner Suspendierung für das Schalke-Spiel wegen verspätetem Erscheinen zur Teamsitzung traurig zu sein. Doch Lukebakio konzentriert sich generell lieber auf die schönen Momente. Und was war der schönste der Hinrunde? „Gegen Bayern natürlich. Das war völlig verrückt. Diese magischen Momente sind der Grund, warum wir Fußball spielen.“ Die Reaktionen aus aller Welt auf diese drei Tore beim 3:3 haben ihn überwältigt. Er sei immer noch nicht dazu gekommen, alle Nachrichten zu lesen, die er seit diesem 24. November 2018 bekommen hat. Einer, der dieses Spiel auch gerne im Stadion gesehen hätte, ist sein Vater. Doch der verpasste den Flug. „Ich war sehr enttäuscht, als ich das gehört habe, doch nach dem Spiel war die Enttäuschung natürlich schnell weg“, sagt der Offensivspieler mit der genialen Schusstechnik im linken Fuß.

Dass er trotz seiner insgesamt elf Tore in 17 Pflichtspielen für Fortuna nicht abhebt, hat – so betont Lukebakio - mit seinem Glauben an Gott zu tun, den er vor etwa drei Jahren gefunden hat. „Ohne meinen Glauben würdet ihr einen Dodi sehen, der einen steifen Nacken hat, weil die Nase so weit oben ist“, sagt er und bricht dann in sein typisches Lachen aus. Diese Art ansteckendes Lausbuben-Lachen, bei dem nur die kaltherzigsten Menschen kein Lächeln zurückschenken würden. Dann wird er aber wieder ernst und betont: „Außerhalb des Fußballs ist Gott mein Idol. Der Glaube gibt mir Kraft. Das ist mein ganzes Leben. Ich habe ein Gefühl in meinem Herzen, das ich vorher nie hatte.“ Nach seinem dritten Tor gegen die Bayern präsentierte Lukebakio, der über seine Kopfhörer ausschließlich Gospel hört, so auch sein Unterhemd mit der Aufschrift „Jesus“.

Gott lehrt Lukebakio nach eigener Aussage neben Demut auch aus Fehlern zu lernen. Dass der Angreifer nach Ballverlusten manchmal zu lange liegen bleibt, ist einer dieser Fehler. „Ich bin einfach schnell enttäuscht, wenn ich mich ungerecht behandelt fühle“, erklärt der belgische Juniorennationalspieler. „Aber daran muss ich arbeiten. Und der Coach sagt im Training jetzt auch immer: ,Steh auf, Dodi!‘ Das ist gut für mich, ich kann hier noch viel lernen.“

Es hat also ganz den Anschein, als ob Lukebakio und Fortuna zum richtigen Zeitpunkt zusammengefunden haben. Das einzige Problem für die Düsseldorfer: Lukebakio, der seinen Marktwert in den vergangenen Monaten von rund drei auf sechs Millionen Euro verdoppelt hat, ist vom FC Watford nur ausgeliehen. Eine Kaufoption gibt es nicht. Und so sieht alles danach aus, dass sich die Wege der beiden im Sommer wieder trennen werden. Bis dahin bleibt für die Fortuna-Anhänger die Hoffnung, dass Lukebakio in der Rückrunde noch häufiger sein Lausbuben-Lächeln beim Jubel präsentiert.

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