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Fortuna Düsseldorf: Dieses Spiel in Darmstadt steht weiterhin in den Geschichtsbüchern

His-Törchen – die etwas andere Gegnervorschau : Dieses Spiel steht weiterhin in Fortunas Geschichtsbüchern

Mit dem Spiel am Freitagabend endet für Fortuna bereits die Serie der Auswärtsspiele der Hinrunde. Der letzte Gastauftritt 2021 führt die Düsseldorfer zum SV Darmstadt 98. Vor der Partie zeigen wir auf, welcher Rekord dort mal aufstellt wurde.

Der Darmstädter Sportverein von 1898 entstand erst nach einer Reihe von Fusionen, die ihn letztlich (1919) zum mitgliederstärksten Verein Darmstadts machten. Zu einem ambitionierten Verein gehörte, natürlich auch 1919 schon, eine angemessene Sportstätte. Entsprechend wurde das Stadion am Böllenfalltor bereits kurz nach der endgültigen Namensgebung errichtet. Die Spielstätte, die bis vor wenigen Jahren noch den Charme ihrer Erbauung versprühte, ist nun nach und nach in ein modernes Stadion umgestaltet worden.

Die Fans des SV Darmstadt 98 kann mit Sicherheit ebenso wenig erschüttern, wie die der Fortuna. Auch sie mussten in der Vergangenheit so machen Dorfsportplatz bereisen, um ihre Helden spielen zu sehen. Zwischen 1994 und 2014 dümpelten die Hessen in den Tiefen der Dritt- und Viertklassigkeit. Nur in die Jahre gekommene Darmstädter dürften sich an die ersten Auftritte in der Bundesliga erinnern (78/79 und 80/81).

Apropos Lilien: Das Vereinslogo des SVD ziert ebenso eine blaue Lilie wie das Wappen der Stadt Darmstadt. Kein Wunder also, dass die Fans der Blau-Weißen ihr Team seit jeher nur die Lilien nennen.

Direkter Vergleich: Wie Eingangs schon berichtet, trennten die Blau-Weißen und die Rot-Weißen oft gleich mehrerer Ligen, so dass die Gesamtstatistik gerade einmal zwei gemeinsame Jahre Beletage und deren sechs im Unterhaus aufweist. Fortuna testete erstmals 1978/79 erfolgreich die Rasenfläche des altehrwürdigen Stadions am Böllenfalltor. Drei weitere Siege sollten in den Jahren folgen. 1992/93 nutzte der hauchdünne 1:0-Erfolg letztlich wenig, denn Fortuna stieg sang- und klanglos in die Oberliga Nordrhein ab. 2014/15 stutzte Fortuna den Lilien dann ebenso die Blätter (4:1), wie in der vergangenen Saison (2:1). Eher belanglos ist der 3:2-Sieg in einem Testkick 2002.

Bei der zweiten Stippviste bei den Lilien (80/81) nahmen die Flingerer eine Punkt mit nach Hause (2:2) und sind demnach in der Bundesliga in Darmstadt ungeschlagen. Das bisher einzige Unentschieden – die heutigen Zweitligisten ermitteln in der Regel immer einen Sieger.

In den verbliebenen vier Spielen hatten die Flingerer das Nachsehen. Daraus ergibt sich aus den acht Meisterschaftspartien eine Gesamtbilanz von drei Siegen, einem Unentschieden und vier Niederlagen aus Düsseldorfer Sicht. Wir wollen allerdings nicht eine weitere Niederlage unterschlagen, die sich Fortuna 2006 bei einem weiteren Freundschaftskick abholte (0:4).

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Seitenwechsler: Hätten Sie das vermutet? Eine der größten Düsseldorfer Trainerlegenden, Heinz Lucas, ist der bekannteste Wechsler zwischen den Klubs. Lucas kam 1970 als Absteiger aus Darmstadt an den Flinger Broich. In Düsseldorf wurde Lucas dann zum Vater der besten Fortuna-Epoche. Gleich im ersten Amtsjahr marschierte er durch die Regionalliga West und die Aufstiegsrunde zur Bundesliga. Mit Lucas an der Seitenlinie erreichte Fortuna ihre besten Bundesligaplatzierungen (dritter und vierter Platz) und er führte den Traditionsverein als bisher einziger Coach in den Uefa-Cup. Weniger erfolgreich lief es gegen für den Mann, der Fortuna aus der Versenkung führte. Norbert Meier hatte kaum Zeit seine Koffer auszupacken, als er 2016 für lediglich fünf Monate auf der Darmstädter Kommandobrücke stand.

Einen Spieler aus Darmstadt verpflichtete Fortuna noch nie, sieht man von Zuwachs in der Jugendabteilung ab, den einst Robin Bormuth bescherte. Mit Christian Heide (1989) und Gerrit Bürk (2005) machten dagegen zwei Ex-Fortuna die Biege Richtung Lilien, ohne das in Düsseldorf deswegen jemand um den Schlaf kam.

Spiel der Spiele: Am 16. September 1978 lud der SV Darmstadt 98 zum „Tag des offenen (Böllenfall-)Tores“ und Fortuna ließ sich nicht zweimal Bitten. Am Ende der 90 Minuten stand der höchste Auswärtssieg der Düsseldorfer Bundesliga-Geschichte. Der Sportverein von 1898 mit Sitz in Darmstadt war als Aufsteiger und Newcomer recht schnell in der Bundesliga-Realität angekommen. Am sechsten Spieltag warteten die Lilien noch immer auf ihren Premiere-Sieg und hofften in Fortuna das erste Opfer zu finden.

Doch Pustekuchen. Fortuna dominierte von Beginn das Geschehen und ging nach neun Minuten in Front. Klaus Allofs’ Schuss klatschte gegen den Pfosten und Reinhold Fanz nutzte die Passivität der Darmstädter Verteidigung gedankenschnell zur Führung. Turbulent wurde es kurz vor dem Wechsel. Zunächst besorgte Fleming Lund das 2:0, doch praktisch in Gegenzug verkürzte Weber zum Halbzeitstand (42.).

Nach kühlenden Getränken gegen die drückende Schwüle sorgte Wolfgang Seel im zweiten Durchgang mit dem 3:1 (56.) für die Vorentscheidung. Letzte Zweifel am Düsseldorfer Sieg entkräftete – kaum einen Wimpernschlag später – Darmstadts Weiss, der dem einschussbereiten Seel das Tor zu 4:1 stibitzte. Der Knockout für die Lilien, die sich nun kampf- und kraftlos ihrem Schicksal ergaben. Klaus Allofs nahm die Einladung der Hessen an und nutzte die sperrangelweit geöffnete Pforte am Böllenfalltor gleich doppelt (69. und 81.). Als höchster bisheriger Auswärtssieg ging der 6:1-Erfolg somit in die Geschichtsbücher der Fortuna ein.

Was Hoffnung macht: Ganz ehrlich? Wenig. Gastgeber Darmstadt 98 ist zweifelsfrei in Topform und will sich sicherlich dauerhaft auf einem Aufstiegsplatz etablieren. Doch da könnte das Haar in der Darmstädter Suppe zu finden sein, denn neben einer ansehnlichen Auswärtsstatistik bei den Lilien, ist also beiderseitig Druck auf dem Kessel. Zumindest wird sich zeigen, ob das Fortuna-Team zu seinem Coach steht. Eine Chance oder lediglich Prinzip Hoffnung?