Umgang mit Gedenk-Aktion Fortuna-Fans waren von diesem Verhalten im Magdeburg-Block irritiert

Düsseldorf · In allen Stadien der deutschen Profiligen wurde im Rahmen der Aktion „Nie Wieder“ der Opfer des Vernichtungslagers Auschwitz gedacht und dafür sensibilisiert, auch heute wachsam zu sein und sich gegen Diskriminierung und rechte Gewalt zu wehren. In der Arena kam das nicht bei allen an.

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Foto: Frederic Scheidemann

Vorneweg – es geht in dieser Geschichte nicht um eine grundsätzliche Auseinandersetzung mit ostdeutschen Fußballfans, in diesem konkreten Fall aus Magdeburg. Es geht nicht darum, alle Anhänger des 1. FC Magdeburg in eine politische Ecke zu stellen. Es geht darum zu schildern, wie es in der Düsseldorfer Arena zu Szenen gekommen ist, die für große Irritationen bei vielen im Stadion gesorgt haben. Und tatsächlich kann man aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln darauf gucken und damit zu einer anderen Bewertung kommen.

„Nie wieder!“, diese Botschaft der Überlebenden des ehemaligen Konzentrationslagers Dachau haben Fußballfreunde bereits 2004 aufgegriffen und den „Erinnerungstag im deutschen Fußball“ ins Leben gerufen. Am 27. Januar 2004 wurde die Initiative in der Evangelischen Versöhnungskirche, KZ-Gedenkstätte Dachau, gegründet. Die Anregung kam aus Italien. Ein Bündnis aus Einzelpersonen, Fangruppen und Fanprojekten, Vereinen, Verbänden und Institutionen aus dem Fußball gedenkt seitdem der Opfer und engagiert sich für eine würdige Gedenkkultur und für ein Stadion ohne Diskriminierung.

So auch am 18. Spieltag der Zweiten Liga. Die Partie Fortuna Düsseldorf gegen den 1. FC Magdeburg. Auf den Anzeigetafeln ist zu lesen „Nie Wieder“. Für die allermeisten im Stadion das Signal, in diesem Moment sich damit zu beschäftigen. Etwas unvermittelt beginnt Stadionsprecher André Scheidt damit, einen Text zu verlesen. Hätte man das auch im Magdeburger Block mitbekommen können und daraufhin den Support sofort einstellen müssen?

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Foto: Frederic Scheidemann

Dies ist zunächst nicht geschehen. Während es im Stadion immer stiller wird, skandieren die mitgereisten FCM-Anhänger lautstark „Auswärtssieg“. Unglücklich gelaufen? Aufgrund der miserablen Akustik im Stadion ist natürlich nicht auszuschließen, dass die Worte von Scheidt erst mit gewisser Verzögerung übermittelt wurden.

Tatsächlich soll wohl einer der Vorsänger schließlich die Menge im FCM-Block dazu aufgefordert haben, den Support sofort einzustellen – und eben auch sich an dem Gedenken zu beteiligen. Also alles nur ein großes Missverständnis?

Fortuna Düsseldorf - 1. FC Magdeburg: die Bilder des Spiels​
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Fortuna - Magdeburg: die Bilder des Spiels

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Foto: dpa/Roland Weihrauch

Viele Düsseldorfer glauben nicht daran. Darunter auch Stadion-DJ „Opa“. Er schreibt in einem Beitrag bei Facebook: „Kompliment, liebe Fans des 1. FC Magdeburg. Es geht beim Einmarsch der Teams um #WeRemember für den Gedenktag an die Opfer des Holocaust mit Foto, Plakat bei beiden Teams, ein Text wird verlesen und ihr fangt an zu singen. Klar, ihr habt nichts mitbekommen. Ja, das glaube ich. Ja, ihr habt wirklich sehr, sehr, sehr, sehr viel nicht mitbekommen. Nun, ein bisschen Spaß muss ja sein, nicht wahr?“

Liegt er mit dieser Einschätzung richtig? In der Durchsage heißt es unter anderem: „Auch in unserer Gesellschaft ist Diskriminierung und rechte Gewalt nicht verschwunden. (...) Daher unser Appell, wenn ihr Diskriminierung und Ausgrenzung mitbekommt: Beweist Haltung, mischt euch ein und unterstützt die Betroffenen! Wir alle können einen Beitrag leisten – auf und neben dem Fußballplatz!“

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Foto: Moritz Mueller

Und dann heißt es zum Abschluss: „Bekräftigt das bitte mit eurem Applaus.“ Der überwiegende Teil der Besucher an diesem Abend applaudiert – im Block des FCM ist es allerdings nur eine klare Minderheit, die auf diese Weise ihre Solidarität dokumentiert. Wieder nur ein Missverständnis?

So bleibt dieser fade Beigeschmack. Unbenommen davon haben die Magdeburger Fans einen unglaublich starken Support für ihre Mannschaft geleistet. So kann man sich Unterstützung auf fremdem Platz, was zumindest das sportliche Treiben angeht, nur wünschen.

Vielleicht hilft es ja, sich künftig etwas intensiver mit der Dramaturgie eines Spieltags auseinanderzusetzen, um solche „Missverständnisse“ zu vermeiden. Man soll ja schließlich keinen falschen Eindruck gewinnen.

(gic)
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