1. Sport
  2. Fußball
  3. Fortuna

Fortuna Düsseldorf: Die RP-Fankolumne

Die RP-Fankolumne : Wenn ich bei Fortuna das Sagen hätte..

Wir wollen euch 2021 (noch) mehr zu Wort kommen lassen! Was brennt euch unter den Nägeln? Was wolltet ihr immer schon mal ansprechen? Was nervt? Was findet ihr toll? Es folgt Marcus Fox in unserer Fankolumne, der bereits in seiner Einleitung sagt: „Wir wissen alle, dass das nicht gut gehen wird..“

Einmal, ja einmal war ich fest davon überzeugt, dass Fortuna Düsseldorf Deutscher Meister geworden ist. Genau am 6.8.1977 war das. Fortuna hatte gerade den 1. FC Köln mit 5:1 am ersten Spieltag nach Hause geschickt, ich hatte mein erstes Spiel gesehen, hatte von Fußball überhaupt keine Ahnung (an diesem Zustand hat sich laut Aussage des ein oder anderen nicht verändert), und meine Eltern mussten mir stundenlang erklären, dass Fortuna zwar jetzt Tabellenführer ist, aber die Saison noch weitere 33 Spieltage andauern würde.

Wir wissen alle, dass wir nicht Meister geworden sind, aber immerhin Tabellenfünfter. Wir wurden zweimal Pokalsieger und standen im Finale der Pokalsieger in Basel, zu dem scheinbar ganz Düsseldorf persönlich anwesend war und nur ein kleiner fast 10-jähriger Junge einsam und alleine in seiner Heimatstadt noch anwesend war. Danach hat sich Fortuna zu einem Weg entschlossen, der viel über das Innere des Vereins aussagt: Es wurde immer auf Teufel komm raus versucht, die Schulden in Grenzen zu halten.

Dafür wurde manches Tafelsilber verscherbelt, manche komischen Aktionen von Präsidenten gestartet und blöderweise auch durchgesetzt, die Gott sei Dank zwischenzeitlich wieder korrigiert werden konnten. Aber anders als auf Schalke oder sonst wo, leben wir nicht auf so großem Pump, dass uns das Land NRW mit einer Bürgschaft über Wasser halten muss.

Dafür nehmen wir in Kauf, dass wir niemals Deutscher Meister werden können. Wir werden niemals um den Einzug in die Champions League spielen. Schade, aber dafür werden wir und auch noch unsere Kinder und Kindeskinder einen Verein vorfinden, der echt geblieben ist.

Bei dem wir immer und immer wieder auch bei einer 3:0-Führung in der 82. Minute noch nicht 100 Prozent sicher sein können, dass wir am Ende gewinnen. Bei dem wir ganz genau wissen, dass große und entscheidende Spiele eher verloren werden oder gewonnene Spiele durch Platzstürmer noch lange nicht gewonnen sind. Und bei dem es weiter diese Berufspessimisten auf Twitter geben wird, die alle davor warnen, dass das SO nicht gutgehen wird.

Aber genau das zeichnet diesen Verein aus. Bei Fortuna drehen größtenteils die Rädchen ineinander, nur wenn sportlich die Erfolge ausbleiben, dann ist wieder alles – auf deutsch gesagt –  besch… geplant, organisiert und betrachtet worden. An diesem Mechanismus kann auch der Vorsitzende nichts ändern, egal ob er sich den Hintern für den Verein aufgerissen hätte oder nicht.

Und da häufig und oft Mechanismen im Fussball greifen, ist der Vorsitzende austauschbar und ist vor allem nicht größer als der Verein, insofern ist seine Rolle eigentlich viel kleiner, als die Stellenbeschreibung es hergibt. Die Rolle ist allerdings groß genug, um ein ganzes Schiff ins Wanken zu bringen, wenn Dinge ohne Wissen des Vereins unternommen werden, obwohl damit nicht ein fußballerischer Akzent anders gesetzt wäre.

Und deshalb soll alles so bleiben wie es ist, denn genau so ist Fortuna Düsseldorf, genau deshalb tun wir uns das Woche für Woche an und genau deshalb lieben wir diesen Verein und sind keine Bayern-Fans. Dabei ist es auch schrecklich egal, wer diesen Verein führt. Die Basis ist entscheidend und die steht. Und deshalb wissen wir, dass es am Ende doch gut ausgehen wird. (Danke fairyultra für den Titel)

(gic, jol, pab)