Wirtschaftliche Situation Darum warnt Fortuna-Finanzchef Hovemann vor Investoren-Einstieg

Düsseldorf · Der Zweitligist ist finanziell nicht auf Rosen gebettet. Aber die gesamte Profifußball-Branche ist nicht mehr der Selbstläufer, der sie einmal war. Ein Grund dafür ist die immer größere Kluft zwischen den Topklubs und der breiten Masse. Fortunas Finanzvorstand Arnd Hovemann hat sich dazu geäußert.

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Das ist Arnd Hovemann

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Foto: MoMue/Moritz Mueller

Noch vor wenigen Jahren hatte es den Anschein, als gäbe es für das Wachstum des professionellen Fußballs überhaupt keine Grenzen. Die Einnahmen der Topklubs stiegen ins Unermessliche, jedes Jahr strichen sie mehr Geld für die Übertragungsrechte im Fernsehen und bei Streamungdiensten ein als in dem zuvor. Die ganz fetten Jahre sind jedoch vorbei, neue Heilsbringer werden gesucht. So läuft derzeit eine intensive Diskussion über den Einstieg eines Investors in die Deutsche Fußball-Liga.

In dieser Gemengelage hat sich nun Arnd Hovemann zur wirtschaftlichen Situation geäußert, als Gesprächspartner im „Kicker“ zum Thema Investoren-Einstieg und Verteilung finanzieller Mittel. Fortunas Finanzvorstand ist dabei eine Sache besonders wichtig: die Kluft zwischen den wirtschaftlich stärksten Klubs und der breiten Masse dahinter nicht noch größer werden zu lassen.

Es gehe um die Wettbewerbsbalance in den Ligen, sagt Hovemann dem Fachmagazin. „Es besteht die Gefahr, dass schon bald der Kipp-Punkt erreicht wird, bei dessen Überschreiten es zu Zuschauerrückgängen kommen wird“, erklärt der Finanzvorstand. „Die Wettbewerbsbalance ist ohnehin bereits seit Jahren im Sinkflug.“

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Foto: dpa/Peter Byrne

Der Einstieg eines milliardenschweren Investors in die DFL könne dieses Problem weiter verschärfen. Die kleineren und mittleren Klubs befürchten dem „Kicker“ zufolge, dass ein Großteil des Geldes (die Rede ist von zwei bis drei Millarden Euro) nach dem aktuellen Medienverteilerschlüssen augeschüttet werde. „Wenn wir das Geld so aufteilen, würden wir uns ins eigene Knie schießen“, warnt Hovemann, „weil die Schere zwischen großen und kleinen Klubs dann sogar noch weiter auseinandergeht, als das ohnehin schon aktuell der Fall ist.“

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Derzeit erhält Branchenführer FC Bayern etwa dreimal so viel Mediengeld als das (in dieser Hinsicht) Schlusslicht der Bundesliga, der VfL Bochum, 90 gegenüber 33 Millionen Euro. Weitere Einnahmen, etwa aus der Champions League, nicht einmal eingerechnet. Noch gravierender wird der Unterschied, wenn man die Zweite Liga hinzuzieht. Und da kommt für Hovemann wieder das Thema sportliche Balance ins Spiel.

„Wir sehen schon jetzt, dass Aufsteiger ihre Mehreinnahmen gar nicht mehr ins Team investieren, um die Klasse zu halten, sondern sich ein Polster für den bereits antizipierten Wiederaufstieg anlegen“, sagt der Düsseldorfer in dem Magazinbeitrag. „Kaufmännisch ist das eine sinnvolle Entscheidung, für den Wettbewerb aber ist das eine Katastrophe, weil sie dann erst recht chancenlos sind, was wiederum der Attraktivität des Wettbewerbs schadet. Doch weil die Spreizung zwischen Bundesliga und Zweiter Liga so extrem ist, entscheiden sie so.“

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Foto: Frederic Scheidemann

Wenn wirklich ein Investor einsteige, dürften „die Unterschiede zwischen den 36 Klubs und auch zwischen den beiden Ligen nicht zu groß werden“, fordert Hovemann. „Nur so werden wir den Wettbewerb wieder stärken und damit langfristig das Interessen an den beiden höchsten deutschen Ligen.“ Wichtig dabei: „Niemand will den Sozialismus, also eine Gleichverteilung ohne Leistungsorientierung oder Verhältnisse wie in den US-Ligen.“ Aber eben doch ein bisschen mehr Augenmaß, um das zu wahren, was die Attraktivität des Fußballs stets ausgemacht hat.

(jol)