21-jähriger Grieche ist da Das verspricht sich Fortuna vom Tzolis-Transfer

Düsseldorf · Christos Tzolis ist da – mit zwei Tagen Verspätung, aber das tut der Vorfreude beim Zweitligisten keinen Abbruch. Am Sonntag trainierte die Leihgabe aus Norwich bereits mit den Reservisten mit. Dann noch als Gast, doch wenig später war die Leihe perfekt. Was Trainer und sportliche Leitung sagen.

 Christos Tzolis in der Arena.

Christos Tzolis in der Arena.

Foto: f95.de/Kast

Der Status als Gastspieler war nur ein ganz kurzer. Am Sonntagvormittag machte Christos Tzolis bei Fortuna bereits das Spielersatztraining jener Profis mit, die beim 0:0 auf St. Pauli tags zuvor nicht oder nur kurz zum Einsatz gekommen waren. Dann noch mit einer Gastspielgenehmigung, die der Arbeitgeber des Stürmers, der englische Zweitligist Norwich City, ausgestellt hatte. „Es sind ja nur noch kleine Details zu klären, wir werden die Sache sicher noch am Sonntag über die Bühne bringen“, sagte Klaus Allofs am Rande des Trainingsplatzes.

Der Sportvorstand hielt Wort: Knapp zwei Stunden später gab der Klub die Ausleihe des 21-jährigen Stürmers bekannt, Tzolis wird Fortuna bis zum Saisonende verstärken. Zudem handelten die Düsseldorfer eine Kaufoption aus, wobei Allofs die zuvor kolportierte Summe von fünf Millionen Euro nicht bestätigen wollte. „Aber wir haben die Option, für die erste und für die zweite Liga“, ergänzte der 66-Jährige.

Nun klingt das ja fast so, als gäbe es unterschiedliche Options-Summen je nach Ligazugehörigkeit; dem sei allerdings nicht so, antwortete Allofs auf entsprechende Nachfrage: „Ich wollte damit nur zum Ausdruck bringen, dass Christos auch bereit wäre, zu uns zu kommen, wenn wir den Aufstieg gemeinsam nicht schaffen. Das hat er klar gesagt, und das ist längst nicht bei jedem Spieler so.“

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Die Vorschusslorbeeren für den jungen Griechen sind beachtlich. „Wir beobachten Christos schon länger, was aber nicht heißen soll, dass wir ihn ernsthafterweise auf der Liste gehabt hätten“, erklärte Allofs. „Er gehört zu einem Preissegment, mit dem wir uns eigentlich von unseren Möglichkeiten her gar nicht hätten befassen können.“ Zu stark war Tzolis‘ Zeit bei PAOK Saloniki mit 17 Treffern und zehn Vorlagen gewesen; da stiegen gleich weit finanzstärkere Klubs in den Poker ein.

Fortuna bekam jetzt ihre Chance, weil das vergangene Jahr eine Delle in Tzolis‘ Karriere brachte. Bei Norwich schaffte er nicht den Sprung, City lieh ihn deshalb an den niederländischen Erstligisten FC Twente aus, doch auch da rief der Youngster sein großes Potential nicht wirklich ab. „Er brennt darauf, jetzt wieder Fußball zu spielen“, sagte Fortunas Sportdirektor Christian Weber dazu. „Er identifiziert sich komplett mit dem, was wir dieses Jahr vorhaben und hat richtig Bock auf Fortuna.“

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Den Ausschlag dafür, dass die Leihe über die Bühne gehen konnte, gaben nicht zuletzt Beispiele wie Kevin Danso und Michal Karbownik. Ebenfalls große Talente, bei denen die Karriere stagnierte und die bei Fortuna wieder zu Selbstvertrauen fanden. „Das haben wir sehr, sehr gut hinbekommen“, sagte Weber schmunzelnd. Das ist inzwischen auch im Ausland bemerkt worden, und bei Spielerberatern ohnehin. Und jetzt soll es bei Tzolis ähnlich laufen.

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Der Trainer freut sich sehr über den Zuwachs in seinem Kader. „Christos hat genau das Profil, das wir gesucht haben“, betonte Daniel Thioune. „Er ist ein Spieler, der eine hohe Intensität gehen kann und ein hohes Potential hat. Seine Leistungsdaten sind alle sehr, sehr gut, und damit ist er ein Puzzleteil, das uns sehr viel weiterhelfen kann.“ Durchaus schon am kommenden Sonntag beim Pokalspiel in Illertissen, denn Tzolis ist völlig fit an den Rhein gekommen: „Das war die Voraussetzung für einen Transfer, dass wir keinen Spieler bekommen, den wir selbst erst einmal fitmachen müssen. Er soll auf jeden Fall die Jungs kennenlernen, wird also mit in den Zug steigen. Und ab Mittwoch sehen wir, ob er schon eine Option ist.“

Einsatzmöglichkeit für Tzolis gibt es mehrere. Der Trainer hat kurzfristig die Vorstellung, ihn als Verstärkung auf den Außenbahnen zu sehen: „Christos hat einen niedrigen Körperschwerpunkt, er ist ein Dribbler, ein Eins-gegen-Eins-Spieler. Er kann auch um einen Neuner herum spielen, aber wir wollen zunächst mal den Druck und den Konkurrenzkampf auf den Außenbahnen erhöhen.“ Weber sieht diese Qualität bei dem Zugang ebenfalls, ergänzte aber: „Er hat in jungen Jahren bereits in einem qualitativ guten Wettbewerb wie der griechischen Liga seine Torjägerqualitäten unter Beweis gestellt. Er hat einen sehr guten Abschluss, und die Prämisse war ja, dass wir aufwiegen wollen, dass wir torgefährliche Spieler wie Rouwen Hennings und Dawid Kownacki verloren haben.“ Ein ambitioniertes Vorhaben für einen 21-Jährigen.

Ein wenig bitter ist nun freilich, dass Fortuna vor zwei trainingsfreien Tagen steht. „Christos wird am Montag individuell mit unserem Athletiktrainer Andreas Gross arbeiten, am Dienstag wird er gemeinsam mit Tim Oberdorf arbeiten“, berichtete Thioune. „Er hat also nicht frei wie die anderen, sondern bekommt Input, auch für den Kopf, was unsere Spielanlage angeht.“ Die Kommunikation mit dem Zugang läuft übrigens vorerst auf Englisch, obwohl Tzolis als Teenager mit seinen Eltern bereits zwei Jahre in Deutschland verbrachte. Er kickte damals für die kleinen Klubs SG Rosenhöhe Offenbach und Alemannia Königstädten, „aber bei unserem Videochat musste er doch zugeben, dass es nicht sehr weit her ist mit seinem Deutsch“, erzählte Thioune lachend. Aber das lässt sich ja ändern.