Fortuna Düsseldorf: Das neue Leben des Axel Bellinghausen

Assistenz-Trainer bei Fortuna Düsseldorf: Das neue Leben des Axel Bellinghausen

Axel Bellinghausen war als Spieler der erklärte Liebling der Fans von Fortuna Düsseldorf. Nun assistiert er Fortuna Düsseldorfs Cheftrainer Friedhelm Funkel – vor allem als Fachmann für die Standardsituationen.

Die neue Rolle ist Axel Bellinghausen anzusehen. Nicht allein, weil er auf dem Trainingsplatz jetzt ein schwarzes statt des bei Fortuna Düsseldorf üblichen roten Spielershirts trägt. Der 35-Jährige ist auch in seinem gesamten Auftreten merklich ernsthafter geworden. Natürlich macht er immer noch seine Scherze, behält auch beim härtesten Programm seine gute Laune – doch man merkt ihm an, dass er jetzt einer derjenigen ist, auf dessen Anweisungen die Jungs in den roten Trikots schauen. Bellinghausen ist schließlich nicht mehr Profi, er ist Co-Trainer.

„Ich hätte mir den Rollenwechsel nicht so extrem vorgestellt“, gibt der frühere Publikumsliebling zu. „Am Anfang dachte ich: Okay, du hast 15 Profijahre auf dem Buckel. Da macht es doch keinen großen Unterschied, welche Farbe das Hemd hat, das du in der Kabine anziehst. Dann kommst du in die Kabine und merkst: Du weißt überhaupt nichts.“

Der Sprung kam ja auch unvermittelt, beinahe wirklich so wie in kaltes Wasser. Zu Beginn der Saison 2017/18 stand Bellinghausen noch als linker Flügelspieler mit der angestammten Rückennummer elf im Fortuna-Kader, wurde am 6. August beim 2:0-Sieg bei Erzgebirge Aue in der 85. Minute sogar noch einmal für Niko Gießelmann eingewechselt. Nur zwei Monate später dann ging er beim Zweitligaspiel in Bielefeld dann bereits als Assistenztrainer in die Kabine der Düsseldorfer Fortuna.

In der Zwischenzeit war Peter Hermann, der diesen Job zuvor bei Chefcoach Friedhelm Funkel in Düsseldorf innegehabt hatte, als Assistent von Jupp Heynckes zum FC Bayern München gewechselt. „Schnell war klar, dass Thomas Kleine als bislang dritter Mann im Trainerstab in Peters Rolle aufsteigen würde“, erklärt Bellinghausen. „Völlig überraschend kam dann für mich das Angebot, Thommys Job zu übernehmen.“ Wie er das immer bei wichtigen Entscheidungen mache, habe er sich mit Ehefrau Silly zusammengesetzt und eine Pro-und-Contra-Liste erstellt. „Und plötzlich standen da gar nicht so viele Contras“, erklärt der Blondschopf lachend. „Unterm Strich war uns beiden vielmehr klar, dass eine solche Chance vielleicht nie wieder kommt.“

Die Bellinghausens nahmen an – und so begann das neue Leben des Axel B. „Ich war extrem aufgeregt“, erinnert sich der frühere Lauterer und Augsburger Fußballprofi. „Und ich merkte schnell, wie viel ich noch lernen muss. Früher kam ich beim Training aus der Kabine, guckte mir an, wo die Trainer die Hütchen hingelegten hatten, hörte mir an, was wir tun sollten, und dann legte ich los. Jetzt komme ich mindestens eine halbe Stunde früher raus, habe die Hütchen selbst in der Hand und muss erstmal überlegen, wo ich die hinlegen muss. Dann denke ich wieder: Mist, muss das Feld nicht viel größer sein? Und dann kommen die Spieler und schauen mich fragend an, was sie tun sollen.“

Natürlich seien der erste Co-Trainer Thomas Kleine oder auch Videoanalyst Phlipp Grobelny große Hilfen, ergänzt Bellinghausen. „Vor allem, als Friedhelm Funkel mir plötzlich den Spezialjob zuteilte, ich solle mich um die Standardsituationen kümmern.“ Bass erstaunt sei er gewesen, sagt Bellinghausen. „Friedhelm sagte, du hast doch als Profi oft Freistöße und Ecken getreten“, berichtet er. „Da habe ich nur geantwortet: Ja, aber du hast doch auch gesehen, wie schlecht ich das gemacht habe.“ Funkel war es egal, er sah das Potential seines neuen Assistenten – und nach und nach wurden Fortunas Standards immer besser. „Wenn man Leute wie Takashi Usami hat, die sie ausführen, dann sind das aber auch echte Waffen“, sagt Assistent Bellinghausen bescheiden.

Derzeit treten Fortunas Zugänge Marvin Ducksch und Kevin Stöger die Ecken und Freistöße – ihr Spezialcoach ist aber auch in der Bundesliga immer noch Axel Bellinghausen. „Ich bin Friedhelm sehr dankbar für sein großes Vertrauen in mich“, sagt er. „Er ist für mich ein absoluter Glücksfall, zumal ich immer noch in der Findungsphase bin und sehr viel von ihm lerne.“ Ein Traumeinstieg sei es gewesen, gekrönt mit dem Aufstieg. Doch als Mensch, so versichert der gebürtige Siegburger, habe er sich nicht verändert. „Es würde mir jeder sofort anmerken, wenn ich mich verstellen oder verbiegen würde“, betont er. „Das gäbe nur Probleme.“ Nicht zuletzt mit seiner Silly.

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