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Fortuna-Fans zu Katar, Teil 1 Warum die WM wie Nougat mit Ketchup ist

Serie | Düsseldorf · In der vergangenen Woche hatten wir Fortunas Fans (und nicht nur diese) gebeten, uns zu schreiben: Sehen Sie sich die WM trotz aller Kritik und Diskussionen an, schauen Sie weniger Spiele oder sogar gar keine? Und wie sieht dann Ihr Ersatzprogramm aus? Hier sind die ersten Ergebnisse unserer Umfrage.

Fortuna Düsseldorf: So gut werden die Heimspiele seit 2005 besucht
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So gut werden Fortunas Heimspiele besucht

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Foto: Frederic Scheidemann

Am Mittwoch stand für viele Fußball-Fans spätestens die Entscheidung an. Deutschland gegen Japan in Katar – soll man das nun anschauen oder nicht? Fernsehboykott, wegen der Menschenrechtssituation im ausrichtenden Emirat und der aktuellen Diskussionen um die Fifa, oder Unterstützung des DFB-Teams? Oder, aus Sicht der Düsseldorfer Anhänger, auch das Anfeuern von Fortunas Mittelfeldspieler Ao Tanaka,der ja im WM-Kader der Japaner steht?

Petra Hunold hat die Entscheidung für sich frühzeitig getroffen. „Ich werde das eine oder andere WM-Spiel anschauen und wünsche vor allem unseren teilnehmenden Spielern ein gutes Gelingen in harmonischer Atmosphäre“, schreibt sie als Antwort auf die große Umfrage unserer Redaktion zu einem eventuellen WM-Boykott. „Ich wäre froh, wenn diese Diskussion und Nachfragerei endlich ein Ende finden würde. Der Zeitpunkt hierfür wurde verpasst! Wir sind doch erwachsene Menschen, in einer Demokratie groß gezogen worden und entscheiden, Gott sei Dank, selbst.“

Und Frau Hunold geht mit ihrer Argumentation noch ein bisschen weiter. „Denkt vielleicht auch mal jemand daran, dass dieses sportliche (nicht politische) Großereignis vielleicht zu positiven Änderungen im Land Katar führen könnte? Ich habe gelernt, durch positives Vorleben auch etwas bewegen zu können und gebe die Hoffnung nicht auf, dass die Menschen im Land Katar dieses zur Kenntnis nehmen.“

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Foto: Frederic Scheidemann

Eine klare Aussage – wie die bislang extrem schwachen Einschaltquoten und auch die Resonanz auf unsere Umfrage zeigen, aber nicht zwingend die Mehrheitsmeinung. Michael Welling zum Beispiel lässt das Turnier ohne sich stattfinden. „Ich lege mich auf Mallorca in die Sonne, träume von Fortuna Düsseldorf und trinke mir dazu ein eiskaltes Bier. Und wenn ich dann wach werde, ist die Fortuna Deutscher Meister und die Katar-WM vorbei.“ Dafür müsste er allerdings – extrem optimistisch gerechnet – mindestens eineinhalb Jahre träumen.

Andere Fans haben sich ebenfalls einen persönlichen Boykott auferlegt, dazu allerdings ein etwas konkreteres Ersatzprogramm. „Die Winterpause werde ich dazu nutzen, Spiele der Regionalligisten und Oberligisten zu besuchen“, schreibt Fabian Busch. „Ebenso spielt die zweite Liga in den Niederlanden auch durch. In der Regionalliga haben wir mit Oberhausen, Aachen, Münster oder auch Wattenscheid einige Traditionsklubs in der Nähe. Und in der Vorweihnachtszeit kann man sich mit Weihnachtsmärkten und Familienbesuchen die Zeit auch anderweitig vertreiben als mit Auswärtsfahrten nach Berlin oder München.“

Fortuna Düsseldorf - Hinrundenrangliste von Fans und Redaktion nach Durchschnittsnoten
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Fortunas Hinrundenrangliste von Fans und Redaktion

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Foto: dpa/Roland Weihrauch

Zu Katar wird Herr Busch sehr deutlich: „Die WM interessiert mich in diesem Jahr nullkommanull. Auch wenn viele andere sagen, dass die Mannschaften nichts für die Vergabe können und man sich heuchlerisch macht, wenn man die WM boykottiert und man früher etwas hätte sagen müssen, hat die aktive Fanszene jedes Vereins und auch ich von Anfang an diese WM boykottiert. An der Vergabe können wir als Zuschauer nichts ändern, aber wir können dafür sorgen, dass die WM die schlechteste aller Zeiten wird. Wer diese WM schaut beziehungsweise unterstützt, macht sich mit strafbar.“

Es gibt allerdings noch einen weiteren Aspekt, der viele Fans beschäftigt. Diese Gruppe sieht durchaus die Problematik, die Fifa und ihre Politik nicht unterstützen zu wollen, würde aber doch wenigstens ausgewählte Spiele wie die des DFB-Teams ansehen – wenn das denn ginge. Fortuna-Fan Herbert Gelhäut aus Bielefeld gehört dazu. „Ich schaue mir die WM-Spiele nicht an, obwohl ich Fußball-Fan bin. Es ist für mich jedoch kein Boykott, sondern ganz einfach die falsche Zeit“, schreibt er. „Ich muss dann größtenteils arbeiten! Außerdem bin ich diesmal nicht bereit, mir zeitliche Schneisen zu schlagen, um die WM zu schauen. Eine Fußball-WM im November/Dezember ist für mich wie Karneval im Juni oder wie Nougatschokolade mit Ketchup. Geht irgendwie gar nicht!“

Wir werden in den nächsten Tagen weitere Zuschriften zum Thema sammeln und veröffentlichen. Bitte schreiben Sie uns weiter Ihre Meinung und gegebenenfalls Ihr Ersatzprogramm! Unser Mailfach ist für Sie geöffnet:
fortuna@rheinische-post.de

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