Fortuna Düsseldorf: Chaos in der Schlussphase - Schiedsrichter steht im Fokus

Schiri steht im Fokus : Fortuna-Spiel endet im blanken Chaos

Beim Remis von Zweitliga-Spitzenreiter Fortuna Düsseldorf gegen den 1. FC Heidenheim spielt Schiedsrichter Lasse Koslowski die unrühmliche Hauptrolle. Die Düsseldorfer sparen nicht an Kritik für den Referee.

Mehr als 80 Minuten lang ist die Zweitligapartie zwischen Fortuna Düsseldorf und dem 1. FC Heidenheim ein ganz normales Fußballspiel. Sicherlich kein sonderlich gutes, aber eines, das voll im Rahmen bleibt. Was sich in den Schlussminuten jedoch vor den 23.956 Besuchern abspielt, ist blankes Chaos. Mittendrin Schiedsrichter Lasse Koslowski aus Berlin, der vollständig den Überblick verliert und bis zum 2:2-Endstand mehr Fehlentscheidungen trifft, als gemeinhin in ein ganzes Spiel passen.

Für Fortunas Vorstandsvorsitzenden könnten die verrückten Szenen in der Nachspielzeit sogar noch ein Nachspiel haben. "Ich sage ja sonst nichts über Schiedsrichter", sagt Robert Schäfer wutentbrannt in der Interviewzone. "Aber ich weiß nicht, was der in der Zweiten Liga sucht. Von A bis Z war er überfordert, ich weiß nicht, wer so einen ansetzt. Der hatte das Spiel zu keiner Sekunde im Griff und pfeift dann einen Elfer, der keiner war."

"Es geht nicht nur um Gerechtigkeit"

In der Tat war der Elfmeter, den Heidenheims Marc Schnatterer in der sechsten Minute der Nachspielzeit verwandelte, äußerst fragwürdig. Doch das war lediglich die Spitze des Eisbergs. Fünf Minuten zuvor nämlich hätte Koslowski durchaus Strafstoß für die Schwaben geben können, als der Düsseldorfer Havard Nielsen im eigenen Strafraum ausrutschte und dabei Arne Feick umriss. Den folgenden Konter verwertete Benito Raman zum 2:1 für die Gastgeber - der Auslöser für die laut Fortunas Trainer Friedhelm Funkel "emotionalsten Schlussminuten, die ich in meiner langen Karriere erlebt habe".

Zunächst stürmt der längst verletzt ausgewechselte Kaan Ayhan quer über den Platz auf die Düsseldorfer Jubeltraube zu, rempelt auf dem Rückweg Schnatterer. Koslowski hat nichts gesehen, wird dann aber von mehreren Seiten bestürmt und zeigt dem zuvor verwarnten Ayhan die vertretbare Ampelkarte. Für die Nerven des unerfahrenen Schiedsrichters ist der Trubel offenbar zu viel. Fortunas Stürmer Rouwen Hennings, Schütze des 1:0 in der 78. Minute, schildert: "Irgendwann fing der Schiri an, für jede Kleinigkeit Gelb zu zeigen. Dafür hat er sich bei fünf Rudelbildungen komplett enthalten, für die selbst ich als Spieler zwei oder drei Rote Karten verteilt hätte. Er hat sich komplett seiner Verantwortung entzogen. Nach so einem schlechten Spiel sollten auch Schiedsrichter für eine Weile aus dem Verkehr gezogen werden. Einen Elfer gibt er nicht, dann aber einen, nur weil er ein schlechtes Gewissen hat."

Beweisen lässt sich das natürlich nicht, doch fest steht, dass der Berliner am Ende eine mitleiderregende Figur abgibt. Fortunas Torhüter Raphael Wolf berichtet, "dass Herr Koslowski auf vier Nachfragen von unserer Seite, warum er denn Elfmeter gepfiffen habe, vier verschiedene Antworten gegeben" habe. Unter anderem habe er auf seinen Assistenten verwiesen. "Doch als ich den fragte, sagte er mir, er habe nichts gesehen und auch nichts angezeigt. Die Krönung war aber, dass der Schiri fünf Minuten Nachspielzeit ankündigt, dann aber abpfeift, obwohl der Ball nur eine Minute im Spiel war."

Der 30-jährige Referee verschwand blitzschnell und wortlos in seiner Kabine, sichtlich mitgenommen von den Szenen, denen er nicht mehr Herr wurde. Wohlgemerkt: Eine Benachteiligung Fortunas war die falsche Abfolge von Strafstoß-Pfiffen und Nicht-Pfiffen nicht. Hätte Koslowski den vertretbaren ersten gegeben, hätte das wohl den 1:2-Rückstand bedeutet.

Funkel attestierte ihm dennoch eine "sehr verunsicherte Leistung. Er hat jeglichen Faden verloren, wenn er denn jemals einen hatte." So übersah der Berliner dann auch gleich zwei Tätlichkeiten des Heidenheimers Matthias Wittek (unter anderem einen Kopfstoß) gegen Florian Neuhaus und ebenso dessen versuchtes Nachtreten. Gut, dass beide Trainer am Ende als Vorbilder agierten: Funkel und Frank Schmidt umarmten sich demonstrativ, und Schmidt sagte: "Wichtig ist, dass man nach einem solchen Spiel runterfährt und sich die Hand gibt. Das haben wir getan."

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(jol)