Fortuna Düsseldorf: Björn Borgerding Favorit für Nachfolge von Reinhold Ernst

Als Fortunas Aufsichtsrats-Vorsitzender : Borgerding Favorit für Ernst-Nachfolge

Mit 37 Jahren ist Björn Borgerding noch sehr jung, aber dennoch der Kandidat Nummer eins für den Vorsitz in Fortunas Aufsichtsrat. Der bisherige Amtsinhaber Reinhold Ernst will aus beruflichen Gründen kürzer treten.

Peter Frymuth ist derzeit in seiner Beweglichkeit stark eingeschränkt. Fortunas früherer Vorstandsvorsitzender, inzwischen Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes, hat bei einem häuslichen Unfall einen Riss des Quadrizeps-Muskels im Oberschenkel erlitten. Die fällige Operation hat Frymuth zwar gut überstanden, aber jetzt liegt er erst einmal flach, da er das Knie nicht beugen darf und entsprechend auch nicht in einem Auto sitzen kann.

Folglich ist er auch nicht bei Fortunas Neujahrsempfang am Sonntag im Flughafenbahnhof dabei; dabei wäre es für den DFB-Vize, den Fortunas Wahlausschuss im Dezember in den Aufsichtsrat bestellt hat, ebenso wie für die anderen Besucher ein spannender Tag geworden. Es ist die erste öffentliche Veranstaltung des Vereins, seit Reinhold Ernst bestätigt hat, bei der nächsten turnusmäßigen Sitzung des Aufsichtsrats nicht mehr als dessen Vorsitzender zu kandidieren.

„Aufgrund der aktuell gestiegenen Anforderungen in meinem Beruf werde ich in meinem Ehrenamt für die Fortuna etwas kürzertreten und nicht mehr für den Aufsichtsratsvorsitz kandidieren“, sagte Ernst, der Partner einer weltweit operierenden Anwaltskanzlei ist. Nicht zuletzt die vielen anstehenden Reisen vertrügen sich nicht mit der Rolle eines Aufsichtsratsvorsitzenden. Es handele sich jedoch keineswegs um einen Rücktritt, geschweige denn um einen Ausstieg aus dem Gremium: „Wenn von Verein und Aufsichtsrat gewünscht, werde ich weiterhin eine maßgeblich mitgestaltende Rolle wahrnehmen.“ Sehr gern auch als neuer zweiter Vorsitzender – das habe er dem Aufsichtsrat bereits angeboten.

Kein Geheimnis ist, dass es in den Aufsichtsratssitzungen des vergangenen Jahres nicht immer harmonisch zugegangen ist. Dies habe bei seiner Entscheidung allerdings keine Rolle gespielt, versichert Ernst: „Ich hätte weitergemacht, wenn es meine berufliche Situation zugelassen hätte.“ Daraus spricht seine Überzeugung, die sicherlich vorhandenen Meinungsunterschiede im Rat sachlich zu klären. Wie unsere Redaktion erfuhr, sehen auch andere Gremiumsmitglieder keine unüberbrückbaren Differenzen, so dass einer weiteren Mitarbeit Ernsts nichts im Wege stehen sollte.

Favorit für Ernsts Nachfolge als Vorsitzender des Kontrollgremiums ist der Marketing-Fachmann Björn Borgerding, der im Rat vor allem auf die Unterstützung seiner Kollegen Dirk Böcker und Sebastian Fuchs zählen kann, eine breite Unterstützung in der Fan- und Mitgliederbasis hat und schon seit mehr als fünf Jahren dem Rat angehört. Der 37-Jährige ist geschäftsführender Gesellschafter der Innovationsplattform „WhatsGoal“, die er gemeinsam mit Paulo Anania aufbaute und die den Versuch unternimmt, junge Start-Up-Unternehmen der digitalen Sport-Welt mit den etablierten Köpfen aus dem Sportbusiness zusammenzubringen. Die aktuelle Situation möchte Borgerding indes nicht kommentieren: „Das ist kein Wunschkonzert, und hier kann niemand seine Wunschkonstellation erstellen. Die Mitglieder des Aufsichtsrat werden in ihrer nächsten Sitzung gemeinsam einen Vorsitzenden und einen Stellvertreter wählen, mehr gibt es dazu nicht zu sagen.“

Sollte Borgerding diese Wahl gewinnen, müsste er als erstes versuchen, einiges an Porzellan zu kitten, das in den vergangenen Monaten während Fortunas Führungskrise zu Bruch ging. Er ist der Kandidat Nummer eins; Frymuth steht dagegen nicht als erster oder zweiter Vorsitzender zur Verfügung. „Ich habe dem Wahlausschuss von Anfang an mitgeteilt, dass ich aus beruflichen Gründen keinen Führungsposten im Gremium übernehmen kann“, erklärt Frymuth. Er sehe nach seinen ersten Eindrücken und Gesprächen seine Aufgabe darin, „aus der Mitte heraus den Teamgeist zu verstärken, ganz so wie es Oliver Fink kürzlich für die Mannschaft gefordert hat. Teamgeist muss nicht nur in der Mannschaft herrschen, sondern auch in den Gremien und im gesamten Verein“.

Der DFB-Vize lobt ausdrücklich das „wahnsinnig hohe Engagement Reinhold Ernsts“, macht aber auch keinen Hehl daraus, dass ihn viele Mitglieder gebeten hätten, für mehr Einheit im Verein einzutreten. Diese wiederherzustellen, ist die wichtigste Aufgabe für die Vereinsführung, Vorstand und Aufsichtsrat gleichermaßen.