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Fortuna Düsseldorf begegnet Antisemitismus im Fußball und verschärft Kampf gegen Ausgrenzung

Antisemitismus im Fußball : Fortuna verschärft Kampf gegen Ausgrenzung

Fortuna hat sich erneut klar gegen Antisemitismus positioniert. Die Definition des Begriffs durch eine internationale Allianz sei eine gute Grundlage, wenn es um die Bekämpfung von Judenfeindlichkeit gehe, sagt Fortunas Geschichtsexperte Tom Koster. Doch sie müsse mit Leben gefüllt werden.

Gleich zu Beginn der virtuellen Veranstaltung wird es klar hervorgehoben: Antisemitische Äußerungen sind nicht vergleichbar mit einfacher Beleidigung. Sie befinden sich in einer gänzlich anderen Kategorie, sind zudem strafbar. Im Fußball habe sich in dieser Hinsicht zwar viel getan, doch auch heute sei Antisemitismus im Sport, sowohl auf dem Spielfeld als auch auf den Rängen, „weiterhin äußerst präsent und ein großes Problem“. So formuliert es Luis Flanhardt von Makkabi Deutschland, dem jüdischen Turn- und Sportverband, und Organisator der virtuellen Diskussionsrunde zum Thema: „Nach der Annahme der IHRA-Definition: Wie weiter im Kampf gegen Antisemitismus im Fußball“.

Die IHRA-Definition umfasst die genaue Bestimmung des Begriffes „Antisemitismus“ und wurde von der Internationalen Allianz zum Holocaustgedenken (IHRA) ausgearbeitet. Sie ist ein erster Schritt zur Bekämpfung des Antisemitismus im Fußball. Denn wenn ganz klar ist, wie welche Äußerungen einzuordnen sind, können Verstöße besser geahndet werden. Sie gibt Mannschaftskollegen,Trainern, Schiedsrichtern oder Fans, die Sprüche nicht einfach hinnehmen wollen, Sicherheit.

Die Definition lautet: „Antisemitismus ist eine bestimmte Wahrnehmung von Jüdinnen und Juden, die sich als Hass gegenüber Jüdinnen und Juden ausdrücken kann. Der Antisemitismus richtet sich in Wort oder Tat gegen jüdische oder nichtjüdische Einzelpersonen und/oder deren Eigentum sowie gegen jüdische Gemeindeinstitutionen oder religiöse Einrichtungen.“ Immer mehr Profiklubs haben sie bereits in ihre Satzung aufgenommen. Einer von ihnen ist die Fortuna. Doch die bloße Annahme dieser Erklärung könne nur der Anfang sein, erklärt der CSR-Manager der Fortuna, Tom Koster. CSR steht dabei für „Corporate Social Responsibility", die gesellschaftliche Verantwortung eines Unternehmens oder Vereins.

„Die Fußballklientel ist ein Abbild der Gesellschaft“, sagt der Geschichtsexperte auf der Veranstaltung. „Und damit auch der Probleme in unserer Gesellschaft.“ Dazu gehörten neben dem Phänomen des Antisemitismus auch andere Formen der Ausgrenzung. Die Fortuna habe sich auf die Fahne geschrieben, dem in jeder Hinsicht begegnen zu wollen. Dort genieße grundsätzlich jeder Schutz, der in Gefahr geraten sollte, ausgegrenzt zu werden. „Das ist unser Prinzip, da haben wir lange und hart dran gearbeitet“, sagt Koster.

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Dass dies nicht nur ein Lippenbekenntnis der Fortuna ist, zeigt sich an zahlreichen Projekten. Angefangen mit der Kampagne „Show Racism the Red Card“ im Jahr 2002 über den Anschluss an das Projekt „F.A.R.E.“ (Fans Against Racism in Europe) 2006, der Installation einer Dauerbande im Jahr 2012, der regelmäßigen Teilnahme an den Aktionen zu „Nie wieder. Erinnerungstag im deutschen Fußball.“, der Organisation von Studien- und Gedenkfahrten nach Auschwitz und Theresienstadt sowie der Aufarbeitung der eigenen Rolle während der NS-Zeit mit der AG Fortuna-Geschichte. Um nur einige aufzuzählen.

Die Bilanz dieses Engagements bezeichnet Alex Feuerherdt, Schiedsrichter-Experte und Moderator der virtuellen Veranstaltung, als „hochgradig beeindruckend“. Sie sei in vielerlei Hinsicht vorbildlich.

Tom Koster sieht sie als notwendig. Denn es sei nicht ausreichend, wenn lediglich die Definition angenommen werde. „Die IHRA-Definition ist für uns eine logische Ergänzung in unserem gesamten Handlungsstrang“, sagt Koster. „Denn die Aufnahme der IHRA-Definition in die Satzung, isoliert und nur für sich gesehen, verändert nicht viel. Sie muss mit Leben gefüllt werden. Nur dann, wenn ich da auch hinterstehe, kann ich erwarten, dass das auch auf fruchtbaren Boden fällt. Ansonsten erzielt es keinen Effekt.“

 Fortunas CSR-Manager Tom Koster.
Fortunas CSR-Manager Tom Koster. Foto: Hans-Juergen Bauer (hjba)

Es habe eine Zeit gegeben, als Fortuna als Viertligist immer weiter an Bedeutung verlor. Doch diese Zeit habe der Verein genutzt, um sich sportlich und strukturell neu aufzustellen und zu verbessern. Von 2002 bis 2004 war das. Fortuna habe klar gemacht, dass man bestimmtes Verhalten von bestimmten Fans nicht mehr tolerieren wolle. Die Fangemeinschaft habe das mitgetragen. Fortuna könne nun kaum Auffälligkeiten in den eigenen Reihen feststellen. „Es ist wichtig, den Leuten mit auf den Weg zu geben, dass es klare Grenzen gibt, ganz klare, innerhalb derer man sich bewegen und auch benehmen muss“, so Koster. Es sei jahrelange, harte Arbeit gewesen, die Fankultur, die Fortuna jetzt hat, aufzubauen, zu etablieren und zu pflegen.

Wie es gehen kann und wie es bei der Fortuna funktioniert? In jedem Fall nicht von selbst. „Man muss in seinen eigenen Leistungszentren anfangen, in der eigenen Jugend, wo es dann auch auf den kleineren Plätzen und nicht in den großen Arenen, in den großen Stadien, passiert. Man muss im Kleinen anfangen, den eigenen Spielern von der Kindheit an auf den Weg mitgeben, dass ein bestimmtes Verhalten zwingend notwendig ist. Man muss die Fanprojekte miteinbeziehen, man muss die Fanklubs miteinbeziehen,“ so Koster. Und natürlich Meldestellen so niedrigschwellig wie möglich zu gestalten.

„Wir wollen da ein gutes Zeichen setzen, dass man mit entsprechenden Präventivmaßnahmen eine gute Performance erreichen kann, die hilft, bestimmten Konflikten entgegenzutreten“, betont Koster. „Wir bekennen uns ganz klar zu der Bekämpfung von Antisemitismus, ohne Einschränkung.“

Hier geht es zur Infostrecke: So engagiert sich Fortuna Düsseldorf gegen Antisemitismus