1. Sport
  2. Fußball
  3. Fortuna

Fortuna Düsseldorf: André Hoffmann im Wechselbad der Gefühle

Fortuna Düsseldorf : Hoffmann im Wechselbad der Gefühle

Den Freitagabend wird Fortuna-Verteidiger André Hoffmann wohl nicht so schnell vergessen. Erst verletzte sich sein Nebenmann Kevin Akpoguma schwer, dann schoss Hoffmann das Führungstor, um kurz darauf mit "Rot" vom Platz zu fliegen.

Hoffmann versuchte noch, Schiedsrichter Benedikt Kempkes seine Sicht der Dinge zu erklären. Doch es half nichts. Die Rote Karte hatte der Unparteiische aus Thür in Rheinland-Pfalz ohnehin schon gezogen, die Diskussion war müßig. Es lief Minute 82, als Hoffmann den wuseligen Cenk Sahin als letzter Mann zu Fall brachte. Nur wenige Sekunden später hatte der FC St. Pauli das Spiel gedreht, weil Christopher Buchtmann den fälligen Freistoß ins rechte Eck schlenzte. Fortuna musste sich mit neun Mann auf dem Feld geschlagen geben.

Hoffmann sorgt für ein Spektakel

Auch Adam Bodzek hatte den Abstiegskampf zuvor allzu wörtlich genommen. Nach 39 Minuten sah er für ein Nachhaken gegen Aziz Bouhaddouz Gelb, nach 66 Minuten für eine Grätsche gegen Sahin Gelb-Rot. Bodzek ärgerte sich über die Szene, den Schiedsrichter und wahrscheinlich auch über sich selbst. Aber er verschwand nicht einfach in den Katakomben der Esprit-Arena, er blieb am Spielfeldrand stehen, um ja keine Minute des Spektakels zu verpassen.

Für die Höhepunkte auf dem Platz war Hoffmann zuständig, der gleich zwei Debüts feierte. In Unterzahl gelang ihm der verdiente Führungstreffer, weil er nach einer Ecke St. Pauli-Torwart Philipp Heerwagen überwinden konnte (72.). Doch Hoffmann flippte nicht vor Freude aus, er erinnerte mit einer Geste an den verletzten Teamkollegen Akpoguma, der zu der Zeit bereits im Krankenhaus lag. Was war passiert? Akpoguma hatte sich nach fünf Minuten im Zweikampf mit Bernd Nehrig den ersten Halswirbel gebrochen. Die Saison ist für den Innenverteidiger gelaufen.

Hoffmann zeigte bei seinem Torjubel sechs Finger, die für die Rückennummer des Kumpels stehen. Als alle Rot-Weißen um ihn herum durchdrehten, behielt der Abwehrmann die Ruhe. Hoffmann verzog keine Miene. Zehn Minuten später zog er dann die Notbremse — und flog erstmals im Fortuna-Trikot vom Platz.

Innenverteidiger nimmt sich selbst aus dem Abstiegskampf

Der 24-Jährige nahm sich damit erst einmal selbst aus dem Abstiegskampf, in den ihn Trainer Friedhelm Funkel gerade erst hineinbefördert hatte. Hoffmann absolvierte gegen St. Pauli sein fünftes Pflichtspiel für die Flingerner und seine dritte Partie von Beginn an. Er verlor in der 2. Bundesliga das erste Mal mit Fortuna. Zuvor hatte es für ihn zwei Siege (Bochum, Karlsruhe) und zwei Unentschieden (Berlin, Dresden) gegeben.

In der Fairnesstabelle ist Fortuna mit fünf Platzverweisen mittlerweile Vorletzter. Funkel kritisierte aber nicht Hoffmann für sein Foul. Der Trainer nahm sich den Referee vor. "Es war ein sehr aufregendes, sehr hektisches Spiel — und der Schiedsrichter hatte einen großen Anteil daran", sagte der Fußballlehrer im "Sky"-Interview: "Er hat sehr unglücklich gepfiffen, er hat uns bei vielen Kleinigkeiten enorm benachteiligt." Die erste Gelbe Karte von Bodzek sei beispielsweise keine gewesen, erklärte Funkel.

Wenn es nun am kommenden Sonntag zu Hannover 96 geht (13.30 Uhr/Live-Ticker), muss der Trainer in der Abwehrzentrale improvisieren. Alexander Madlung, der gegen St. Pauli nach 86 Minuten eingewechselt wurde, steht in den Startlöchern. Robin Bormuth trainiert nach seiner Sprunggelenksverletzung wieder voll mit. Gut, dass man mit Kaan Ayhan im Zweifelsfall noch ein Multitalent in den Reihen hat.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Hoffmann widmet sein Tor Akpoguma

(jado)