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Fortuna Düsseldorf: Als die Fans fast allein in der Hamburger Arena waren - 2. April 2005

Kalenderblatt 2. April : Als Fortunas Fans fast allein in der Hamburger Arena waren

Aktuell sind Fortunas Profis eine Spielklasse höher eingestuft als die des Hamburger SV. Vor genau 15 Jahren spielten die Düsseldorfer jedoch gegen die Zweitvertretung des HSV – in der fast leeren großen Hamburger Arena. Teil neun unserer Kalenderblatt-Reihe.

Es waren raue Zeiten für Fortuna in der Regionalliga Nord. So rau, dass die Klubverantwortlichen mitunter zu kleinen Tricks griffen, um die Chancen des eigenen Klubs ein wenig zu verbessern. So wie vor genau 15 Jahren, am 2. April 2005. Die Düsseldorfer waren im Frühjahr zuvor aus den Niederungen der Viertklassigkeit zurückgekehrt und gerade erst dabei, sich wieder eine Rolle auf der etwas größeren Fußballbühne zu suchen. Und nun stand am 29. Spieltag der Saison 2004/05 in der damals drittklassigen Regionalliga das Gastspiel bei der Zweitvertretung des Hamburger SV an.

Die Reserve der Hanseaten pflegten ihre Heimspiele zu jener Zeit in einem winzigen Stadion auszutragen, der Wolfgang-Meyer-Sportanlage im Stadtteil Stellingen. Diese liegt an der Hagenbeckstraße, inmitten einer Kleingartenkolonie, und fasst nur 2000 Zuschauer. Der damalige Fortuna-Geschäftsführer Paul Jäger, heute Direktor CSR (was für Corporate Social Responsibility und damit die Sonderprojekte des Vereins) des Vereins, sah darin wohl nicht ganz zu Unrecht eine Gefahr. Ein enges Stadion, das die Heimmannschaft wie ihre Westentasche kennt, ließ Fortunas Erfolgsaussichten doch erheblich sinken.

So kontaktierte Jäger die HSV-Verantwortlichen und kündigte viele Düsseldorfer Fans für diese Partie an – was durchaus der Wahrheit entsprach, nur ist „viele“ in der dritthöchsten Spielklasse eine relative Größe. Tatsächlich traten rund 900 Fortuna-Anhänger die Reise in den hohen Norden an; eine stolze Zahl für die Regionalliga, aber doch arg wenig für die große Hamburger Arena. Und die ließ der HSV eigens für das Fortuna-Gastspiel vor 15 Jahren öffnen.

Die Umstände waren so reichlich skurril. Zwar war die Arena geöffnet – die Shuttlebusse, die in Hamburg ansonsten die Zuschauer von der S-Bahn-Haltestelle zum Stadion bringen, fuhren jedoch nicht. Vielleicht fanden deshalb so wenig HSV-Fans den Weg zum Spiel: zusätzlich zu den Düsseldorfern handgezählte 40. Die Vereinshymne „Hamburg, meine Perle“ lief vom Band, da der ansonsten stets live auftretende Sänger Lotto King Karl ebenfalls zu Hause geblieben war.

Fortunas Plan ging allerdings auf. In der 74. Minute erzielte der eingewechselte Torjäger Frank Mayer den einzigen Treffer der Partie, und vor dem Gästeblock, der einzigen nicht menschenleeren Stelle der Arena, ging die Party ab. Aufsteiger Fortuna verbesserte sich mit dem Sieg beim Tabellenfünften auf Rang zwölf und setzte sich damit von der Abstiegszone ab. Das von Uwe Weidemann trainierte Team wurde am Saisonende noch Achter, zwei Plätze hinter dem HSV II.

Fortuna am 2. April 2005: Patrick Deuß – Thomas Hoersen (46. Frank Mayer), Victor Bocchio, Gerrit Bürk, Mile Bozic (64. Engin Kizilaslan) – Marcel Ndjeng, Dirk Böcker, Markus Lösch (85. Victor Lorenzón), Axel Bellinghausen – Gustav Policella, Marcel Podszus.