Fortuna Düsseldorf: Als der Aufsteiger bei Europacupsieger Borussia Dortmund gewann

Vor knapp 53 Jahren : Als Fortuna den Europacupsieger Dortmund schockte

Am Samstag um 15.30 Uhr gastiert Fortuna Düsseldorf bei Borussia Dortmund. Vor fast 53 Jahren gelang dem Aufsteiger aus der Landeshauptstadt dort eine Sensation – 2:1 beim amtierenden Europapokalsieger BVB.

Wenn Fortuna am Samstag beim Tabellenzweiten Borussia Dortmund antritt, hat sie eine Menge Euphorie im Gepäck. Es verspricht ja auch ein besonderer Fußball-Nachmittag zu werden: Der von mehr als 8000 Fans begleitete Aufsteiger aus Düsseldorf hat nach 32 Spielen 41 Punkte auf dem Konto und den Klassenerhalt längst eingetütet. Es geht nur noch darum, den zehnten Tabellenplatz zu halten – eine Kür nach der höchst erfolgreich absolvierten Pflicht. Und Gastgeber BVB muss das Spiel unbedingt gewinnen, wenn er bei aktuell vier Punkten Rückstand auf den FC Bayern München seine letzte Chance auf den deutschen Meistertitel wahren will.

Natürlich ist die Truppe von Trainer Friedhelm Funkel Außenseiter, auf dem Papier allerdings aussichtsreicher als die Fortuna-Mannschaft, die sich vor fast 53 Jahren auf den Weg nach Dortmund machte. Auch damals waren die Landeshauptstädter gerade in die Bundesliga aufgestiegen, nur war dieses Erfolgserlebnis am 20. August 1966 noch um einiges frischer. Nicht einmal zwei Monate zuvor erst hatte Fortuna ihren ersten Aufstieg in die erst drei Jahre alte deutsche Eliteklasse perfekt gemacht, durch einen 5:1-Erfolg bei den Offenbacher Kickers auf dem Bieberer Berg.

Nun stand also die Bundesliga-Premiere der Rot-Weißen an – und das ausgerechnet bei Borussia Dortmund, das mit dem frischen Ruhm eines Europapokalsiegers in die Saison ging. Am 5. Mai hatte der BVB im Glasgower Hampden Park das Finale des Europacups der Pokalsieger gegen den FC Liverpool mit 2:1 gewonnen. Zudem gehörten die Dortmunder Hans Tilkowski, Wolfgang Paul, Sigfried Held und Lothar Emmerich zu den deutschen WM-Helden, die im Sommer in England die Vizeweltmeisterschaft errungen hatten: Mit Ausnahme von Paul standen auch alle auf dem Platz, als das Finale gegen die Gastgeber durch das legendäre Wembleytor von Geoff Hurst verlorenging.

Euphorie allenthalben also – natürlich auch bei den 45.000 Zuschauern, die die Kampfbahn Rote Erde aus den Nähten platzen ließen. Doch der Außenseiter erwischte den Favoriten kalt. In der 63. Minute brachte Jürgen Schult die Fortunen mit einem ihrer zahlreichen gut vorgetragenen Konter 1:0 in Führung. Zwar währte der Jubel der Gästefans, die man damals noch herrlich politisch unkorrekt „Schlachtenbummler“ nannte, nur neun Minuten, da Held per Kopfball den Ausgleich erzielte.

Das jedoch war beileibe noch nicht Fortunas letztes Wort an diesem August-Nachmittag. Nur noch wenige Sekunden waren zu absolvieren, da schlug Torjäger Peter Meyer zu. 2:1 für Fortuna, die Sensation war perfekt. Zwar hatten Nationalspieler Paul und Rudi Assauer, die spätere Schalker Manager-Legende, den Düsseldorfer Angreifer in doppelte Manndeckung genommen, dessen Alleingang jedoch nicht verhindern können.

Die Saison 1966/67 nahm dennoch kein gutes Ende für Fortuna. Das Rückspiel im Rheinstadion verlor das Team von Trainer Kuno Klötzer 0:5, und nach dem 34. Spieltag musste es den Weg zurück in die Regionalliga antreten, die damals die zweithöchste Spielklasse war. Erst vier Jahre später gelang die Rückkehr in die Bundesliga, in der Fortuna dann jedoch gleich 16 Jahre verweilte. Sollte der aktuellen Truppe, die sich am Samstag gleich neben der alten Kampfbahn Rote Erde im „Signal-Iduna-Park“ vorstellt, eine ähnlich lange Zukunft in der Erstklassigkeit bevorstehen, wäre jeder im Düsseldorfer Lager überglücklich.

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