Fortuna Düsseldorf: 3:1-Sieg nach Verlängerung gegen FC Villingen 08 im DFB-Pokal

3:1 gegen Villingen : 18-jähriger Ofori rettet Fortuna vor Blamage

Fortuna hat sich mit viel Mühe in die zweite Runde des DFB-Pokals gezittert. Beim Fünftligisten FC Villingen 08 siegten die Düsseldorfer denkbar knapp mit 3:1 nach Verlängerung.

Friedhelm Funkel mahnte in den vergangenen Wochen immer Demut an. Seine Kernaussage vor der neuen Bundesliga-Saison: „Wir werden nicht direkt an die tolle Rückrunde anknüpfen können.“ Dass sich sein Team am Samstagmittag beim ersten Pflichtspiel der Saison 2019/20 derart unterirdisch präsentieren würde, hätte aber auch er sicher nicht gedacht. Die Fortuna spielte eine katastrophale erste und eine nur wenig bessere zweite Halbzeit. Am Ende brauchte das Team von Trainer Friedhelm Funkel die Verlängerung und den 18-jährigen Kelvin Ofori, um mit einem 3:1 gegen die vier Klassen tiefer spielenden Villinger in die zweite Runde einzuziehen.

Funkel setzte im Schwarzwald zunächst auf ein 4-4-2, in dem Kapitän Oliver Fink um Rouwen Hennings herum die zweite Spitze gab. Vier Zugänge brachte der Coach von Beginn an: Zack Steffen im Tor, Lewis Baker im zentralen Mittelfeld sowie Bernard Tekpetey und Nana Ampomah auf den Außen.

Die rund 2000 mitgereisten Düsseldofer Anhänger entrollten vor der Partie ein Banner in Anlehnung an den Film „Forrest Gump“ mit der Aufschrift „Der Pokal ist wie eine Schachtel Pralinen, man weiß nie, was man kriegt“ und einem auf der Parkbank sitzenden Fortuna-Fan. Da wussten sie noch nicht, wie Recht sie haben würden.

Denn dem Oberligisten reichte eine engagierte Leistung, um sich über lange Strecken als nahezu gleichwertiger Gegner zu präsentieren. Hauptverantwortlich dafür zeichnete die Fortuna, die sich besonders im ersten Durchgang völlig von der Rolle präsentierte. Zwar hatten die Düsseldorfer mehr Ballbesitz, doch damit stellten sie denkbar wenig an. Es fehlte an Tempo, an Spielwitz, an technischen Fertigkeiten, an Laufbereitschaft – also an allem, was man von einem Profiklub erwarten kann.

Nur einmal musste Andrea Hoxha im Villinger Tor in den ersten 45 Minuten eingreifen, als Fink nach einem Abwehrfehler aus der Drehung hektisch abschloss. Ein bisschen mehr Ruhe und ein Querpass auf Hennings hätte das sichere 1:0 bedeutet. Auf der Gegenseite musste auch Steffen nicht eingreifen. Ihn ereilte das bittere Schicksal, dass er ohne gehaltenen Ball mit 0:1 zur Halbzeit in die Kabine gehen musste.

Die Schuld daran trug Kaan Ayhan. Der Abwehrchef hatte schon zuvor ein, zwei Unsicherheiten gezeigt, wenige Minuten vor der Pause schlug er dann ein Luftloch und fällte dabei auf der Strafraumgrenze den Villinger Volkan Bak. Schiedsrichter Forian Heft überlegte kurz und entschied dann richtigerweise auf Elfmeter.

Der zweikampfstarke Mittelfeldmotor Steven Ukoh bewies dann, dass er starke Nerven hat und verwandelte trocken in den rechten Winkel zum 1:0 – sehr zur Freude der zahlreichen Badener im proppevollen Stadion. Mit einer Sondergenehmigung hatte der Klub die eigentlich 8000 Zuschauer fassende MS Technologie Arena auf 9985 Plätze aufgerüstet, 8300 kamen. Und die Villinger Fans im höchstgelegenen Stadion Deutschlands, 780 Meter über dem Meeresspiegel, fingen nun an, vom ersten Sieg im neunten Versuch in der ersten Pokalrunde zu träumen.

Zur zweiten Halbzeit brachte Funkel zwei neue Männer: Thomas Pledl und Aymen Barkok. Dafür mussten der Gelb-Rot gefährdete Tekpetey und Kapitän Fink raus. Damit stellte der Coach auf ein 4-5-1 um. Doch die erste Chance hatten erneut die Villinger. Kamran Yahyaijan testete Steffen, der aber schnell ins Eck abtauchte. Auf der Gegenseite hatte Pledl, die bis daher größte Chance der Gäste. Doch Hoxha hielt den Ball mit einem starken Reflex auf.

Doch diese Gelegenheit war ein kleines Aha-Erlebnis. Fünf Minuten später glich Fortuna aus. Der erste Versuch von Lewis Baker wurde noch abgeblockt, doch der Nachschuss von Nana Ampomah (56.) zappelte im Tornetz. Ausgerechnet Ampomah, dem bis zu diesem Zeitpunkt herzlich wenig gelungen war.

Bitter: Wenige Minuten nach seinem Tor musste Ampomah ausgewechselt werden. Er humpelte mit einem dicken Verband am linken Oberschenkel in die Kabine. Für den 23-Jährigen kam sein ghanaischer Landsmann Kelvin Ofori mit 18 Jahren zu seinem ersten Pflichtspiel im Profibereich.

Fortuna war nun kurzzeitig am Drücker, doch die Abschlüsse von Hennings und Baker gingen knapp neben das Tor. Danach verflachte die Partie und die Leistung Fortunas wieder. Bezeichnend: Funkel schickte seine Ersatzspieler in der 80. Minute zum Warmlaufen, obwohl er schon dreimal gewechselt hatte. Denn in der Verlängerung darf er ja ein viertes Mal austauschen.

Und so kam es dann auch: Marcel Sobottka kam nach 103 Minuten für Baker in die Partie. Zu diesem Zeitpunkt hatte Fortuna das Spiel bereits gedreht. Denn die blamable Partie hatte aus Fortuna-Sicht dann doch noch eine märchenhafte Wendung parat: Ofori, gerade erst volljährig geworden, legte sich nach 101 Minuten den Ball zurecht und schlenzte ihn perfekt mit seinem linken Fuß zum 2:1 ins Tor. Ofori rettete die Düsseldorfer vor der ganz großen Blamage.

Hatte es in Villingen nicht leicht: Bernard Tekpetey. Foto: dpa/Patrick Seeger

Fortuna verwaltete das Ergebnis anschließend, was auch deshalb gut gelang, weil die Villinger das Spiel mit zehn Mann beenden mussten: Tobias Weißhaar sah zu Recht die Rote Karte nach einem Ellbogenschlag gegen Niko Gießelmann. So konnte Hennings das Ergebnis mit einem schönen Hackentor noch in die Höhe schrauben.

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