Fortuna Düsseldorf: 2:0-Sieg im Derby verschärft Krise beim 1. FC Köln

2:0 für die Düsseldorfer gegen Köln : Fortunas Derbysieg verschärft FC-Krise

Die Düsseldorfer gewinnen das erste Bundesliga-Rheinduell seit 22 Jahren verdient mit 2:0. In Köln dagegen brennt der Baum.

An den Texten aus den Fankurven war die Stimmungslage deutlich abzulesen. Während der Anhang der Düsseldorfer Fortuna ausgelassen feierte und den eigenen Verein vollmundig zur „Nummer eins am Rhein“ erhob, herrschte im Nordosten der Arena tiefste Tristesse. „Wir wollen euch kämpfen sehen“, hatten die Fans des 1. FC Köln bereits in der ersten Hälfte wütend gefordert, und gegen Ende skandierten sie sogar: „Wir haben die Schnauze voll.“ 2:0 gewann die Mannschaft von Trainer Friedhelm Funkel das erste Bundesliga-Rheinderby der beiden Traditionsklubs seit mehr als zwei Jahrzehnten, und das unterm Strich völlig verdient.

Die Rufe aus dem Gästeblock dokumentierten unzweifelhaft, dass sich die Krise beim Aufsteiger aus Köln weiter verschärft hat. Trainer Achim Beierlorzer wackelte ja bereits vor der Partie; spätestens seit dem Pokaldesaster beim Viertligisten Saarbrücken am Dienstag ist seine Position schwer angeschlagen. Und in dieser Situation die erste Derbypleite gegen die Fortuna seit März 1999 – keine Frage, in Köln brennt der Baum.

Die Fortunen hingegen bekamen das Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht. „Derbys gewinnt man über die Mentalität“, sagte Abwehrchef Kaan Ayhan, der mit einem gedankenschnellen Steilpass auf den überragenden Erik Thommy das entscheidende 2:0 vorbereitet hatte. „Wir haben diese Mentalität gezeigt und richtig kanalisiert.“ Danach hatte es in der Anfangsphase nicht unbedingt ausgesehen, denn da wirkten die Gäste zunächst galliger, gewannen einige Zweikämpfe mehr und schienen das Momentum auf ihre Seite bringen zu können.

Doch die Düsseldorfer legten den Schalter noch vor der Pause um. Mitte des ersten Durchgangs waren sie, angestachelt von den sehr engagierten Jean Zimmer, Matthias Zimmermann und Thommy, plötzlich mittendrin im Geschehen. Der Führungstreffer durch einen von Rouwen Hennings verwandelten Foulelfmeter war deshalb nicht unverdient. „Danach haben wir es aber eine Zeitlang nicht gut gemacht“, kritisierte Trainer Friedhelm Funkel. „Wir haben die Ordnung verloren und nicht verhindert, dass der FC Druck aufbaute.“

Das blieb jedoch eine Momentaufnahme. Zwar kamen die Kölner noch einmal mit frischem Mut aus der Kabine, doch mit Thommys 2:0 war die Messe gelesen. „Danach wusste ich, dass wir das Ding gewinnen“, befand Funkel, während sein Kölner Gegenüber sich mächtig ärgerte: „Wir kassieren den zweiten Treffer nach einer eigenen Ecke, das ist alles andere als seriös verteidigt. Das ist enttäuschend, auch für unsere Fans.“

Die machten ihrem Frust dann verbal auch mächtig Luft. Doch entgegen vieler Befürchtungen im Vorfeld kam es in der Arena nicht zu Ausschreitungen. Einige Bengalos auf beiden Seiten waren zu verkraften – da hatten ein paar kleinere Scharmützel im Vorfeld, wie das Ablegen von Ziegenköpfen im Kölner Stadion, Schlimmeres befürchten lassen. „So weit wir das beurteilen können, ist im Stadion alles friedlich geblieben, so wie wir uns das gewünscht haben“, betonte Funkel, der sportlich ohnehin hochzufrieden war: „Das waren ganz wichtige Punkte für uns.“ Der 65-Jährige selbst trug mit einigen richtigen taktischen Entscheidungen dazu bei: So war von den Kölnern überhaupt nichts mehr zu sehen, nachdem Funkel in Folge der Einwechslung des FC-Stürmers Jhon Cordoba auf eine Dreierkette umstellte.

Und Beierlorzer? Sein Team blieb den Nachweis schuldig, bis zum Letzten um den Erfolg gekämpft zu haben. Nach seiner Zukunft gefragt, sagte der FC-Coach: „Wer in der Bundesliga Trainer ist, der kennt die Mechanismen. Aber aktuell mache ich mir keine Sorgen um meinen Job. Wenn ich auf die letzte Saison schaue, dann ist Fortuna vielleicht sogar ein Vorbild für uns.“ In der großen Düsseldorfer Herbstkrise bewahrten jedoch alle die Ruhe, was Funkel nach dem Sonntagsderby nochmals betonte. Ob das in Köln auch gelingt, ist sehr zweifelhaft.

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