Fortuna Düsseldorf: 1:4 gegen den FC Bayern München

1:4 gegen den deutschen Meister : Fortunas Fans feiern trotz Niederlage gegen Bayern München

Der FC Bayern München ging die Aufgabe bei Fortuna Düsseldorf hochkonzentriert an. Und wenn der Meister einen Job ernst nimmt, ist er in Deutschland kaum zu schlagen – was er mit seinem souveränen 4:1-Sieg bewies.

Seit der 0:1-Niederlage des VfB Stuttgart gegen Leverkusen am Samstagnachmittag war klar, dass Fortuna Düsseldorf ihr großes Saisonziel Klassenerhalt bereits sechs Spiele vor Saisonende erreicht hatte. Das tags darauf folgende Gastspiel des FC Bayern München in der ausverkauften Arena hätte somit ein ungetrübter Festtag werden können – wenn sich der Aufsteiger die Stimmung nicht selbst durch das Kommunikations-Desaster um die Entlassung des Vorstandsvorsitzenden Robert Schäfer getrübt hätte. Die Fortuna-Fans unter den 53.400 Zuschauern ließen sich die gute Laune jedoch weder davon noch von der erwartungsgemäßen 1:4-Niederlage gegen den Meister vermiesen. Sie feierten ihr Team nahezu ununterbrochen mit Sprechchören wie „Nie mehr Zweite Liga!“

Bitter war allerdings für die Münchner, dass kurz nach der Pause Nationaltorhüter Manuel Neuer ausscheiden musste. Der Keeper hatte sich offenbar ohne Einwirkung eines Gegenspielers verletzt und machte für Sven Ulreich Platz.

Funkel bewies mit seiner Aufstellung wieder einmal, welch kreative Ideen aus ihm heraussprudeln. Da kurzfristig auch Markus Suttner verletzungsbedingt passen musste, hatte der Coach keinen gelernten Linksverteidiger mehr zur Verfügung: Diego Contento fehlt wegen der Folgen seines Kreuzbandrisses bereits seit Monaten, und Niko Gießelmann hatte sich beim 2:1-Sieg in Berlin einen Muskelfaserriss in der Wade zugezogen. Funkels Kniff bestand darin, Abwehrchef Kaan Ayhan auf die linke Seite der Vierer-Abwehrkette zu beordern. Der 24-Jährige hatte diesen Posten wenigstens schon einmal aushilfsweise in der türkischen Nationalmannschaft bekleidet – und das war schon die beste Qualifikation aller verbliebenen Fortuna-Profis.

In der Offensive setzte Funkel das um, was er mehrfach angedeutet und was doch kaum jemand für bare Münze genommen hatte. Der 65-Jährige verzichtete auf Dodi Lukebakio, obwohl der Belgier beim 3:3 im Hinspiel noch alle drei Treffer erzielt hatte. Der 21-Jährige nahm als Joker auf der Bank Platz, während im Angriff Benito Raman, Rouwen Hennings und Dawid Kownacki versuchen sollten, über Konter zum Erfolg zu kommen.

Früh zeigte sich allerdings, dass das ein ganz schwieriges Unterfangen würde. Der deutsche Meister spielte mit viel Zug energisch nach vorne, und bereits nach fünf Minuten hätte es im Kasten von Michael Rensing klingeln können. Serge Gnabry setzte sich auf der rechten Seite mit einem schnellen Antritt durch, passte in die Mitte – und musste dann beobachten, wie sein Kollege Kingsley Coman den Ball an den linken Pfosten setzte.

Einen zweiten Warnschuss gönnten die Bayern ihrem Gegner nicht. Als es das zweite Mal derart entschlossen nach vorn ging, schlug der Meister auch gleich zu. Coman flankte nach einer Viertelstunde in die Mitte, Thomas Müller irritierte die gesamte Düsseldorfer Abwehr, und der Ball segelte ohne weitere Berührung unerreichbar für Rensing zum 0:1 in die lange Ecke.

Fortuna zeigte sich zunächst unbeeindruckt, verschafte sich mit Marcel Sobottka und vor allem dem erneut starken Kevin Stöger immer mehr Ballkontrolle. Ein Resultat davon war die einzige gute Chance der ersten Hälfte, als Kownackis Schuss gerade noch über die Latte abgefälscht wurde. Weniger gut sah der polnische Nationalstürmer dann aber fünf Minuten vor der Pause aus. Der 23-Jährige ging nicht entschlossen mit, als Bayerns Rechtsverteidiger Joshua Kimmich bis zur Grundlinie sprintete, und die Hereingabe des Nationalspielers setzte wiederum Coman unhaltbar in den linken oberen Winkel.

Auch nach dem Wechsel bewiesen die Bayern, wie ernst sie ihren Gegner nahmen, wohl auch wegen der Sensation im Hinspiel. Entsprechend konzentriert gingen sie zu Werke, und wenn der FCB dies tut, ist er in Deutschland praktisch nicht zu schlagen. Diese Erfahrung machte der Tabellenzweite Borussia Dortmund beim 0:5 am vergangenen Samstag, diese Erfahrung musste nun auch die Fortuna machen. Gnabry erhöhte in der 55. Minute nach einem von Müller per Kopf verlängerten Thiago-Eckball auf 0.3, und spätestens damit waren alle Messen gelesen.

Fortuna bemühte sich zwar weiter um eine Resultatsverbesserung, doch angesichts des klaren Rückstands fehlte ihr die letzte Leidenschaft der vergangenen Wochen und somit auch das große Aufbäumen, was allerdings mit einiger Wahrscheinlichkeit auch mit einer noch klareren Niederlage geendet hätte. Die Fans zeigten Verständnis und sagen voller Inbrunst: „Wir sind die Fortuna, wir sind wieder da!“ Und schließlich behielten die Düsseldorfer ja ihren bemerkenswerten Rekord: Sie bleiben das einzige aktuelle Bundesligateam, gegen das Robert Lewandowski noch nie einen Treffer erzielte. Und den Ehrentreffer gab es sogar auch noch, als Lukebakio in der 89. Minute einen per Videobeweis verhängten Handelfmeter verwandelte, ehe Leon Goretzka zum 1:4 nachlegte. Mehr war an diesem Tag wirklich nicht drin.

Statistik:

Düsseldorf: Rensing - Matthias Zimmermann, Andre Hoffmann, Kaminski, Ayhan - Sobottka (67. Morales) - Stöger, Barkok - Raman, Kownacki (80. Usami) - Hennings (68. Lukebakio). - Trainer: Funkel

München: Neuer (53. Ulreich) - Kimmich, Süle, Hummels, Alaba - Martinez, Thiago - Gnabry (80. James), Coman - Thomas Müller (70. Goretzka), Lewandowski. - Trainer: Kovac

Schiedsrichter: Felix Zwayer (Berlin)

Tore: 0:1 Coman (15.), 0:2 Coman (41.), 0:3 Gnabry (55.), 1:3 Lukebakio (89., Handelfmeter nach Videobeweis), 1:4 Goretzka (90.+2)

Zuschauer: 53.400 (ausverkauft)

Beste Spieler: Rensing - Coman, Gnabry

Gelbe Karte: Ayhan (8) -

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