Fortuna: Es gibt wieder Fortuna-Brötchen

Fortuna: Es gibt wieder Fortuna-Brötchen

"Mama, darf ich eins haben?" Sabrina reißt sich von der Hand ihrer Mutter los und stürmt aufgeregt in die Bäckerei. "Ein Fortuna-Brötchen, bitte" , ruft die Siebenjährige der Verkäuferin hinter der Theke entgegen. Mit Schokoladen-verschmiertem Gesicht zupft Sabrina wenig später ihre Mutter am Ärmel und fragt: "Darf ich noch eins haben?"

Eine ganze Stadt steht Kopf, ist vom Fußballfieber befallen. Am Samstag könnte Fortuna Düsseldorf nach bitteren Jahren der Abstinenz endlich wieder in den erlauchten Kreis der 36 Profi-Fußballvereine aufgenommen werden. Ein Sieg gegen die Zweitvertretung des SV Werder Bremen reicht aus, um der Drittklassigkeit zu entspringen. Das brachte Frank Bachhausen, Chef der Düsseldorfer Stadtbäckerei und leidenschaftlicher Fortuna-Anhänger, auf eine geniale Idee. Er backt das Fortuna-Brötchen.

Damit lässt Bachhausen eine alte Düsseldorfer Tradition wieder auferstehen. "Als ich ein kleiner Junge war, habe ich mir auf dem Schulweg immer ein Fortuna-Brötchen gekauft. Das gehörte damals einfach dazu", erinnert sich der "Stadtbäcker". Um das Fortuna-Brötchen, ein "eigentlich" normales Brötchen mit einem Mohrenkopf, ranken sich viele Legenden. So sagen manche, dass das Fortuna-Brötchen 1933 "geboren" wurde, als Fortuna Düsseldorf völlig unerwartet die Deutsche Meisterschaft gewann. Der Sieg im Endspiel gegen Schalke 04 soll selbst für die Club-Verantwortlichen so überraschend gewesen sein, dass sie im Vorfeld keine Meisterfeier für ihre Spieler eingeplant hatten. Und weil man selbst den Aufschnitt für die Brötchen vergessen hatte, legte man eben Mohrenköpfe in die Brötchen, ­denn die seien der Legende nach ausreichend vorhanden gewesen.

Andere hingegen taxieren die Geburtsstunde des Fortuna-Brötchens in das Jahr 1967, als Fortuna in die Bundesliga aufstieg. In einem Büdchen am Lichtplätzchen soll es in dem Jahr das erste Mal verkauft worden sein. Ob eine der beiden Geschichten stimmt, ist allerdings nicht überliefert. Wie dem auch sei: Frank Bachhausen ist es jedenfalls zu verdanken, dass der Mythos "Fortuna-Brötchen" weiter lebt. Und vielleicht wird man ja auch eines Tages behaupten, dass das Fortuna-Brötchen 2009 erstmals aus einem Ofen der Stadtbäckerei geschoben wurde - im Jahr des Aufstiegs in die Zweite Liga.