Entlassung von Robert Schäfer: Krisengipfel bei Fortuna Düsseldorf am Feiertag

Schäfer-Aus : Krisengipfel statt Feiertag bei Fortuna

Die bevorstehende Trennung von Vorstandschef Robert Schäfer hat bei Bundesligist Fortuna Düsseldorf für reichlich Irritationen gesorgt. Ausgerechnet an dem Tag, an dem die Anhängerschaft den Klassenerhalt am 29. Spieltag feierte.

Fortuna Düsseldorf ist die Überraschungsmannschaft der Saison. Mit den finanziell geringsten Mitteln das Maximale herausgeholt – der Klassenerhalt war nach dem Leverkusener Sieg bei Konkurrent Stuttgart schon am 29. Spieltag  sicher. Es ist also vieles richtig gemacht worden beim Bundesliga-Aufsteiger. Tatsächlich musste erst ziemlich viel schieflaufen, bis es soweit kommen konnte. Sehr wahrscheinlich jedenfalls sind die verhängnisvollen Tage im Trainingslager von Marbella dafür mindestens mitverantwortlich, dass sich eine so verschworene Einheit um Trainer Friedhelm Funkel gebildet hat. Fortuna ist sportlich danach noch viel mehr zu einer Gemeinschaft geworden, in der man sich vertraut und bereit ist, für den Nebenmann zu ackern.

Hinter den Kulissen war damit allerdings der Anfang vom Ende eingeläutet – zwischen Vorstandsvorsitzenden und Aufsichtsrat war nach dem Kommunikationsdesaster die Vertrauensbasis nachhaltig gestört. Am Ende war der Zwist so tief, dass man selbst öffentlich nicht davor zurückscheute, sich anzuzicken. Es geht um Eifersüchteleien, um fehlendes Vertrauen, um fachliche Defizite. Vorstandsvorsitzender gegen Aufsichtsrat. Macht. Aufmerksamkeit. Expertise. Am Samstag erfuhr unsere Redaktion schließlich, dass Schäfer keine Zukunft mehr bei Fortuna haben wird. Bereits vor etwa eineinhalb Wochen hat es ein Gespräch zwischen Schäfer und Reinhold Ernst, dem Vorsitzenden des Kontrollgremiums, gegeben. Darin hat Schäfer mitgeteilt bekommen, dass mit ihm nicht weiter geplant wird – mit 8:1-Stimmen fiel das Votum deutlich gegen ihn aus. Am Sonntag bestätigte Ernst schließlich die Meldung: „Seit längerem überlegen wir, wie wir uns für die Zukunft neu aufstellen. Richtig ist, dass wir Robert Schäfer dies mitgeteilt haben. Wir befinden uns schon länger in Gesprächen mit Robert Schäfer über eine einvernehmliche Trennung.“ Und auch Schäfer meldete sich zu Wort.„Zur Sache kann ich nichts sagen. Darum kümmert sich mein Anwalt“, sagte er im Gespräch mit unserer Redaktion. „Aber ich bin natürlich schon enttäuscht, weil ich diesen Tag mit dem Erreichen des Klassenerhalts und dem Spiel gegen den FC Bayern gerne unbeschwert genossen hätte.“ Ob es sein letztes Heimspiel gewesen ist, darüber wollte er keine Auskunft geben: „Ich habe einen bis zum 30. Juni 2021 gültigen Vertrag.“ Jetzt geht es nur noch um die Höhe der Abfindung. Angeblich pocht Schäfer auf die Auszahlung von mehr als einer Million Euro.

Marbella ist nicht der alleinige Grund für das Scheitern von Schäfer bei Fortuna Düsseldorf. Schäfer und Friedhelm Funkel haben sich längst wieder zusammengerauft. Ausgerechnet Funkel positionierte sich deutlich – und brach eine Lanze für Schäfer. Funkel erkannte an, dass Schäfer bemüht war, seinen Fehler wieder gutzumachen: „Es sind Dinge passiert, die waren mehr als unnötig. Aber das Verhältnis zwischen mir und Robert hat sich in den vergangenen Wochen absolut normalisiert. Wir haben uns wieder angenähert und eine Basis gefunden.“ Bereits vor der Saison soll Schäfer versucht haben, Funkel loszuwerden.

Das Vorgehen von Schäfer in der Causa Funkel hat schonungslos aufgedeckt, was einem der hierzulande größten Talente im Funktionärsbereich noch zu einem Großen fehlt: Empathie. Das Gespür für den Moment, einschätzen zu können, wie man eine im Prinzip nachvollziehbare Entscheidung taktisch am klügsten umsetzt. Schäfer hat sich mit dem Falschen angelegt. Der gewiefte Funkel konnte ihn ganz lässig an sich abtropfen lassen, weil er sich des Rückhalts in weiten Teilen der Anhängerschaft sicher sein konnte. Im Fußball geht es um so viel mehr, als Recht zu haben. Schäfer hat erst viel zu spät realisiert, dass er mit seiner schneidigen Art das eigentliche Problem ist. Er hat viel Kluges, viel Wegweisendes für Fortuna in Angriff genommen. Er hat professionelle Strukturen geschaffen. Alte Bremser zur Seite geschoben. Er hat den Verein neu ausgerichtet, moderner gemacht, er hat viel bewegt. Er hat es allerdings versäumt, wichtige Personen im unmittelbaren Umfeld von Fortuna mitzunehmen. In Teilen der Belegschaft war die Stimmung angespannt. Schäfer war der Mann, der vieles für sich reklamierte. Das weckte Missmut. Und die Nickeligkeiten wurden intensiver. Mal ging es um einen engen Berater Schäfers, der für Fortuna Aufgaben übernahm, die nicht jedem im Kontrollgremium gefielen. Mal soll es Probleme bei der Einladung zur Mitgliederversammlung gegeben haben. Und man stritt um die Gehaltsforderungen Schäfers, der angeblich mehr als eine Million Euro haben, dem Fortuna nur 600.000 Euro Jahressalär zahlen wollte. Man einigte sich irgendwo in der Mitte und verlängerte den Vertrag. Die Fortuna hatte auf dem Platz ja durchaus Erfolg.

Schäfer wird auch nach wie vor eine große Wertschätzung entgegengebracht – aus dem Aufsichtsrat sind erstaunlich viele lobende Worte zu hören. Natürlich geschieht das mit Kalkül: Niemand kann Interesse an einem (öffentlich ausgetragenen) Rosenkrieg haben. Man wird kaum argumentieren können, dass erst hernach schwerwiegende Defizite beim Vorstandsvorsitzenden erkannt wurden. Dementsprechend, so heißt es aus dem Vereinsgremium, sei man auch bemüht, die Nummer möglichst geräuschlos zu beenden. Schäfer wird auch nicht Lust auf Schmutzeleien haben, weil es um seine Reputation für künftige Aufgaben in einem Verband oder Verein geht. Nun sollen sich Anwälte um die Details kümmern.

Nach den Vorkommnissen in Marbella war klar, dass es ein „Weiter so“ nicht geben durfte. Erstaunlich ist maximal der Zeitpunkt und die Art und Weise der Kommunikation. Hätte man nicht schon deutlich früher eingreifen müssen? Die Mitarbeiter auf der Geschäftsstelle wussten von nichts, selbst Lutz Pfannenstiel und Erich Rutemöller, als Sportvorstände die zentralen Figuren im Verein, wurde vom Aufsichtsrat erst am Spieltag informiert. Aber auch das lässt sich leicht erklären. Der Kommunikationschef des Vereins läuft auf dem Ticket von Schäfer. Der Aufsichtsrat hat ihm ganz offensichtlich ebenfalls das Vertrauen entzogen.

 Und nun? Thomas Röttgermann steht in den Startlöchern. Angeblich, so ist zu hören, hat man sich mit dem Manager nicht zum ersten Mal bei Fortuna beschäftigt. Einen Beschluss des Aufsichtsrats gibt es aber noch nicht.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Robert Schäfer

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