Fortuna Düsseldorf: Düsseldorf und Köln im Taktikvergleich

Fortuna Düsseldorf : Düsseldorf und Köln im Taktikvergleich

Im Zweitliga-Derby am Sonntag stellt die Angriffswucht des FC die neue Stabilität Fortunas auf den Prüfstand.

Natürlich stehen die Emotionen im Mittelpunkt, wenn sich am Sonntag (13.30 Uhr) in der Esprit-Arena die Zweitligisten Fortuna Düsseldorf und 1. FC Köln zum rheinischen Derby treffen. Es ist aber auch der reizvolle Vergleich der taktischen Systeme — das stabile, aber auch recht starre des Fortuna-Interimstrainers Oliver Reck gegen das variantenreiche des Kölners Peter Stöger.

Die taktischen Stärken der Düsseldorfer: Seit Oliver Reck das Ruder übernommen hat, hat Fortuna deutlich an Stabilität gewonnen. Das liegt zum einen an der Rückkehr des griechischen National-Innenverteidigers Stelios Malezas, der bei Recks Vorgänger Mike Büskens keine Rolle mehr gespielt hatte, zum anderen an der defensiveren Ausrichtung der Außenverteidiger. Rechts hat Tobias Levels ohnehin seine Stärken eher in der Abwehrarbeit, links zeigt allein schon die Nominierung des zweikampfstarken Hünen Dustin Bomheuer, dass es Reck eher um Absicherung geht.

Ansonsten pflegt Fortuna einen Mittelweg aus einem 4-2-3-1- und einem 4-2-2-2-System. Die Sechser Oliver Fink und Ivan Paurevic — dessen Part auch von Christian Gartner übernommen werden könnte — agieren deutlich hinter den Außen Tugrul Erat und Ben Halloran. Die zentrale Figur bei den Düsseldorfern ist indes Charlie Benschop, nominell zweiter Stürmer neben Erwin Hoffer, mitunter aber eher lauf- und schussstarker Mittelfeldlenker.

Der größte Fortschritt unter Reck ist, dass die Mannschaft zuletzt eine Hierarchie aufwies, die zuvor fehlte. Torhüter Fabian Giefer, Malezas, Fink und Benschop haben die Leitwolf-Rolle angenommen.

Die Schwächen der Düsseldorfer: Die defensive Haltung der Außenverteidiger Levels und Bomheuer stärkt die Abwehr, allerdings auf Kosten von Angriffsvarianten. Erat und Halloran (beide 21 Jahre alt) sind auf den Flügeln oft auf sich allein gestellt, zudem fehlt beiden bei allem Talent die Erfahrung. In der Viererkette ist Martin Latka weit von der Leistung entfernt, die man aufgrund seiner internationalen Routine erwarten müsste.

Das Offensivspiel ist in hohem Maße von Benschop abhängig, der in seiner neuen Rolle die großen Löcher zuläuft, die zwischen den recht tief stehenden Mittelfeldspielern und dem Sturm klaffen. Gelingt es, den Niederländer auszuschalten, liegt Fortunas Spiel brach. Zudem ist der Aufwind bei Erwin Hoffer mit zwei wichtigen Treffern in zwei Partien noch sehr frisch. Zuvor galt der Österreicher schon als Fehleinkauf — noch ist fraglich, ob der Knoten geplatzt ist oder ob Hoffer nur ein Strohfeuer abbrannte.

Die taktischen Stärken der Kölner: Trainer Peter Stöger hat mit seiner Mannschaft zwei Systeme eingeübt, die er je nach Gegner und Befindlichkeit der eigenen Profis zum Einsatz bringt: Ein 4-2-3-1 mit Patrick Helmes oder Anthony Ujah als einziger Spitze und drei offensiven Mittelfeldspielern dahinter und ein 4-4-2 mit Helmes und Ujah. Die Zentrale bilden in beiden Fällen die defensiven Mittelfeldspieler Yannick Gerhardt und Matthias Lehmann. Die beiden sind mit dem österreichischen Innenverteidiger Kevin Wimmer die Aufsteiger der Saison. Gerhardt hat sich trotz seiner erst 19 Jahre einen Stammplatz erkämpft. Lehmann war vergangene Saison unter Trainer Holger Stanislawski ein Schatten seiner selbst, zeigt nun aber wieder Leaderqualitäten.

Beim FC stimmt die Balance. Von den Namen her ist die Mannschaft von Peter Stöger in der Offensive stärker besetzt als in der Defensive. Die Bedeutung der Abwehrarbeit haben aber alle Profis verinnerlicht, die Abläufe sind gut abgestimmt. Folge davon: In 18 Punktspielen kassierte der Tabellenführer erst acht Gegentreffer.

Die Schwächen der Kölner: Die Harmonie zwischen Helmes und Ujah lässt manchmal zu wünschen übrig. Die beiden Stürmer verstehen sich noch nicht blind. Gegen defensiv orientierte Mannschaften, die von hoher Disziplin geprägt sind, tun sich die Kölner mitunter schwer: beim 0:0 gegen Friedhelm Funkels Münchner Löwen etwa oder beim 0:1 gegen Ingolstadt. Auch durch Härte lässt sich der FC zeitweise den Schneid abkaufen (etwa beim 1:0-Sieg bei Arminia Bielefeld).

(RP)
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