Fortuna: Die Bayern der 2. Liga kommen

Fortuna: Die Bayern der 2. Liga kommen

Als sich Fortuna und Hertha BSC zum bislang letzten Mal gegenüberstanden, hieß Düsseldorfs Trainer Aleks Ristic, der Keeper Georg Koch. Marcel Gaus, Marco Königs und Maximilian Beister aus dem aktuellen Düsseldorfer Kader gingen zu jener Zeit noch in den Kindergarten. Das Spiel endete 1:1. Düsseldorfs Treffer erzielte Frank Mill.

An jenem 17. März 1995 kamen nur knapp 5500 Zuschauer, obwohl die Fortuna zu den Spitzenteams der 2. Liga zählte und am Ende der Saison 1994/95 als Dritter in die Bundesliga aufstieg. Hertha landete als Tabellenelfter in der unteren Tabellenhälfte.

Heute sind die Vorzeichen umgekehrt: Mehr als 30.000 Fans werden erwartet. Dabei wird diesmal die Hertha ganz oben und die Fortuna eher im Mittelfeld der Tabelle erwartet. Die Berliner gelten als Aufstiegsfavorit, Fortuna wird im zweiten Jahr nach dem Aufstieg eine schwierige Spielzeit vorausgesagt.

Hertha peilt nach dem Betriebsunfall Abstieg den sofortigen Wiederaufstieg an. Seit 1997 hatte sie ununterbrochen dem Fußball-Oberhaus angehört. Die Favoritenrolle in der Zweiten Liga nehmen die Berliner mit breiter Brust an. Hertha hat den größten Etat (33 Millionen Euro), den üppigsten Personaletat (13,3 Millionen) und den erfahrensten Kader. Die Spieler haben zusammen 213 Länderspiele auf dem Buckel.

Babbel sorgt für Aufbruchstimmung

Hoffnungsträger ist Trainer Markus Babbel, der in der Hauptstadt für Aufbruchstimmung gesorgt hat. Er versprach den sofortigen Wiederaufstieg. Für die Berliner Fans ist es ein positives Zeichen, dass sich ein ehemaliger Europameister für den undankbaren Job beim Bundesliga-Absteiger entschieden hat. Babbel hat eine imponierende Vita als Spieler. Er wurde 1996 in England als Verteidiger mit der Nationalelf unter Berti Vogts Europameister, spielte für den FC Bayern, den Hamburger SV, den FC Liverpool, die Blackburn Rovers und den VfB Stuttgart.

Seine Laufbahn als Trainer ist nur kurz: In Stuttgart arbeitete er als Assistent von Cheftrainer Armin Veh. Als dessen Nachfolger führte er den VfB 2009 mit Offensivfußball auf Platz drei der Bundesliga und in die Champions League. Da er aber noch kein Trainer-Diplom besaß, musste er in der abgelaufenen Spielzeit zeitgleich noch einmal die Sportuni Köln besuchen. Das ging schief. Babbel wurde entlassen. Im Frühjahr bewarb er sich öffentlich um den vakanten Trainerposten bei Hertha und bekam den Zuschlag.

Probleme mit Babbels 4-2-3-1-System

Der Start in die Zweite Liga ist den Berlinern mit dem 3:2 gegen Rot-Weiß Oberhausen geglückt. Für die Hertha war es der erste Heimsieg seit mehr als einem Jahr. Deutlich wurden aber auch Schwächen im Team: Es gibt immer noch Probleme mit Babbels 4-2-3-1-System. Und die Abwehrreihe mit den Zugängen Aerts, Mijatovic, Lell und Niemeyer wirkte unsicher. Stark agierte dagegen Oberhausen Doppel-Torschütze Marco Djuricin (17), der vor zwei Jahren von Rapid Wien gekommen war.

Der österreichische U19-Nationalspieler und Shooting-Star ist einer der Hoffnungsträger der Berliner Mannschaft. Er vertrat auf eindrucksvolle Art den an einer Gehirnerschütterung laborierenden Rob Friend (29), der in Babbels System der Stoßstürmer ist. Babbel hofft, ihn am Montag (20.15 Uhr im Live-Ticker)in Düsseldorf wieder einsetzen zu können.

Die Berliner sind als Titelfavorit die Gejagten. Sie gelten als der FC Bayern der 2. Liga. Erfolg werden sie nur haben, wenn sie erkennen, dass es im Unterhaus noch stärker auf das Kämpferische und Läuferische ankommt. Dass die Umstellung gelingt, dafür will André Mijatovic sorgen. Der 30-jährige Kroate, den Babbel als Nachfolger des nach Wolfsburg abgewanderten Friedrich zum Kapitän machte, ist der erfahrenste Zweitliga-Spieler im Kader. Er kennt die Klasse aus 91 Auftritten für Fürth und Bielefeld. Neben älteren Akteuren wie Mijatovic haben auch jüngere gehobene Qualität.

Preetz' Rückkehr in seine Heimat

Für Hertha-Manager Michael Preetz ist das Spiel in Düsseldorf am Montag ein ganz besonderes. Der 43-Jährige hat seine Wurzeln in Düsseldorf: Sein Opa wurde mit Fortuna 1933 Deutscher Meister, sein Vater führte viele Jahre die Geschicke des DSC 99 in Derendorf. Dort lernte Michael Preetz das Fußballspiel. Als 14-Jähriger wechselte er zur Fortuna. Als 19-Jähriger feierte er unter Trainer Dieter Brei sein Bundesliga-Debut. Preetz schoss für Fortuna in 91 Spielen 20 Tore. Für Hertha traf Preetz 93 Mal ins Schwarze und ist damit Bundesliga-Rekordtorjäger der Berliner.

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(jan)