DFB-Pokal 2019/20: Fortuna Düsseldorf kommt gegen Villingen mit blauem Auge davon

Analyse zum knappen Pokalsieg : Fortuna kommt mit blauem Auge davon

Die Düsseldorfer schrammen knapp an einer Blamage im DFB-Pokal vorbei. Gegen den Fünftligisten FC Villingen 08 ist die Verlängerung für eine Weiterkommen nötig. Das hat Gründe – und an denen muss das Team schnell arbeiten. Eine Analyse.

Am frühen Samstagabend schleichen die Fortunen im Schwarzwald mit ernsten Mienen in ihren Mannschaftsbus. Es gibt nichts, worauf sie nach ihrem ersten Pflichtspiel in der Saison 2019/2020 wirklich Stolz sein können. Auf der Videoleinwand im Hintergrund prangt das Ergebnis, was noch das Beste an diesem Tag ist: 3:1 für die Düsseldorfer. Dass der Bundesligist gegen den Fünftligisten FC Villingen 08 in der ersten Pokalrunde für dieses 3:1 aber die Verlängerung benötigt hatte, ist bedenklich. In der Geschichte des DFB-Pokals war bisher nur ein Bundesligist gegen einen Oberligisten ausgeschieden: Nürnberg im Jahr 2001 mit 1:2 beim SSV Ulm. Das immerhin vermied die Fortuna. Eine Aufarbeitung des Spiels.

Wie war der Spielverlauf? Fortuna hatte natürlich von Beginn an viel mehr Ballbesitz als der Gegner. Allein: Die Spieler wussten nicht so richtig, was sie denn damit anfangen sollten. Selten spielten sich die Gäste mal über Außen zur Grundlinie durch, selten fanden sie Lücken in der Villinger Abwehr. Statt in Ruhe das Spiel aufzubauen und mit Tempowechseln dann den vier Klassen tiefer spielenden Gegner in die Knie zu zwingen, versuchten es die Düsseldorfer besonders in der ersten Hälfte immer wieder mit Flanken aus dem Halbfeld, die meist völlig verunglückt in den Strafraum segelten. Villingen stand kompakt, hatte kein Problem die Lücken zu stopfen und konterte mehrmals gefährlich. Kaan Ayhan verursachte schließlich einen Elfmeter, den der Außenseiter zur Halbzeitführung nutzte.

Auch nach dem Seitenwechsel wurde das Spiel der Düsseldorfer nur geringfügig besser. Immerhin erzielte Nana Ampomah den Ausgleich, der die Fortunen in die Verlängerung brachte. Dort war es der 18-jährige Kelvin Ofori der endlich mal im richtigen Moment die Ruhe behielt und zum 2:1 traf. Rouwen Hennings wendete mit einem schönen Hackentor zum 3:1 endgültig die drohende Blamage ab.

Wie nahm der Klub diese Partie auf? Unterschiedlich. Am deutlichsten äußerte sich der Vorstandschef, der gar etwas schockiert wirkte, ob der ihm dargebotenen Leistung. „Da hat Vieles nicht gestimmt. Mir hat es von der Körpersprache, vom Tempo, von der Präzision nicht gefallen. Das, was uns in der vergangenen Saison ausgezeichnet hat, hat heute komplett gefehlt“, sagte Thomas Röttgermann. Trainer Friedhelm Funkel verpasste sich lieber einen Maulkorb: „Ich will gar nichts sagen, sonst rede ich mich in Rage.“ Lutz Pfannenstiel schaute schon nach vorne und sprach von einem „Wake-Up-Call“ für seine Spieler. Die Protagonisten selbst zeigten sich überwiegend selbstkritisch, wollten den schlechten Auftritt aber nicht überbewerten. „Wir haben es uns schwerer gemacht, als es nötig war“, sagte Torschütze Hennings. „Wir sind mit harter Arbeit am Ende davongekommen.“

Welche Gründe hat der Stolperstart? Es sind vor allem zwei Gründe, die völlig unterschiedlich bewertet werden müssen. Zum einen lag die spielerische Armut mit Sicherheit zu großen Teilen auch daran, dass sich die neue Mannschaft erst noch einspielen muss. In Zack Steffen, Lewis Baker, Nana Ampomah und Bernard Tekpetey standen vier Zugänge in der Startelf. Vor allem die drei Letztgenannten müssen sich noch besser ins Fortuna-Spiel einfügen. Die Laufwege stimmten noch nicht. Dieser Grund darf unter der Rubrik „normale Startschwierigkeiten“ abgehakt werden.

Zum anderen lag der blamable Auftritt aber auch an der „fehlenden Konzentration“, wie Vorstandschef Röttgermann treffend analysierte. Und in diesem Punkt muss die Fortuna sehr wachsam sein. Denn die Erfolge der vergangenen Saison waren vor allem darauf zurückzuführen, dass das Team in nahezu jedem Spiel zumindest versucht hat, an sein Leistungsmaximum zu kommen. Das war das Erfolgsrezept. Arroganz und Nachlässigkeit dürfen sich die Düsseldorfer nicht erlauben.

Was muss in dieser Woche passieren? Friedhelm Funkel würde sein Team wohl nur im äußersten Notfall öffentlich an den Pranger stellen. Deshalb schwieg er am Samstag lieber und nordete seine Mannschaft dann am Sonntagmorgen bei der Teamsitzung in Düsseldorf intern ein. Funkel sagte: „Wir sind schon eine Einheit, aber noch keine Einheit auf dem Platz.“ Genau daran gilt es zu arbeiten – mit höchster Konzentration. Die ersten Ergebnisse müssen am kommenden Samstag beim Bundesligastart bei Werder Bremen (15.30 Uhr) zu sehen sein. Denn eines steht fest: Die Hanseaten werden Fortuna bei einer Wiederholung nicht mit einem blauen Auge davon kommen lassen.

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