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Fortuna Düsseldorf: Das Experiment mit Tah funktioniert nicht

Fortuna Düsseldorf : Das Experiment mit Tah funktioniert nicht

Ohne Überraschung geht es offenbar nicht: Auch gegen Union Berlin änderte Fortuna Düsseldorfs Trainer Oliver Reck die Aufstellung. Dabei spielte Jonathan Tah im defensiven Mittelfeld, der gelernte "Sechser" Adam Bodzek in der Innenverteidigung. Das Resultat fiel nicht so aus, wie von Reck gewünscht.

Wenn es eine Sache gibt, für die Oliver Reck bei allen - auch noch möglichen — Erfolgen bei Fortuna Düsseldorf in Erinnerung bleiben wird, dann sind es seine Personalentscheidungen. Es vergeht fast kein Spieltag, an dem der Cheftrainer seine Startelf ändert, sowohl personell als auch taktisch. Bei all seinen Einsätzen als Düsseldorfer Trainer kommt er so auf 24 Startelfänderungen in 27 Einsätzen. Eine bemerkenswerte Zahl.

Diese Taktik birgt natürlich auch Gefahren. Wurden seine Entscheidungen vor allen Dingen zu Beginn der aktuellen Saison noch dank des Erfolges akzeptiert oder gar gelobt, war die Kritik spätestens nach dem Spiel gegen Braunschweig unüberhörbar. Seine beiden Top-Torjäger Charlison Benschop und Joel Pohjanpalo schmorten lange auf der Bank, das Spiel ging letztlich unglücklich, aber bezeichnenderweise verloren. Reck sagte danach fast trotzig: "Wir wollten den Braunschweigern keine Chance geben und im zweiten Durchgang selbst zustoßen. Wenn Charlie seine Chance nutzt, geht der Plan auf."

Wie dem auch sei: Reck bot beide Goalgetter im letzten Spiel des Jahres gegen Union Berlin auf, einen Kniff hatte er aber wieder einmal parat. Jonathan Tah, gelernter Innenverteidiger, wurde im defensiven Mittelfeld aufgeboten. Der dort erwartete Adam Bodzek, der unter anderem auch in der Bundesliga-Saison auf dieser Position spielte, lief dagegen in der Innenverteidung auf. Das Überraschungsmoment hatte der Coach damit wieder auf seiner Seite. Nach 90 Spielminuten war die Freude nach dem späten Siegtor zwar groß — Tah als "Sechser" jedoch alles andere als überzeugend.

Quote für Zweikämper Tah fast schon unterirdisch

In den ersten 45 Minuten konnte der Youngster einem fast leidtun. Er wirkte wie ein Fremdkörper im Fortuna-Spiel, konnte seine Stärken nicht ansatzweise ausspielen. "Ich habe viel Zeit gebraucht, um mich in der neuen Rolle zurecht zu finden", sagte Tah nach der Partie: "Erst in der zweiten Halbzeit lief es einigermaßen".

Für den überragenden Fortunen dieser Hinrunde bedeutet das in Zahlen: 25 Zweikämpfe führte er, 13 verlor er. Allein in der ersten Hälfte waren es sieben verlorene Zweikämpfe. Für den HSV-Ausleihspieler, der in dieser Spielzeit einen Durchschnitswert von fast 70 Prozent hat, grenzt das an eine Katastrophe. An seine Passquote von 78 Prozent kam er gegen Berlin auch nicht heran, sie war exakt zehn Prozent schlechter.

"In der zweiten Hälfte hervorragend gelöst"

Trainer Reck hatte zu Tahs Leistung eine wohl exklusive Meinung. "Jonathan Tah musste heute auf der ungewohnten Position im defensiven Mittelfeld spielen. Nach Anlaufschwierigkeiten hat er es in der zweiten Hälfte hervorragend gelöst", erklärte er auf der Pressekonferenz.

Die Fans sahen das anders. "Tah verloren auf der Sechs - und verschenkt", war nur eine von einigen Reaktionen während des Spiels in den sozialen Medien.

#Tah verloren auf der Sechs - und verschenkt @f95 #f95 #F95FCU

Selbst der Youngster selber gab nach der Partie zu, "dass meine Qualitäten woanders liegen — in der Innenverteidigung fühle ich mich deutlich wohler." Dass der 18-Jährige aber eine große Zukunft vor sich haben könnte, bewies jedoch sein abschließender Satz in der Mixed Zone: "Eine tolle Erfahrung war es aber in jedem Fall." Ganz Profi eben.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Fortuna - Union Berlin: Einzelkritik

(cfk)