Buch über Fortuna Düsseldorf: Ulli Münsterbergs „Fortunaplatz! Endstation!“

Ulli Münsterbergs neues Buch : Rückblick auf ein Leben mit Fortuna

Der Hildener Ulli Münsterberg hat ein sehr persönliches Buch geschrieben: „Fortunaplatz! Endstation!“ Doch so plakativ und endgültig, wie der Titel vermuten lässt, ist es gar nicht. Eher ist es liebevoll und kenntnisreich.

Wenn am Samstag um 15.30 Uhr Fortunas Bundesligaspiel gegen Borussia Mönchengladbach angepfiffen wird, wird Ulli Münsterberg nicht im Stadion sein. Höchstwahrscheinlich jedenfalls. Denn der 59-Jährige trägt zwar noch immer die Fortuna im Herzen, besucht aber seit dem 30. April 2017 keines ihrer Pflichtspiele mehr. Diese Info gibt Münsterberg den Lesern seines neuen Buches „Fortunaplatz! Endstation!“ bereits auf Seite sieben. Zu groß ist seine Enttäuschung darüber, was aus dem modernen Fußball geworden ist – Marketing-Auswüchse, Spieltags-Zersplitterung, fragwürdige Projekte von Brause-Milliardären.

Doch einer der Gründe, warum „Fortunaplatz! Endstation!“ so lesenswert ist, steckt in der fehlenden Konsequenz des Autors. Er mag diesen modernen Fußball nicht, er will ihn nicht – aber er wird nie so ganz, nie endgültig vom Fußball loskommen. Und das liegt nicht zuletzt auch an diesem merkwürdigen Verein Fortuna, der Münsterberg wie so viele andere Fans schon so oft maßlos verärgert hat und den man doch nicht einfach im Keller ablegen und vergessen kann wie Zeugnisse irgendeines beliebigen Hobbys.

Ulli Münsterberg, seit den seligen Zeiten des legendären Fortuna-Internetforums „Difo“ als „Der Hildener“ bekannt, weiß um seine Inkonsequenz. Und er versteckt sie auch gar nicht. „Ich bin hin- und hergerissen“, schreibt er im Abschlusskapitel. „Zwischen den alten Bundesligajahren, den Schwanengesangsspielen zwischen Niederrhein und dem Eifelvorgebirge und dem, was da kommen mag.“

Münsterberg hat sie alle gesehen, diese Schwanengesangsspiele. In Freialdenhoven, in Teveren. Gegen die Reservemannschaften von Borussia Mönchengladbach und dem MSV Duisburg. Und er verklärt diese Zeiten nicht, beschreibt schonungslos, wie Fortuna damals am Rande des Abgrunds entlangmarschierte und versuchte, das Erbe zweifelhafter Führungsmannschaften irgendwie abzustreifen.

Er hat auch bessere Zeiten gesehen, die Aufstiege in die Bundesliga, vor allem den 1971 unter Trainer Heinz Lucas, den Münsterberg verehrte. Stolz beschreibt er in seinem Buch, wie er die Trainerlegende im März 2002 persönlich kennenlernt. Lucas als Coach der Fortuna-Traditionsmannschaft, die das Vorspiel zum letzten Spiel im alten Rheinstadion vor dessen Abriss bestreitet, Münsterberg als Mitorganisator des Rahmenprogramms. Schade, dass er den Trainer mit „k“ statt mit „c“ schreibt – hier hätte man Münsterberg einen aufmerksamen Lektor gewünscht.

Buch Ulli Münsterberg Fortunaplatz! Endstation! Foto: Bernd Jolitz

Doch das bleibt eine Randnotiz. In einem Buch, das besonders stark wird, wenn Münsterberg über den Zaun blickt: zu den Reisen mit den „Fortuna Blues Ltd.“ nach Ipswich, nach Kaiserslautern, nach Schalke, zur Stadionkatastrophe von Hillsborough. Kenntnisreich schreibt er darüber, aber nie besserwisserisch. Liebevoll eben.

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