Dank Verler Sieg gegen Wattenscheid : Fortuna II feiert kuriosen Klassenerhalt

Nach dem 0:0 gegen den TV Herkenrath ist die Zweite Mannschaft der Fortuna zunächst aus der Regionalliga abgestiegen. Doch eine Nachricht veränderte die Stimmung schlagartig.

Für die erste Ladung Bier sorgt Jannick Theißen. Vier Becher. „Mehr gab es nicht“, sagt der 21-Jährige und marschiert mit einem breiten Grinsen in die Kabine. Die übrigen Regionalliga-Fußballer der Fortuna müssen freilich nicht verdursten. Sie werden von Torwarttrainer Dirk Zimmermann und Co-Trainer Heinrich Schmidtgal mit Nachschub versorgt. Fassbrause, Fanta und Kölsch. Dass die „Zwote“ ausgerechnet mit dem Ur-Getränk der „verbotenen Stadt“ auf den Klassenerhalt anstoßen muss, ist schlicht der Tatsache geschuldet, dass der Ausschank in der Belkaw-Arena in Bergisch Gladbach limitiert ist.

Im Endeffekt allerdings ein lässlicher Schönheitsfehler – die Stimmung war trotzdem prächtig. Das sah nur einige Minuten zuvor völlig anders aus. Die Flingerner hatten sich in einer niveauarmen Partie beim TV Herkenrath mit einem 0:0-Unentschieden abfinden müssen und waren auf Schützenhilfe angewiesen, um den Ligaverbleib einen Spieltag vor dem Saisonende einzutüten. Ein Remis des SV Straelen gegen Spitzenreiter Viktoria Köln hätte gereicht. Doch kurz vor Schluss ging der Aufsteiger plötzlich in Führung und gewann letztlich mit 2:0. Fortunas Kapitän Leander Goralski konnte es nicht fassen, schmetterte seine Wasserflasche gegen eine Betonwand und machte sich vom Acker.

Wenige Meter entfernt stand Coach Michaty mit seinem Trainerteam auf dem Rasen. Er war mitnichten so wütend wie sein Innenverteidiger. Der 45-Jährige wusste nämlich ganz genau: Sollte der SC Verl gegen die SG Wattenscheid gewinnen, würde das auch die Rettung bedeuten. Und als jene Partie ebenfalls beendet war, überbrachte Schmidtgal den zunächst konsternierten Anhängern der „Zwoten“ die frohe Kunde. „Wir sind durch“, jubilierte er.

Der Hintergrund ist ein Szenario, das vor der Partie wohl niemand auf dem Zettel hatte – außer Michaty. Weil die Wattenscheider am kommenden Wochenende auf Straelen treffen und sich gegenseitig die Punkte abspenstig machen, bleibt in jedem Fall eines der beiden Teams hinter den Flingernern, die so nicht mehr auf einen Abstiegsplatz rutschen können. „Sowas habe ich noch nie erlebt“, schnaubte Goralski ungläubig, nachdem sein Frust schlagartiger Freude gewichen war.

Ende gut, alles gut. Dabei hatte die Michaty-Elf zuvor beim Tabellenletzten eine katastrophale Leistung abgeliefert. Offensiv blieben die Bemühungen erneut Stückwerk, freilich auch deshalb, weil die Herkenrather in der eigenen Hälfte sehr kompakt standen und wenig Räume anboten. Die „Zwote“ hatte im Grunde nur zwei Torchancen, die Joshua Endres und Shinta Appelkamp ungenutzt ließen. „Am Ende war der Punkt aber Gold wert“, resümierte Trainer Michaty freudig. „Man hat gesehen, dass es purer Abstiegskampf war, wir haben nicht komplett frei aufgespielt und waren im letzten Drittel nicht gefährlich.“ Sein Glück schmälerte das nicht: „Wir freuen uns, dass wir den Klassenerhalt mit diesem Punkt aus eigener Kraft geschafft haben.“

Es war auf den letzten Metern der Spielzeit eine zähe Angelegenheit. Doch das Bier hatte sich nicht allein Jannick Theißen vollkommen verdient.

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