Fortuna II: Auswärtsspiel im Gefängnis

Fußball : Auswärtsspiel im Gefängnis

Fortunas U23 ist gegen Inhaftierte angetreten. Tim Wiesner feiert beim 3:0-Testspielsieg gegen Preußen Münster sein Comeback.

Dieses Spiel würde mitnichten so sein wie jedes andere. Zu jener Erkenntnis gelangten Fortunas Regionalliga-Fußballer spätestens in dem Moment, als die große Gefängnistür hinter ihnen ins Schloss fiel. Nun standen sie in der Justizvollzugsanstalt Düsseldorf, einer völlig fremden Welt. Die Schützlinge von Trainer Nico Michaty wurden kontrolliert, mussten ihre Handys und Personalausweise abgeben. Sie waren gekommen, um an einem besonderen Projekt teilzunehmen. In der vergangenen Woche traten die Flingerner insgesamt schon zum dritten Mal gegen eine Auswahl von Inhaftierten an.

Fortunas ehemaliger Pressesprecher Tom Koster und „Zwote“-Teammanager Michael Kuhn hatten die soziale Aktion vor etwa vier Jahren aus der Taufe gehoben. Seitdem ist es immer wieder eine spezielle Erfahrung – für alle Beteiligten. Coach Michaty war wie fast alle seiner Akteure zum ersten Mal dabei. „Ich habe so etwas noch nie gemacht und wusste nicht so richtig, was mich erwartet“, erzählt der 46-Jährige. „Am Ende war es eine richtig gute Sache. Super interessant und beeindruckend.“

Weil der gefängniseigene Kunstrasenplatz nicht die Größe eines handelsüblichen Fußballfeldes aufweist, bestanden die Teams lediglich aus jeweils zehn Akteuren. Das fiel jedoch kaum ins Gewicht, schließlich fand die Begegnung nicht unter einem sportlichen Hauptaugenmerk statt. Letztlich war sie erneut ein voller Erfolg. „Die Rückmeldungen“, berichtet Michaty, „waren alle positiv. Für die Inhaftierten war das ein besonderes Erlebnis, sie haben sich sehr darauf gefreut.“

In den Köpfen der Flingerner werden die Eindrücke des Tages noch eine Weile nachwirken. „Wir haben gesehen, dass es Menschen gibt, die es nicht so gut getroffen haben wie wir“, erzählt der Trainer. Selbst mit ein paar Tagen Abstand fällt es ihm merklich schwer, die besondere Atmosphäre der Partie zwischen den Gefängnismauern in Worte zu kleiden. „Man kann das gar nicht so genau beschreiben“, sagt Michaty. Dafür ist er sich in einem Punkt umso sicherer: „Es war für alle Beteiligten eine tolle Erfahrung.“

Den Termin hatten die Verantwortlichen bewusst gewählt, schließlich ruht für die „Zwote“ aktuell der Ball in der Regionalliga – schon seit der knappen 1:2-Niederlage in Oberhausen vor gut zwei Wochen. Erst am kommenden Samstag nimmt der alltägliche Betrieb mit der Partie gegen die Sportfreunde Lotte wieder an Fahrt auf.

Um nicht aus dem Rhythmus zu geraten, stand indes noch eine weitere Testpartie an, diesmal unter rein sportlichen Gesichtspunkten. Am Donnerstag empfingen die Flingerer den Drittligisten Preußen Münster im Arena-Sportpark und setzten sich unter Ausschluss der Öffentlichkeit mit 3:0 durch. Durchaus besonders war die Begegnung für Torhüter Tim Wiesner. Erstmals nach seiner fast zweijährigen Verletzungspause stand der Keeper wieder zwischen den Pfosten – eine Hälfte lang. Trainer Michaty war zufrieden: „Tim hat ein gutes Spiel gemacht, ohne Probleme. Ich hoffe, dass das weiterhin so bleibt.“

Außerdem stachen zwei neue Gesichter aus der Mannschaft heraus: Boris Tomiak und Umut Yildiz. Das Duo spielte zuletzt für die inzwischen vom Spielbetrieb abgemeldete SG Wattenscheid und trainiert seit etwa einer Woche bei der „Zwoten“ mit. „Die beiden halten sich bei uns fit, und natürlich gucken wir sie uns auch genauer an“, sagt Michaty. Ein Wechsel wäre aufgrund der Fristen frühestens im Winter möglich.

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