"Es gab Ressort-Überschreitungen" - Müller dementiert: Förster rechnet mit VfB-Vorstand ab

"Es gab Ressort-Überschreitungen" - Müller dementiert: Förster rechnet mit VfB-Vorstand ab

Stuttgart (sid). Karlheinz Förster hat zwei Tage nach seinem Rücktritt als Sportdirektor mit seinen ehemaligen Vorstandskollegen beim Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart abgerechnet. "Zum einen fehlten mir ausreichende Konsequenzen im finanziellen Bereich, zum anderen gab es Ressort-Überschreitungen und interne Spannungen", erklärte der 42-Jährige in der SWR-Sendung "Sport im Dritten" am Sonntagabend, nachdem er am Freitag für viele überraschend das Handtuch geworfen hatte.

Ex-Nationalspieler Förster klagte besonders über Differenzen in der Zusammenarbeit mit Marketing-Direktor Hansi Müller. Dieser habe sich häufiger in den sportlichen Bereich eingemischt. "Das Verhältnis zu Hansi Müller war nicht mehr so, wie es hätte sein sollen. Es muss geklärt werden, wer in sportlichen Dingen an die Öffentlichkeit treten darf", sagte Förster, der seinen einstigen Mitspieler über seinen Rücktritt nicht persönlich informiert hatte.

Müller will von einem Kompetenzgerangel mit Förster nichts wissen. "Es gab zwischen mir und Karlheinz weder ein Kompetenzgerangel, noch einen Machtkampf. Ich habe weder an seinem Stuhl gesägt, noch wollte ich ihm irgendetwas wegnehmen", sagte er im Kicker-Interview. Der ehemalige Mittelfeldstratege der "Roten" dementiert auch Gerüchte, er selbst sei scharf auf Försters Posten.

Als Nachfolger werden einige Kandidaten gehandelt. Neben Reinhold Zech, der dem VfB-Vorstand schon einmal angehörte, und dem Ex-Keeper des VfB, Helmut Roleder, werden auch die Namen der früheren VfB-Nationalspieler Karl Allgöwer, Jürgen Klinsmann und Guido Buchwald gehandelt. Präsident Manfred Haas hat ein Vorschlagsrecht. Der Aufsichtsrat, der die Vorstandsmitglieder bestellt, will noch in dieser Woche beraten. Der Posten soll mit rund einer halben Million Mark pro Jahr dotiert sein.

Offenbar war Müller aber alleine nicht ausschlaggebend für Försters Demission. Auch dessen Verhältnis zu Finanzchef Ulrich Ruf soll nicht das beste gewesen sein. Förster: "Es kann nicht sein, dass ich erst am 8. Januar erfahre, welchen finanziellen Spielraum ich bei Neuverpflichtungen von Spielern habe. Aus diesem Grund platzten einige Gespräche mit entsprechenden Kandidaten." Am selben Tag schloss gleichzeitig die Transferliste des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Zuvor war der 272-malige Bundesligaspieler des VfB davon ausgegangen, er könne lediglich Spieler auf Leihbasis verpflichten.

Klubchef Haas, Nachfolger des 25 Jahre amtierenden Gerhard Mayer-Vorfelder, widersprach indes der Darstellung des Ex-Sportdirektors, wonach dieser nicht genügend Entscheidungsfreiheit besessen habe. "Er hatte völlig uneingeschränkte Kompetenz im sportlichen Bereich", äußerte Haas, der allerdings zugeben musste, dass der finanzielle Spielraum für Förster eingeschränkt gewesen sei: "In der Vergangenheit ist es dem Verein nicht gut bekommen, wenn sportliche und finanzielle Dinge in einer Hand waren." Dies kann als deutlicher Seitenhieb in Richtung "MV" gedeutet werden, der den Traditionsklub mit einem Schuldenstand von 29,2 Millionen Mark an seinen Nachfolger übergeben hatte.

Der VfB-Aufsichtsratsvorsitzende Heinz Bandke versteht Försters Aufregung nicht. "Er wusste haarscharf, über wieviel Geld er verfügen kann", sagte er zu dessen Vorwürfen. Zudem sollten sich Meinungsverschiedenheiten zwischen vernünftigen Partnern bereinigen lassen. Bandke: "Da darf man nicht so mimosenhaft reagieren."

(RPO Archiv)
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