Schalke 04: Warum eine Trennung von Domenico Tedesco falsch wäre

Kommentar zum Bundesliga-Fehlstart: Schalke muss an Tedesco festhalten

Nach fünf Niederlagen zum Saisonstart steht der Trainer in Gelsenkirchen naturgemäß unter Druck. Doch das sollte der Verein aushalten, will er nicht in alte Muster zurückfallen. Ein Kommentar.

Schalke-Fans haben es zurzeit wahrlich nicht leicht. Das 0:1 in Freiburg am Dienstagabend war die fünfte Niederlage im fünften Saisonspiel. Auch zum Champions-League-Start blieb ein Dreier verwehrt. Das Schlimmste aber: Die in inniger Abneigung verbundenen Dortmunder Anhänger kübeln aktuell mit derselben Häme zurück, mit der die königsblaue Basis in der Vorsaison ausgeteilt hatten. Im Zentrum des Schalker Fehlstarts steht dabei unbestritten Trainer Domenico Tedesco. Und trotzdem wäre es der größte Fehler, ihn deswegen infrage zustellen.

Natürlich hat Tedesco in der Vorsaison mit der Vizemeisterschaft Erwartungen geweckt. Der 33-Jährige hat mit seiner ruhigen Art Erwartungen geweckt. Tedesco hat aber zuvorderst die Hoffnung geschürt, dass es auch in Gelsenkirchen möglich ist, als Trainer längerfristig zu arbeiten. Dass es auch auf Schalke möglich ist, Konzepte nicht nur auszudrucken, sondern auch die Zeit zu bekommen, sie in der Bundesliga-Wirklichkeit umzusetzen. Diese Hoffnung, ja, diese Überzeugung muss fünf Niederlagen vom Start weg aushalten. Sie muss auch sechs, sieben oder acht Niederlagen aushalten, wenn Schalke es ernst damit meint, aus den Fehlern vergangener Tage zu lernen und sich nicht vom Druck der Öffentlichkeit oder von persönlichen Emotionen in Personalfragen leiten zu lassen. Dass Tedesco seinen Vertrag im Sommer vorzeitig bis 2022 verlängern durfte, spricht zumindest dafür.

Wenn Sportvorstand Christian Heidel im Vorjahr von der Arbeit Tedescos so überzeugt war, dass er ihm in so jungen Jahren das Bundesliga-Schwergewicht Schalke 04 an die Hand gab, dann sollte er es auch jetzt tun, wo das Team vom Tabellenende grüßt. Tedescos Vorteil in Sachen Jobsicherheit könnte neben dem Vertrauen seiner Spieler dabei auch sein, dass viele in den Neuzugängen und ihrer noch mangelnden Durchschlagskraft einen maßgeblichen Grund für den Stotterstart sehen. Und die hat Heidel selbstverständlich maßgeblich mitzuverantworten.

Wenn Schalke es gelingt, die Überzeugung in Tedesco auch in zähen Tagen wie diesen zu leben, dann kann auch ein Saisonende auf Rang zehn ein echter Erfolg sein. Mit Blick auf die langfristige Zukunft eben. Und die wollen sie Schalke ja nun endlich mal angehen.

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