1. Sport
  2. Fußball
  3. FC Schalke 04

Schalke 04: Domenico Tedesco steht bei aller Beliebtheit unter Erfolgsdruck

Neue Trainergeneration : Laptop schützt vor Krise nicht

Schalkes Domenico Tedesco gehört zu einer neuen Generation von Trainern, die im deutschen Fußball viel durcheinandergewirbelt hat. Am Ende gelten auch für die Laptop-Trainer die gängigen Gesetze des Spiels.

Domenico Tedesco ist ein feiner Kerl. Das bestätigt jeder, der mit dem Trainer des FC Schalke 04 bislang zu tun hatte. Diese Erkenntnis ist deshalb von gesteigerter Bedeutung, da sie im königsblauen Universum bei einigen der vergangenen sportlichen Verantwortlichen nicht immer selbstverständlich gewesen ist. Schalke hat sich so sehr nach einem wie ihm gesehnt. Einer, der den Knappen ein nicht sonderlich modernes, aber erfolgreiches Spielsystem verordnet hat, der dabei aber nicht nur mit Fachausdrücken aus den Tiefen seines Laptops um sich wirft, sondern auch Malocher-Sprache kann. Fast schon wohlwollend wurde aufgenommen, als Tedesco es als „geil“ bezeichnete, an der aktuellen Situation des amtierenden deutschen Vize-Meisters zu wachsen.

Schalke steckt in einem kleinen Formtief, das böse Wort der Krise ist vielleicht nach drei Niederlagen zum Auftakt noch etwas verfrüht. Wenngleich es auch Tedesco nach der Niederlage in Mönchengladbach alles gar nicht mehr so „geil“ fand. Bislang ist der 33-Jährige ausschließlich bejubelt worden. Nun jubelt vor allem er. Nach dem verlorenen Spiel im Borussia-Park (1:2) marschierte er demonstrativ zu den Fans und applaudierte ihnen zu – das klare Signal: „Mund abputzen, weiter geht’s!“ Ein paar seiner Spieler waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht wieder so kämpferisch gestimmt und gingen mit gesenkten Köpfen vom Platz. Tedesco beschwört tapfer den Willen zum Umschwung und setzt auf die Ruhe in den eigenen Reihen. „Das ist eine spannende Situation, einige Spieler brauchen noch etwas Zeit, um anzukommen“, sagt er. „Wir reden nichts schön, wir verlieren aber auch nicht die Ruhe.“ Mit Ruhe ist das im Fußball-Geschäft so eine Sache – Schalke empfängt zunächst am Dienstag in der Champions League (20.45 Uhr) den FC Porto und dann in der Bundesliga am kommenden Samstag (18.30 Uhr) den FC Bayern München.

Tedesco gehört zu einer Trainergeneration, die vieles hierzulande durcheinandegewirbelt hat. Wenn man ihr Böses will, dann verweisen Traditionalisten gerne darauf, dass es ihnen an Erfahrung mangeln würde und sie sich zu sehr auf Daten aus dem Computer verlassen, denn auf den Geruch auf dem Trainingsplatz. Die Vize-Meisterschaft von Tedesco mit Schalke also reiner Zufall? Julian Nagelsmann, den es von der TSG Hoffenheim in der kommenden Saison zu RB Leipzig zieht, auch total überbewertet? Manuel Baum, mit bescheidenen Mitteln beim FC Augsburg tätig, vielleicht doch besser wieder in einem Lehrerzimmer aufgehoben? Sind sie mittlerweile entschlüsselt? Verweigern die Spieler auf dem Platz die Mitarbeit, weil sie taktisch, emotional und intellektuell überfordert werden? Die simple Auflösung: Auch die Herren Tedesco, Nagelsmann und Co. werden in diesem Geschäft am sportlichen Abschneiden gemessen. Hannes Wolf hat sich davon schon persönlich überzeugen können – er wurde als Aufstiegstrainer in der vergangenen Spielzeit beim VfB Stuttgart nach einer sportlichen Talfahrt entlassen.

„Die Tedescos, die Wolfs – sie sprießen aus dem Boden, und der deutsche Fußball wird sein blaues Wunder erleben“, orakelte unlängst Mehmet Scholl. Die neuen Trainer, fachsimpelte er in seiner Radiosendung beim Bayerischen Rundfunk, würden beim DFB „elf Monate Gehirnwäsche“ bekommen, „und sind nicht wirklich an den Menschen und Fußballern interessiert. Viel schlimmer: Diese ganzen Trainer gehen jetzt in den Nachwuchs, weil oben die Plätze begrenzt sind“. Und weiter: „Wir verlieren die Basis. Die Kinder müssen abspielen, sie dürfen sich nicht mehr im Dribbeln ausprobieren. Sie bekommen auch nicht mehr die richtigen Hinweise, warum ein Pass oder ein Dribbling nicht gelingt. Stattdessen können sie 18 Systeme rückwärts laufen und furzen.“ Was Scholl nicht erwähnt: Es ist dafür weniger eine Trainergeneration verantwortlich, als eine Gesellschaft, die lieber auf Sicherheit und nicht Risiko spielt. Ein Fehlpass zu viel, und das Stadion fängt an zu pfeifen.

Eine Herausforderung, der sich alle Trainer stellen müssen. Erfolgreichen und im Optimalfall auch schönen Fußball anbieten zu können. Ganz egal, wie alt sie sind. Jupp Heynckes war dafür ein sehr gutes Beispiel.