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Schalke 04: Armin Laschet bestätigt angebliche Landesbürgschaft nicht

„Keine Lex Schalke“ : Laschet will die „Volksseele“ beruhigen

Die Landesregierung hat laut Ministerpräsident Armin Laschet keine Entscheidung über eine Bürgschaft für den FC Schalke 04 getroffen. Er könne Berichte über öffentliche Hilfen für den finanziell angeschlagenen Bundesligisten in Höhe von 40 Millionen Euro nicht bestätigen.

Bei der dritten Nachfrage lehnte sich Armin Laschet genervt nach vorne. "Es wird garantiert keine Lex Schalke 04 geben", versicherte der NRW-Ministerpräsident am Dienstag in Düsseldorf mit fester Stimme. Jede Landesbürgschaft werde "nach strengen Kriterien geprüft".

Also, sofern es sie gibt, auch jene Ausfallbürgschaft für die chronisch knappen Knappen aus Gelsenkirchen. Mit bis zu 40 Millionen Euro soll das Land - und damit die Steuerzahler/innen - laut Handelsblatt für den Fall geradestehen, dass der mit fast 200 Millionen Euro verschuldete Bundesligist einen existenzsichernden Kredit nicht bedienen kann.

Laschet ließ diesen und die Folgeberichte von WAZ, kicker oder SZ mit Verweis auf die vorgeschriebene Vertraulichkeit unbestätigt. "Es gibt keine Entscheidung in irgendeiner Bürgschaftsfrage", ohnehin sei das Problem: "Ich dürfte noch nicht mal bestätigen, dass ein Antrag existiert."

Das NRW-Finanzministerium hatte auf SID-Anfrage ebenfalls erklärt, eine Auskunft sei nicht möglich. Sämtliche Verhandlungen oder Beratungen seien vertraulich. Schalke wollte sich nicht äußern, am Mittwoch soll die Finanzlage auf einer Pressekonferenz Thema sein.

Der Shitstorm allerdings begann am Montagabend und gewann am Dienstag an Intensität. In den Sozialen Medien herrschte Unverständnis, viele verwiesen auf den hochumstrittenen Clemens Tönnies, den Vorsitzenden des Aufsichtsrates. In Tönnies' Fleischfabrik hatte ein Corona-Ausbruch mit mehr als 1500 Fällen Empörung ausgelöst, die Schalker Ultras wollen den Patriarchen spätestens seit dessen rassistischen Aussagen im vergangenen August ohnehin loswerden. Tönnies hatte danach für drei Monate sein Amt niedergelegt.

Laschet trat allen Diskussionen mit Sachlichkeit entgegen. "Immer wieder wurde Vereinen, die auch Wirtschaftsunternehmen sind, Hilfen gegeben", sagte er, und zwar "von allen NRW-Regierungen seit 1995". Mit den Kumpeln werde er nicht kumpeln: "Ich werde darauf bestehen, dass es keine Sonderregelung gibt." Im Gegensatz zu früheren Schalke-Bürgschaften aber beispielsweise für den Arena-Bau geht es diesmal ums Fortbestehen eines Traditionsvereins, was für das Land ein höheres Risiko wäre.

Im April sprach Schalke-Vorstand Alexander Jobst von einer "potenziell existenzbedrohenden" Lage. 197,9 Millionen Euro Verbindlichkeiten stehen im Konzernabschluss 2019, 26,1 Millionen Euro Verlust schrieb Schalke 2018/19 - noch ohne Corona-Effekte. Borussia Dortmund bezifferte den Pandemie-Einschnitt auf 45 Millionen Euro, was die Größenordnung der S04-Bürgschaft erklären könnte. "Das ist nicht ehrenrührig, wohlwissend, dass die Volksseele anders empfindet", sagte BVB-Boss Hans-Joachim Watzke am Dienstag.

Jedes Heimspiel ohne Zuschauer kostet Schalke etwa zwei Millionen, hinzu kommen Mindereinnahmen in den Bereichen Werbung/Marketing. Auf dem eingebrochenen Transfermarkt werden kaum hohe Summen zu generieren sein. Kapitän und Kämpfer Daniel Caligiuri wechselt ablösefrei zum FC Augsburg.

Doch die Schalker steuern gegen. Laut SZ führt der Verein als erster Bundesliga-Klub eine Gehaltsobergrenze für Spieler von 2,5 Millionen Euro jährlich ein. Inwiefern dies im Zusammenhang mit der erwünschten Bürgschaft steht, ist unklar. NRW erwartet ein belastbares, glaubhaftes Konzept.

Allem Anschein nach geht es bei Schalke ums Ganze. Die Rekordserie von 16 Spielen ohne Sieg ist wohl derzeit das geringste Problem.

(eh/sid)