Neue Hoffnung im Abstiegskampf Schalke meldet sich mit „Gänsepelle“ und „ein, zwei Tränen“ zurück

Gelsenkirchen · Schalke 04 trifft wieder und meldet sich im Abstiegskampf zurück. Mit neuem Mut geht der Tabellenletzte in die Derbywochen gegen Bochum und Dortmund.

 Die Spieler des FC Schalke feiern ausgelassen.

Die Spieler des FC Schalke feiern ausgelassen.

Foto: dpa/Fabian Strauch

Andächtig standen die königsblauen Spieler vor der Nordkurve und lauschten den Fans, die inbrünstig den „Mythos vom Schalker Markt“ besangen. „Ich hatte extrem Gänsehaut“, gab Mittelfeldspieler Tom Krauß nach dem befreienden 2:1 (2:0)-Sieg gegen den VfB Stuttgart zu: „Ich hab' auch bei Ralle gesehen, dass da ein, zwei Tränen geflossen sind.“

Torhüter Ralf Fährmann, mit Unterbrechungen seit 2003 in Gelsenkirchen, ging die Hymne der Anhänger in der noch lange nach dem Abpfiff prall gefüllten Arena besonders nahe. „Ich glaube, jeder stand mit Gänsepelle auf der Tribüne“, sagte der 34-Jährige, der mit einem kapitalen Patzer das Spiel nach beruhigender 2:0-Führung wieder spannend gemacht hatte: „Wir haben das Herz auf dem Platz gelassen. Man sieht, wie die Fans das honorieren.“

An der lautesten und emotionalsten Feier seit dem Wiederaufstieg sah man vor allem: Schalke lebt wieder! Der erste Sieg seit 109 Tagen mit den ersten Toren nach 403 Minuten haben den Tabellenletzten zurück in den Abstiegskampf gehievt. Nur noch drei Punkte Rückstand auf den rettenden 15. Platz, das brisante Straßenbahnderby am Samstag (15.30 Uhr/Sky) beim aktuell schwächelnden Vorletzten VfL Bochum vor der Brust - „wir sind wieder im Geschäft“, meinte Krauß.

Genau einen Monat zuvor war der Traditionsklub klinisch tot gewesen. Nach dem 1:6-Heimdebakel gegen RB Leipzig schien der Abstand viel größer als sieben Punkte, das Stadion war beim Abpfiff still und fast leer.

Ein paar Tage später nahmen sich die Fans den hoffnungslosen Tabellenletzten im Training zur Brust, „seitdem liefern wir auf dem Platz, was sie von uns erwarten“, sagte Kunsttorschütze Marius Bülter, der mit einem Hackentreffer (40.) für den Höhepunkt des Spiels gesorgt hatte. Zuvor hatte Dominick Drexler die lange Torlosserie beendet (10.). Fährmanns Patzer beim Distanzschuss von Borna Sosa (63.) brachte den VfB zurück in Spiel.

Seit jener „Ansage“ (Krauß) stopfte Schalke zuerst die Löcher in der Defensive, stellte mit vier Nullnummern in Folge einen Bundesligarekord auf und holte sieben Punkte aus fünf Spielen ohne Niederlage - längst nicht mehr die Bilanz eines Absteigers.

Allerdings auch nicht die, die die Fans mit Blick auf die Derbywochen lautstark besangen: „Die Nummer eins im Pott sind wir.“ In Bochum könnte Schalke aber mit einem Sieg erstmals nach über vier Monaten den letzten Tabellenplatz abgeben. „Das wird ein heißer Kampf“, prognostizierte Trainer Thomas Reis, beim Duell in der Hinrunde noch VfL-Coach, „das Stadion kenne ich ganz gut, das Umfeld und die Power dort auch.“

Eine Woche später im großen Revierderby könnte Königsblau dem scheinbar übermächtigen Erzrivalen Borussia Dortmund einen Strich durch die Meisterrechnung machen - wie schon einmal in ähnlicher Ausgangslage vor vier Jahren. Doch erst einmal feierte Schalke seine Wiederauferstehung - mit großen Emotionen und der ein oder anderen Träne.

(dör/SID)