Kommentar nach Champions League - FC Schalke 04 gegen FC Porto: Mehr Gästefans ins Stadion

Kommentar zu leeren Rängen : Mehr Gästefans in die Stadien

Champions-Leauge-Spiele sind auch bei Traditionsvereinen nicht mehr immer ausverkauft. Obwohl vor den Stadien Hunderte Fans ohne Tickets feiern. Die Uefa setzt mit ihrer Strategie die Stimmung im Stadion aufs Spiel. Ein Kommentar.

Champions-League-Abende sind Galaabende für Fußballer und Fans – das Flutlicht geht an, die Ränge sind voll, die Fans peitschen ihre Mannschaft nach vorne. Diese romantische Vorstellung gehört inzwischen allzu oft der Vergangenheit an. So auch am Mittwochabend beim Spiel der Schalker beim FC Porto. Tausende Sitze blieben leer. Was sich auch negativ auf die Stimmung auswirkte.

Die Uefa zerstört mit ihrer TV-Strategie die Atmosphäre im Stadion. Damit schadet sie sich selbst. Denn ein Topspiel ohne Geräuschkulisse will auch vor dem Fernseher nicht die rechte Stimmung aufkommen lassen. Ein Torjubel, der im Schweigen untergeht, stellt auf Dauer auch die Fans, die für Pay-TV statt teure Tickets zahlen, nicht zufrieden. Und leere Tribünen und Fankurven wirken auch im TV-Bild nicht besonders attraktiv – es sei denn, die Uefa plant, die leeren Plätze künftig als Werbefläche zu nutzen.

Die späte Anstoßzeit um 21 Uhr schreckt viele Fans - vor allem in den Wintermonaten - davon ab, ins Stadion zu gehen. Für Kinder sind die Spiele mitten in der Woche selbst dann zu spät, wenn sie direkt neben dem Stadion wohnen würden. Hinzu kommen die Preise, die die Vereine verlangen und die sich längst nicht mehr jeder Fan leisten kann – vor allem keine Gästefans aus Ländern, in denen die Menschen deutlich weniger verdienen als in Deutschland. All das führt dazu, dass auch Traditionsvereine wie Schalke 04 nicht automatisch jedes Champions-League-Gruppenspiel in einer ausverkauften Arena spielen.

Nun gibt es aber auch Spiele, für die durchaus mehr Tickets verkauft werden könnten. Weil sie für die Gästefans deutlich attraktiver sind als offenbar für den Heimverein - so zum Beispiel das Spiel der Schalker am Mittwochabend in Porto. Schon seit Dienstag hatten sich Tausende Schalke-Fans in Porto versammelt. Am Mittwoch sollen es nach Schätzungen mehr als 6000 Anhänger gewesen sein, die in der Innenstadt eine große Fanparty feierten. 3200 von ihnen hatten Tickets für das Spiel bekommen und damit das Kontingent für die Gästefans ausgeschöpft. Einige Hundert weitere saßen in den „neutralen Blöcken“. Sie waren über den FC Porto an ihre Tickets gekommen. Der Rest der mitgereisten Schalker schaute das Spiel in den Bars und Restaurants in Porto.
Der Grund: Für Gästefans wird es immer schwieriger an Karten zu kommen. Die Weitergabe von Tickets an Gästefans wird den Heimfans teils rechtlich verboten. Tickets für „neutrale Blöcke“, in denen die Fans dann offiziell keines der Teams mit Fahnen und Gesängen unterstützen, gibt es oft auch keine oder nur wenige. Das Kontingent für Gästetickets ist mit fünf Prozent der Stadionkapazität bei Vereinen mit traditionell vielen Auswärtsfahrern wie Schalke, Dortmund, Gladbach oder Istanbul meist schnell ausverkauft. Die Uefa könnte dafür sorgen, dass genau dieses Kontingent bei Bedarf erhöht wird oder zumindest ausreichend Plätze in neutralen Blöcken angeboten werden. Spätestens, wenn ein Spiel zwei Tage vorher noch nicht annähernd ausverkauft ist. Denn die Vereine haben naturgemäß wenig Interesse an einer großen Gruppe gegnerischer Fans im eigenen Stadion. Nur selten erhöhen sie freiwillig das Kartenkontingent für Gästefans. Wer fühlt sich Daheim schon gerne wie beim Auswärtsspiel.

Und es gibt noch einen zweiten Weg, über den mehr Fans ins Stadion finden würden: mit einer offiziellen Uefa-Ticketbörse. In Porto blieben auch viele Plätze leer, weil zahlreiche Portofans mit Saisonkarten nicht kamen. Die Uefa bietet bisher keine einfache, einheitliche Möglichkeit, solche Tickets freizugeben, schon gar nicht spontan.

Normale Tickets, die der Käufer doch nicht nutzen will, werden unter anderem bei der Ticketbörse Viagogo angeboten – meist zu einem Vielfachen des Originalpreises. So können sich die Fans ein Auswärtsspiel dann erst recht nicht mehr leisten. Für Spiele, die automatisch mit Dauerkarten mitgebucht sind, geht das nicht. Es sei denn, der Besitzer gibt seine Dauerkarte weiter und verlässt sich darauf, dass er sie wieder bekommt.

Dabei gibt es Tauschbörsen, die einen fairen Austausch aller Tickets möglich machen würden. Der FC Schalke bietet selbst so eine Ticketbörse an. Die Tickets dürfen nicht über dem Einkaufspreis verkauft werden, Dauerkarten können dort ebenfalls für ein Spiel verkauft werden. Für den Spieltag wird die Karte dann gesperrt. Derjenige, der die Karte quasi übernimmt, bekommt ein übliches Papierticket für den Platz. Andere Vereine nutzen die Ticketbörse „Fansale“, die ähnlich funktioniert. Für einen Verband wie die Uefa sollte es möglich sein, eine entsprechende Tauschbörse einheitlich für alle Spiele anzubieten. So bekämen auch Auswärtsfans bis kurz vor Anpfiff spontan die Chance, nicht genutzte Plätze zu übernehmen. Und im Stadion wäre die Stimmung dann so manches Mal genauso gut wie vor dem Stadion und in den Bars. Das würde sicher auch die TV-Zuschauer freuen.

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