Huub Stevens lobt Schalke 04 trotz Niederlage

Bundesliga-Comeback nach 1134 Tagen : Huub Stevens lobt Schalke trotz Niederlage

Selbst Jahrhunderttrainer Huub Stevens kann den Absturz des FC Schalke 04 beim 0:1 gegen Leipzig nicht verhindern. Mit dem Einsatz seines Team war er allerdings zufrieden - nur ein Spieler fiel negativ auf.

Huub Stevens ist eine Legende auf Schalke. Er wurde zum Jahrhunderttrainer gewählt. Er verkörpert die große Oper von Freude (Eurofighter 1997) und Leid (Meister der Herzen 2001). Seit Samstag ist er zurück, und wenn jemand nach einer schlüssigen Antwort auf die Frage sucht, warum die Königsblauen den Klassenerhalt schaffen, dann fällt nur sein Name. Der Huub macht das schon. Der Huub selbst hat durchaus Respekt vor dieser Aufgabe. „Das ist der schwierigste Job, den ich je hatte“, gab der 65-Jährige nach der 0:1-Niederlage gegen RB Leipzig zu Protokoll. „Und ich hoffe, es ist der letzte.“

Es war sein Bundesliga-Comeback nach 1134 Tagen. Es endete ernüchternd, weil Schalke immer tiefer im Abstiegskampf steckt. „Wir sind alle enttäuscht. Wer mich kennt, weiß, dass ich nicht gerne verliere“, knurrte Stevens. Er lobte aber Einsatz, Kampfgeist und Leidenschaft – und beklagte gleichzeitig das Abschlusspech. „Die Jungs haben alles gegeben. Aber es hat auch das Quäntchen Glück gefehlt, um ein Tor zu machen.“ Gleichwohl deutete sich ein zarter Umschwung an. „Wir haben versucht, die Köpfe frei zu kriegen. Es war wichtig, eine gute Organisation auf dem Platz zu haben“, erklärte Stevens. „Das haben die Jungs gut gemacht.“

Die vierte Heimpleite in Serie ohne eigenes Tor, mit der die Königsblauen einen Vereinsnegativrekord aufstellten, soll dennoch Mut machen für die nächsten Aufgaben. Selbst der zum Missverständnis abgestempelte 16-Millionen-Euro-Einkauf Sebastian Rudy, unter Stevens einst in Hoffenheim Stammspieler und Leistungsträger, blühte auf und schlug in etwas offensiverer Rolle gescheite Pässe in die Spitze.

Doch im Kader stimmt es vorne und hinten nicht. Nabil Bentaleb wurde „aufgrund einer disziplinarischen Verfehlung“ bis auf Weiteres zur U23-Mannschaft, die in der Oberliga Westfalen kickt, versetzt. Nähere Angaben dazu machte der FC Schalke 04 nicht. „Für eine Rückkehr in den Profikader ist die Tür selbstverständlich offen, eine zeitliche Begrenzung für diesen Schritt haben die Verantwortlichen daher nicht festgelegt“, hieß es in einer Mitteilung auf der Vereins-Homepage. Tags zuvor hatte der 24 Jahre alte Bentaleb angeblich wegen „Leistenproblemen“ (nicht „Leistungsproblemen“) gefehlt. Der Algerier befindet sich nach Klubangaben derzeit in der Reha.

Es sind die gängigen Mechanismen der Branche. Alle sollen zusammenstehen. Wer nicht mitzieht, wird aussortiert. Eine Mannschaft steht nicht aus Pech auf Platz 15 der Tabelle. Im speziellen Fall von Schalke ist es das Ergebnis von desaströsen Managementfehlern, die aus dem gefeierten Vizemeister des Vorjahrs eine bemitleidenswerte Schießbude gemacht haben. Ex-Sportvorstand Christian Heidel hat es trotz üppiger finanzieller Mittel nicht geschafft, Malocher-Typen ins Revier zu locken. Verpflichtet wurden einige Diven, charakterlich mindestens herausfordernd für jeden Trainer. Ex-Trainer Domenico Tedesco war, und das kann man ihm schlecht vorwerfen, mangels Erfahrung heillos überfordert. Heidel hätte ihm schon viel früher Unterstützung gewähren müssen. Doch man wollte Tedesco um keinen Preis angreifbar machen. So nahm das Unheil seinen Lauf.

Es liegt einiges im Argen. Es wird jetzt an den neuen Führungskräften liegen, den Umschwung einzuleiten. Wie Stevens und dessen Assistent Mike Büskens verbreitet auch Schalkes neuer Teammanager Gerald Asamoah gute Laune und Zuversicht: „Wichtig war, dass wir gesehen haben, dass da eine Mannschaft auf dem Platz stand, die wollte, und jetzt müssen wir einfach weitermachen.“ Einfach weitermachen? Das klingt sehr nach Durchhalteparolen. Was Schalke dringend benötigt, ist sich der eigenen Stärken wieder zu versichern. Alles eine Frage der Zeit. Die Länderspielpause bietet immerhin die Möglichkeit, ein paar Justierungen vorzunehmen. (mit dpa)

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